Die Millionen-Frage bleibt

Auch nach der FCSG-Rettung gibt es offene Geldfragen. Eine davon: Was passiert mit der Million, welche der Club der Stadt für Sicherheitseinsätze schuldet? Die Stadt will dem Club entgegenkommen – mehrere Szenarien sind möglich.

Ralf Streule
Drucken
Teilen
Teure Polizeieinsätze: Die Stadionbetreiber schulden der Stadt nach wie vor eine Million Franken an Sicherheitskosten. Daran ändert auch die finanzielle Rettung des FC St. Gallen nichts. (Archivbild: Benjamin Manser)

Teure Polizeieinsätze: Die Stadionbetreiber schulden der Stadt nach wie vor eine Million Franken an Sicherheitskosten. Daran ändert auch die finanzielle Rettung des FC St. Gallen nichts. (Archivbild: Benjamin Manser)

Das Nein des Stadtparlaments vor zwei Wochen liess nicht mehr viele Fragen übrig. Zwei Drittel aller Parlamentarier waren gegen die Beteiligung der Stadt am Rettungspaket für den FC St. Gallen – und damit auch gegen den Erlass der Schulden, welche der Club bei der Stadt weiterhin hat. Nun, da der FC St. Gallen vorerst gerettet ist und die nationalen Medien wieder aus der Ostschweiz abgezogen sind, tritt die Frage aber wieder in den Vordergrund: Was passiert mit der Million, welche die Stadiongesellschaften

der Stadt für Sicherheitseinsätze noch immer schulden? Nächsten Dienstag wird das Stadtparlament über eine neue Verteilung der Sicherheitskosten diskutieren (siehe Kasten). Diese wird aber am Schuldenberg nichts ändern.

FCSG will Gleichbehandlung

Nach wie vor hofft die Clubleitung auf ein Entgegenkommen der öffentlichen Hand.

Dölf Früh plädierte am Sonntag beim TVO-Talk auf Tele Ostschweiz dafür, die Frage der Sicherheitskosten gesamtschweizerisch zu lösen. Zu gross seien die Unterschiede zwischen den Städten; weiterhin sei St. Gallen im Gegensatz zu anderen Fussballclubs benachteiligt. Zudem könnten die Stadionbetreiber keinen Einfluss auf die Höhe der Sicherheitskosten nehmen, die Stadt plane die Polizeieinsätze alleine.

Rainer Sigrist, bisheriger BAG-Delegierter und HRS-Boss, hofft nun auf konstruktive Gespräche mit der Stadt, wie er gestern auf Anfrage sagte. «Wir hoffen, dass wir gleich behandelt werden wie andere Arenen in der Schweiz.»

Rückzahlung in Raten?

Bei allen Wünschen der Clubleitung: Die Stadt ist mit dem Entscheid des Parlaments grundsätzlich dazu verpflichtet, das Geld einzufordern.

Knallharter Schuldeneintreiber werde er aber sicher nicht sein, sagt Stadtrat Nino Cozzio, Direktion Soziales und Sicherheit, auf Anfrage. Schliesslich wolle man die Sanierung des FC St. Gallen nicht gleich wieder gefährden. Ein Schuldenerlass werde aufgrund des Parlamentsentscheids jedoch nicht möglich sein. Da der Club nun aber von privater Seite gerettet worden sei, ergebe sich vielleicht eine andere Ausgangslage. Er denke dabei an ein Entgegenkommen beim «Abzahlungsmodus».

Die Schulden sollen zum Beispiel in Raten zurückbezahlt werden können. Gespräche mit der Clubleitung seien auf jeden Fall geplant. «Wir werden offene Ohren haben für deren Anliegen.»

Parteien: «Club muss zahlen»

Zur Meinung der Stadtparteien zum Thema gibt's derzeit wenig zu erfahren: Die Fraktionssitzungen stehen erst bevor. «Die Türen sind aber nicht zu», sagt beispielsweise FDP-Fraktionspräsident Daniel Rietmann. Nach der Rettung des FC St. Gallen durch Private sei man bereit, über die Art der Rückzahlung der Million zu reden.

Auch Heini Seger (SVP) sieht die Möglichkeit, dem Club entgegenzukommen. «Man kann zum Beispiel über Zahlungsfristen nachdenken.» Beide betonen aber, dass sich die grundlegende Situation nicht geändert habe: «Der Club muss die Schulden zurückbezahlen.»

Interessant ist ein weiterer Vorschlag, der von mehreren Parlamentariern «inoffiziell» angesprochen wird: Es sei denkbar, den künftig geplanten Kostenverteilschlüssel (Kasten) rückwirkend auf die vergangene Saison anzuwenden.

Damit würden pro Spiel 20 000 Franken zurückerstattet, was für 2010 eine Einsparung von 360 000 Franken bedeuten würde.

Aktuelle Nachrichten