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FCSG castet neue Spieler – und Trainer Zeidler spricht über Barnettas Rücktritt

Während Tranquillo Barnetta bald zurücktritt, schmieden die Ostschweizer an ihrer Zukunft. In einem Trainingscamp für Testspieler suchen sie mögliche Neuzugänge. Derweil nimmt St.Gallens Trainer Peter Zeidler Stellung zu Barnetta.
Christian Brägger
Trainerassistent Ioanis Amanatidis beobachtet das Schusstraining der Testspieler. (Bild: Hanspeter Schiess)

Trainerassistent Ioanis Amanatidis beobachtet das Schusstraining der Testspieler. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit Dienstag und bis heute Freitag besetzen 20 junge bis sehr junge Testspieler im Gründenmoos einen der hinteren Rasenplätze. Sie logieren in diesen Tagen in einem Hotel im Westen der Stadt, trainieren vor den Augen einiger Berater und manchmal im Beisein von Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler, der sportlichen Führung des
FC St.Gallen. Geleitet werden die Übungseinheiten von Zeidlers Assistenztrainern Boro Kuzmanovic und Ioannis Amanatidis, Peter Kappeler, der Video-Analyst, filmt.

Ein solches Casting-Camp hat es bereits einmal gegeben in St.Gallen, damals während einer Länderspielpause unter Sportchef Christian Stübi und Trainer Joe Zinnbauer. Es dauerte zwei Tage und war nicht von diesem Ausmass, verpflichtet wurde danach – Goalie Dejan Stojanovic.

Gegensätzliche Gefühlswelten

Nun also hoffen Akteure dieser Gruppe auf einen Vertrag – für den Nachwuchs, oder die erste Mannschaft des FC St.Gallen. Sie stehen am Beginn oder an der nächsten Station der Karriere und absolvieren ein Casting, das Chefscout Nnamdi Aghanya organisiert. Falls es nach dieser Woche nicht klappt mit einem Engagement, ziehen sie weiter.

Derweil kommt dem FC St.Gallen gerade die Identifikationsfigur abhanden, nachdem das Eigengewächs Tranquillo Barnetta am Dienstag per Videobotschaft seinen Rücktritt zum Saisonende verkündet hat. Gegensätzlicher könnten die Gefühlslagen kaum sein.

Die Testspieler stehen teilweise in einem Arbeitsverhältnis, sie sind gekommen aus nah und fern, aus Thun bis Griechenland und Brasilien, aus Afrika bis Italien. Sie sind gross, kräftig, vielleicht schwerfällig, sie sind klein, flink, technisch versiert, vielleicht etwas leichtgewichtig. Einige sind nicht einmal 16 Jahre alt, andere sind etwas über 20.

Alles ist dabei, aber einer wie Barnetta, der dem Verein Sauerstoff gab, sein DNA-Träger war und dies immer bleiben wird?

Derzeit trainiert der zentrale Mittelfeldspieler Robin Huser, Jahrgang 1998, im Gründenmoos, er kam in der Vorsaison zu sieben Teileinsätzen für den FC Thun in der Super League. Aktuell ist er beim FC Basel engagiert, wo er schon im Kader der ersten Mannschaft stand, aber in der zweiten in der Promotion League zum Einsatz kommt.

Es gibt Anweisungen von Amanatidis. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es gibt Anweisungen von Amanatidis. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auch Francesco Ruberto weilt im Probetraining, er gehört bis zum Sommer Thun, war in der Vorrunde der Spielzeit 2017/18 Stammgoalie in der höchsten Spielklasse; seither gab es für den 26-Jährigen keinen Einsatz mehr in einer Pflichtpartie.

Will der FC St.Gallen Jürgen Klinsmanns Sohn verpflichten?

Enrique Wild, 19-jähriger Linksverteidiger des FC Winterthur, an dem der FC St.Gallen interessiert sein soll, wird im Trainingscamp nicht gesichtet. Vermisst wird ebenfalls Jonathan Klinsmann; nach ihm sollen ebenfalls die Fühler ausgestreckt worden sein. Der Sohn des ehemaligen Fussballprofis Jürgen Klinsmann ist 22 Jahre alt und gehört noch Hertha Berlin, muss den Verein zum Saisonende aber verlassen.

In der 1. Bundesliga kam er nie zum Einsatz – und er ist ebenfalls ein Goalie. Zeidler kennt den Spieler, möchte sich zu seinem Namen nicht äussern. Den jungen Klinsmann würden die Ostschweizer kaum für den Posten des dritten Torhüters verpflichten; als Nummer eins ist Stojanovic gesetzt, die Nummer zwei ist Daniel Lopar, beide haben Verträge über die aktuelle Saison hinaus.

Gianluca Tolino, der zweite Ersatzgoalie, muss die Ostschweizer verlassen, vor einer Woche absolvierte der 19-Jährige ein Probetraining beim Challenge-League-Verein Wil.

Alle Spieler wurden gescoutet

Die St.Galler haben die 20 Probespieler allesamt gescoutet. «Wir haben sie in Videos gesehen, nun spielen sie vor. Live sieht man am besten, wer Potenzial hat», sagt Zeidler. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Talentiertesten ins Training der ersten Mannschaft eingeladen werden, in dieser heissen Schlussphase der Saison würde es den Betrieb stören, sagt er.

«Also machen wir dieses Trainingslager.»

Es dürfte indes kein Leichtes sein, bei der Analyse der 20 Spieler die Übersicht zu behalten. Den 21-jährigen Rechtsverteidiger Moussa Soumaré, der einst bei Chiasso spielte und nun bei Châteauroux in der Ligue 2 unter Vertrag steht, scheint die Clubführung bereits eingehender studiert zu haben. Nicht nur einmal wechselt der Franzose mit malischen Wurzeln an diesem Nachmittag Worte mit Zeidler und Sutter.

Und natürlich ist der Rücktritt Barnettas weiterhin Thema beim
FC St.Gallen. Das Interview, dass der Offensivspieler nach der Ankündigung des Rücktritts dieser Zeitung gab, liegt Zeidler auf dem Magen. Weil da einige Dinge in die falsche Richtung gehen würden und man die Dinge differenzierter sehen müsse.

Zeidler betont, mit Barnetta sei das Verhältnis
sehr gut

Vor allem sieht der Trainer überhaupt keinen Keil zwischen sich und dem prominentesten St.Galler Fussballer: «Unser Verhältnis ist sehr gut. Wir taten alles für Barnetta und schafften ihm die besten Voraussetzungen. Das sieht man ja an seinen Leistungen», sagt Zeidler.

Ende Saison ist für Tranquillo Barnetta Schluss. (Bild: Georgios Kefalas)

Ende Saison ist für Tranquillo Barnetta Schluss. (Bild: Georgios Kefalas)

Der Coach hofft, dass der Rücktritt und der daraus entstandene Wirbel seine Mannschaft nach vorne bringe, indem positive Energie frei werden sowie nochmals ein Schub komme.

«Wir alle wünschen einen Abschied im Guten – es wäre das Sahnehäubchen, wenn uns Quillo im letzten Spiel in die Europa League schiessen würde.»

Wenn aber andere Dinge dominierten, werde es schwierig, sagt Zeidler, «weil Nuancen entscheiden, ob man in die Barrage muss». Der Coach sagt, er hätte sich eine weitere Saison mit Barnetta sehr gut vorstellen können. Sutter betonte stets, der Ball liege einzig beim Spieler. «Ich finde den Entscheid schade, aber ich respektiere ihn», sagt Zeidler.

«Falls von Barnetta dereinst das Signal kommt, im Verein wirken zu wollen, sind die Türen offen.» Wenn das keine Aufforderung ist – ohne Casting.

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