Ein erstes Gerüst steht

FUSSBALL. Zu den Gewinnern der ersten Wochen unter Joe Zinnbauer gehören vier defensive Spieler. Mehr Fragezeichen bestehen in der Offensive. Heute um 13.45 Uhr empfängt St.Gallen den FC Sion.

Patricia Loher
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St.Gallen-Trainer Joe Zinnbauer. (Bild: Urs Bucher)

St.Gallen-Trainer Joe Zinnbauer. (Bild: Urs Bucher)

Joe Zinnbauer ist ein kommunikativer Mensch. Der 45jährige Deutsche, in St.Gallen erst seit zweieinhalb Wochen im Amt, lässt einen an seinen Gedankengängen teilhaben. Zinnbauer erklärt seine Entscheide, erklärt seine Ideen, und oft ist er auch äusserst schlagfertig. Nur wenn es in den Stunden vor einem Spiel darum geht, detaillierte Angaben zu seiner Aufstellung zu erfahren, gibt er sich zurückhaltend. Das soll die Spannung sowohl bei seinen eigenen Spielern als auch beim Gegner aufrechterhalten. Vor der Partie gegen Sion sagt der Bayer nur: «Gesetzt sind Daniel Lopar und Mario Mutsch.» Der Torhüter und der von Zinnbauer zuletzt im defensiven Mittelfeld eingesetzte Mutsch waren in den vergangenen Spielen St.Gallens unbestrittene Leistungsträger.

Angha, Gelmi, Wiss

Es scheint, als habe sich Zinnbauer noch nicht auf eine Startformation festgelegt. Vier bis fünf Spieler dürften es sein, die im Moment das Gerüst bilden. «Ich hoffe, bald werden es mehr sein», so der Trainer. Werden die Aufstellungen der ersten drei Spiele unter Zinnbauer herangezogen, wird offensichtlich, dass ein erstes Gerüst in der Defensive steht: Linksverteidiger Martin Angha sowie Roy Gelmi und Alain Wiss in der zentralen Abwehr haben alle drei Partien von Beginn an bestritten. Sie zählen neben Mutsch zu den Gewinnern der ersten Wochen unter Zinnbauer. Einer der Verlierer ist Linksverteidiger Mickaël Facchinetti, der in der vergangenen Saison meist Stammspieler war. Der Romand hatte sich allerdings in dieser Saison bereits unter Trainer Jeff Saibene schwer getan. Nun zeigt Neuzugang Angha, der ursprünglich für die rechte Aussenverteidigerposition oder die Innenverteidigung verpflichtet wurde, starke Leistungen. Der 21jährige Schweizer Nachwuchsinternationale setzt vor allem offensiv mehr Akzente als Facchinetti zu Beginn dieser Saison.

Silvan Hefti könnte die Zukunft als rechter Aussenverteidiger gehören. Der bald 18jährige Goldacher hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. «Die Jugendarbeit greift», sagt Zinnbauer. Aber noch brauche Hefti Zeit. Gegen die Grasshoppers hätte Hefti gespielt, wäre er nicht krank geworden. Heftis Aufstieg ist aber nicht gleichbedeutend mit der Ersatzrolle für Pascal Thrier. Gut möglich ist, dass Zinnbauer Alain Wiss eher im defensiven Mittelfeld sieht. Das wäre die Chance für Thrier, in der Innenverteidigung neben Gelmi zum Einsatz zu kommen. Konkurrenz bekommt Thrier allerdings von Daniele Russo, der wieder fit ist.

Was passiert mit Everton?

Der Leidtragende von Zinnbauers Ideen einer offensiven Spielweise mit viel Ballbesitz und Wiss im defensiven Mittelfeld könnte über kurz oder lang Everton sein. Der Brasilianer spielte zwar regelmässig, solid und kämpferisch, bringt sich offensiv aber weniger ein, als man dies von einem Spieler auf seiner Position erwarten kann. Zudem kassiert der Südamerikaner zu viele Verwarnungen: In neun Spielen bekam der 27-Jährige bereits sechsmal die gelbe Karte gezeigt. Das ist in dieser Saison Rekord für einen Spieler der Super League.

Was mit Dejan Janjatovic passiert, ist offen: Wegen einer Magen-Darm-Grippe hat er unter Zinnbauer noch kein Spiel absolviert. Mit den Trainingsleistungen von Janjatovic sei er zufrieden, sagt der Trainer. Aber natürlich müssten sich einige Spieler umstellen: «Ich will, dass sie den Ball nicht über eine lange Strecke halten, sondern eher über kurze Distanzen und sie sich dann ohne Ball wieder anbieten.»

Die Sorgen von Cavusevic

Noch unklar ist, wie Zinnbauers Pläne im Angriff sind. In den beiden Meisterschaftsspielen gegen Thun und die Grasshoppers war die Offensivabteilung stets anders besetzt. Noch keine Chance, um sich zu präsentieren, hatte Albert Bunjaku, der sich just bei Zinnbauers Amtsantritt eine Adduktorenverletzung zuzog. Schwierig werden dürfte es für Dzengis Cavusevic, sich in die Mannschaft zu kämpfen. Der Slowene kann nicht verbergen, dass er einen Teil der Vorbereitung verpasst hat. Cavusevic musste sich im Sommer Vernarbungen im rechten Knie lösen lassen. Zuletzt spielten gegen Thun Sandro Gotal und gegen die Grasshoppers Yannis Tafer im Sturm. Aber Zinnbauer sagt auch: «Es bekommen alle eine Chance.» Vielleicht bald auch Cavusevic, der unter Zinnbauer bisher erst zehn Minuten absolviert hat.

Für die Position hinter der Spitze scheinen Danijel Aleksic und Marco Mathys noch immer gleichauf zu sein. Zinnbauer sagt: «Ich will nicht auf meine Spielweise verzichten. Nur überlege ich mir jeweils, ob eine Aufstellung auch gegen den jeweiligen Gegner passt.»

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