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Lugano-Präsident Renzetti über das Foul an Itten: «Die Reaktionen waren übertrieben»

Vor dem Spiel am Sonntag gegen St. Gallen erklärt Luganos Präsident Angelo Renzetti den Trainerwechsel – und findet sechs Sperren für Fabio Daprelà nach dessen bösem Foul gegen Cedric Itten eine zu strenge Bestrafung.
Interview: Pascal Berger
Angelo Renzetti ist seit acht Jahren Präsident des FC Lugano. (Bild: Gabriele Putzu/KEY)

Angelo Renzetti ist seit acht Jahren Präsident des FC Lugano. (Bild: Gabriele Putzu/KEY)

Er ist der Chef im Tessin wie Christian Constantin im Wallis; er scheut sich nicht, zu taktischen Fragen Stellung zu beziehen wie sein Amtskollege beim FC Sion; und er pflegt einen ebenso offenen Kommunikationsstil: Angelo Renzetti, der Präsident des FC Lugano seit 2010.

Nach dem ersten Quartal der Meisterschaft ersetzte er Jungtrainer Guillermo Abascal durch Fabio Celestini. Und nach dem folgenschweren Foul von Fabio Daprelà am St. Galler Cedric Itten legte er Rekurs gegen die sechs Spielsperren für den Verteidiger ein, weil er die Sanktion als zu heftig empfand.

Angelo Renzetti, nach nur neun Runden haben Sie bereits den Trainer gewechselt. Ist das nicht etwas früh in der Saison?

Die Antwort darauf kann nicht ich geben, das werden die Resultate tun. Fallen sie positiv aus, war es richtig, so gehandelt zu haben. Wenn nicht, dann … Aber ich habe die Massnahme nicht aus einer Laune heraus getroffen, sondern aus Überzeugung. Die Ausrichtung unseres Spiels gefiel mir nicht, ich hätte mir gewünscht, dass wir den direkten Weg zum Tor suchen und nicht derart viel Wert auf möglichst viel Ballbesitz legen.

Warum nicht?

Weil wir nicht über die Spieler verfügen, die das beherrschen. Wenn man es trotzdem versucht, führt das oft zu Fehlern. Und Fehler verursachen Verunsicherung. Wie will man ohne Selbstvertrauen Erfolg haben? Zudem war ich der Ansicht, dass der Rhythmus fehlte.

War Guillermo Abascal für solche Inputs nicht empfänglich?

Wir haben mehrmals mit ihm geredet, trotzdem änderte er nichts.

Als Sie Abascal im April unter Vertrag nahmen, war er gerade einmal 28. Büsste er für seine Unerfahrenheit?

Das glaube ich nicht. Er machte seine Sache auch als sehr junger Trainer anfänglich ja so, wie wir uns das vorstellten. Aber es entwickelte sich nicht in eine Richtung, die mir gefiel.

Gab es Spieler, die sich gegen ihn auflehnten?

Davon ist mir nichts bekannt. Zudem: Wenn einer gegen den Trainer arbeitet, arbeitet er gegen sich selbst.

Was hat sich in den ersten drei Wochen unter dem neuen Coach Fabio Celestini im Alltag geändert?

Er ist sehr präzis in seiner Ansage, er legt Wert auf Intensität im Training, auf einen hohen Rhythmus. Und der Spielstil unterscheidet sich von jenem Abascals: Wenn wir den Ball haben, soll es schnell Richtung gegnerischer Strafraum gehen. Lugano wird unter Celestini ein anderes Gesicht zeigen, aber klar ist auch, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis die Mannschaft sich verinnerlicht hat, was der Trainer verlangt.

Das hiesse aber auch, dass Sie als Präsident ebenfalls geduldig sein müssen …

… das bin ich!

Muss Celestini nicht um seinen Job fürchten, wenn er nicht den schnellen Erfolg hat?

Ich werde bis Ende Saison sicher nicht mehr wechseln, eine Entlassung ist schon genug. Die Ruhe werde ich auf jeden Fall bewahren.

Was erwarten Sie denn von Ihrem Team?

Dass es den Ligaerhalt schafft. Was kann ich anderes erwarten?

Ist dafür genügend Substanz vorhanden?

Wir haben fähige Spieler, aber Sie müssen eines berücksichtigen: Es ist für einen Verein wie Lugano nicht einfach, in einer Zehnerliga zu bestehen. Wir konnten unser Budget von sechs, sieben Millionen Franken zwar erhöhen, aber selbst mit zehn, elf Millionen sind wir mutmasslich jene mit dem wenigsten Geld. Ausserdem ist das öffentliche Interesse an uns limitiert. Wir bringen es in dieser Saison im Schnitt auf nicht einmal 4000 Zuschauer pro Partie im Cornaredo.

Woran liegt das?

Wir sind bereits im vierten Jahr ohne Unterbruch in der Super League, standen einmal im Cupfinal und erreichten die Gruppenphase der Europa League. Das ist keine schlechte Bilanz. Ich glaube, dass vor allem die Infrastruktur ein Problem ist. Unser Stadion ist nicht mehr zeitgemäss und nicht besonders gemütlich für die Besucher. Darum steht für mich ausser Frage: Wir sind dringend darauf angewiesen, dass 2019 oder spätestens 2020 mit dem Neubau begonnen wird.

Lässt sich das dürftige Interesse auch mit der Konkurrenz zweier populärer Eishockeyclubs erklären?

Nur teilweise. Ich sehe es sowohl beim HC Lugano als auch bei Ambri: Die Leute lassen sich begeistern und mobilisieren – wenn der Erfolg da ist. Wir hatten zudem vergangene Saison das Pech, dass wir in der Europa League unsere Heimspiele in Luzern austragen mussten. Das nahm uns die Chance, den Tessinern europäischen Fussball in ihrem Stadion zu präsentieren.

Haben Sie die Vision, dass die Kräfte im Kanton gebündelt werden und eines Tages ein FC Ticino entsteht?

Der Name ist zweitrangig. Wichtiger finde ich, dass wir zusammenarbeiten. Das machen wir jetzt bereits mit Chiasso, und es funktioniert gut. Die Chance, dass zwei Tessiner Verein in der Super League existieren könnten, stufe ich als mässig ein. Ich halte es für eine ideale Konstellation, wenn ein Club erstklassig ist, und glaube, dass Lugano das sein sollte. Als starken Unterbau sehe ich zwei Mannschaften in der Challenge League, dazu ein, zwei in der Promotion League.

Lugano empfängt am Sonntag den FC St. Gallen. Von der letzten Begegnung in Erinnerung ist primär die Szene, in der Fabio Daprelà seinen Gegenspieler Cedric Itten schwer verletzt …

… das tut mir sehr leid, das tut auch Fabio Daprelà leid. Dem FC St. Gallen steht ein wichtiger Spieler vorderhand nicht mehr zur Verfügung. Wir sind uns bewusst, dass dieses Foul mit einer roten Karte hätte geahndet werden müssen.

Und trotzdem hat Lugano gegen die sechs Spielsperren Rekurs eingelegt. Wieso das?

Weil ich finde, dass diese Sanktion eine zu strenge Bestrafung ist und gegen unseren Spieler eine Kampagne geführt wurde. Ja, er hat ein Foul begangen, ja, es war ein Fehler. Aber es steckte keine Absicht dahinter. Die heftigen Reaktionen arteten fast in eine Kriminalisierung aus, das war übertrieben. Im Nachhinein gab es viele entsetzte Kommentare, bloss: Als es passierte, sah der Schiedsrichter nichts, und seine Assistenten bekamen auch nichts mit.

Trotzdem: Ist es moralisch vertretbar, Daprelà gegen die Grasshoppers einzusetzen? Oder wäre es nicht angemessen gewesen, die Sanktion der Liga zu akzeptieren?

Wir brauchten ihn, weil Personalnot herrschte. Aber wir müssen eingestehen: Es kam einem vor, als wäre er gar nicht dabei gewesen. Daprelà hatte die ganze Geschichte zugesetzt. Er ist ja kein Roboter.

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