Die Paraden nach der Petarde

FUSSBALL. Die Bilder des Petardenwurfs im Sittener Tourbillon gingen durch die Schweiz. Im Zentrum stand dabei St.Gallens Torhüter Daniel Lopar. Aufmerksamkeit hat der 27-Jährige nach dem 3:0 aber auch aus einem anderen Grund verdient.

Patricia Loher
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«Wir sind sicher ein bisschen in einem Flow»: St. Gallens Torhüter Daniel Lopar gegen Sions Kyle Lafferty. (Bild: EQ Images/Christian Pfander)

«Wir sind sicher ein bisschen in einem Flow»: St. Gallens Torhüter Daniel Lopar gegen Sions Kyle Lafferty. (Bild: EQ Images/Christian Pfander)

Daniel Lopar hatte in Sitten einen Schutzengel zur Seite: Eine Viertelstunde vor dem Ende schmiss ein Chaot eine Petarde in Richtung des Torhüters. Die über 1000 Grad heisse Fackel ging knapp neben dem Goalie zu Boden. Seither sind drei Tage vergangen, der Werfer wurde ermittelt. Während für ihn die Folgen gravierend sein dürften, ist für St.Gallens Goalie die Sache abgehakt. Er sagt nur: «Natürlich bin ich erschrocken.» Aufmerksamkeit hat der 27-Jährige allerdings auch aus einem anderen Grund verdient. Lopar verhinderte im Wallis selbst nach dem Fackelwurf mit zwei hervorragenden Reflexen ein Gegentor und ist mitverantwortlich dafür, dass der Aufsteiger zusammen mit den Grasshoppers und Sion bis anhin am wenigsten Treffer hinnehmen musste. Schon eine Woche zuvor gegen Basel hatte Lopar unter anderem einen Freistoss von Alex Frei an den Pfosten gelenkt.

Hervorragende Bilanz

Fünf Gegentreffer in acht Spielen sind eine hervorragende Bilanz. St.Gallen ist das einzige noch unbesiegte Team. «Wir sind sicher ein bisschen in einem Flow», sagt Lopar. Der Romanshorner erwähnt die Taktik, «an der wir uns festhalten können», den Vorteil, «dass niemand etwas von uns erwartet hat», und die Mannschaft, «in der alle 24 Akteure von Anfang an spielen könnten». Hinzu komme, dass das Team näher zusammengerückt sei und die Transfers geglückt seien. «Aber all das ist nur eine Momentaufnahme. Wir werden uns davor hüten, den Boden unter den Füssen zu verlieren.» In St.Gallen geniessen sie die aussergewöhnliche Situation, erstmals seit Oktober 2006 Leader zu sein.

Lopar hat in den vergangenen Jahren aber auch die Kehrseite der Medaille kennengelernt. Die Diskussionen, ob er oder Germano Vailati die bessere Nummer eins sei, gingen am Thurgauer nicht spurlos vorbei. Auch im Vorfeld dieser Saison liess Trainer Jeff Saibene lange offen, ob er auf Lopar oder den neuen Goalie Marcel Herzog setzen würde. «Ich habe gelernt, mich abzugrenzen. Ich las nicht mehr alles, was in den Zeitungen stand», so Lopar, der anfügt: «Vor meinem inneren Auge war ich stets die Nummer eins.»

Das Lob an den Goalietrainer

Er profitiere von Torhütertrainer Stefano Razzetti, dessen Erfahrung und Ruhe. «Razzetti», sagt Lopar, «war noch nie schlecht drauf.» Natürlich kommt hinzu, dass auch Lopars Kollegen hervorragende Defensivarbeit abliefern. «Die Ansage von Saibene ist deutlich: Wer zu wenig läuft, wird ausgewechselt», so der Goalie.

Nun will das Team die Form über die dreiwöchige Pause retten. So sollen auch Blessuren ausheilen. In Sitten musste Philippe Montandon ausgewechselt werden. Der Captain hat sich einen Faserriss im Oberschenkel zugezogen. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass Montandon in drei Wochen wieder fit ist.

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