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«Die beiden Clubs trennen Welten»

Der FC St.Gallen empfängt heute um 16 Uhr den FC Thun, der nur drei Punkte mehr auf dem Konto hat, aber in wesentlich besserer Stimmung ist. Thun-Trainer Jeff Saibene über seine Philosophie, die an gute St.Galler Zeiten erinnert.
Patricia Loher
Jeff Saibene pflegt immer noch Kontakt zum FCSG-Präsidenten Dölf Früh. (Bild: MARCEL BIERI (KEYSTONE))

Jeff Saibene pflegt immer noch Kontakt zum FCSG-Präsidenten Dölf Früh. (Bild: MARCEL BIERI (KEYSTONE))

Jeff Saibene, Ihr Saisonstart mit dem FC Thun war schwierig. Aber just, als auch noch Geldsorgen bekannt wurden, ging es mit Ihrem Team aufwärts. Weshalb?

Wir haben einen grossen Umbruch hinter uns. Es war klar, dass wir Zeit benötigten. Spieler wie Christian Fassnacht oder Joël Geissmann kamen aus der Challenge League zu uns, Dejan Sorgic gar aus der Promotion League. Schön wäre es nun, wenn wir den Zuschauerdurchschnitt von derzeit knapp 5000 noch etwas steigern könnten.

Sie haben fast fünf Jahre in St.Gallen gearbeitet. Fehlt Ihnen manchmal die Emotionalität einer fussballbegeisterten Region?

Ich kenne beide Seiten, beide haben ihre Vor- und Nachteile. Natürlich ist es unglaublich, wenn eine Mannschaft an ein Europa-League-Spiel nach Swansea von 1000 Anhängern begleitet wird. Natürlich geniesst man das, vor allem wenn es gut läuft. Anders sieht es aus, wenn es sportlich schwieriger wird. Dann werden Druck und Unzufriedenheit bei einem Club wie St.Gallen grösser als in Thun.

Ist es auch die Ruhe im Berner Oberland, die hilft, dass sich ein Team entwickeln kann?

Den FC Thun und den FC St.Gallen trennen Welten. Hier in Thun bleiben die Leute immer positiv, auch wenn es einmal nicht so gut läuft. Sie können die Situation einschätzen, sie wissen, dass unsere finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind. Hier bricht keine Panik aus. Selbst als ich die Mannschaft während der vergangenen Saison nach schwierigen Wochen übernahm, war es ruhig in Thun. Ohne diesen Druck von aussen ist es einfacher, eine Mannschaft zu finden und sie zu entwickeln.

Wie haben Sie sich entwickelt seit Ihrem Rücktritt in St.Gallen vor etwas mehr als einem Jahr?

Ich bin gelassener geworden. Ich versuche, mir nicht mehr immer alles so zu Herzen zu nehmen wie früher. Ich bin überzeugt, dass der Staff einen guten Job macht. Man darf sich in diesem Metier nicht krankmachen lassen. Als Trainer muss man lernen, abzuschalten und Distanz zu gewinnen. Ich war zum Beispiel zweimal an den Swiss Indoors in Basel. Tennisprofi Gilles Muller, der im selben Ort aufgewachsen ist wie ich und ein guter Freund ist, hatte mich eingeladen.

Eine längere Pause konnten Sie und Sportchef Andres Gerber sich zuletzt aber kaum leisten.

Nach der vergangenen Saison hat uns fast eine ganze Mannschaft verlassen. Mit Roman Buess und Ridge Munsy verloren wir zwanzig Tore. Sandro Wieser ging, Andreas Wittwer und Gonzalo Zarate auch, Michael Siegfried und Fulvio Sulmoni verliessen uns ebenfalls. Dann wechselte kurzfristig auch Sven Joos zu den Young Boys, nachdem Florent Hadergjonaj von den Bernern zu Ingolstadt transferiert worden war. Eigentlich waren es zu viele Veränderungen auf einmal, solche Kadereinschnitte sind nicht einfach zu verkraften. Wir müssen schauen, dass uns künftig Ähnliches nicht mehr passiert.

Im heutigen Krisengipfel wird Ihr Team im Vorteil sein. Thun lässt eine Aufwärtstendenz erkennen, bei St. Gallen aber geht es abwärts. Ihre Mannschaft ist der Favorit.

Der FC Thun ist weit davon entfernt, in einer Krise zu sein. Wir haben mehr Punkte auf dem Konto als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. Und obwohl sich der FC St.Gallen schwer tut, wäre es vermessen zu sagen, dass wir in dessen Stadion der Favorit sind. Die Chancen stehen 50:50.

St.Gallen hat zuletzt drei Heimspiele in Serie verloren.

Ach ja?

Wie beurteilen Sie die Situation des FC St.Gallen?

Die Mannschaft befindet sich in einer Baisse. Doch ich mag nicht beurteilen, weshalb das so ist. Man sollte in St.Gallen nicht vergessen, dass Dölf Früh den Club einst gerettet hat. Als er den Verein übernahm, stand er vor einem Schuldenberg von zwölf Millionen Franken.

Pflegen Sie noch Beziehungen in die Ostschweiz?

Natürlich, ich habe in St.Gallen wunderbare Jahre verbracht. Daniel Tarone oder Simon Storm sind zu guten Freunden geworden, auch mit Dölf Früh oder Pascal Kesseli bin ich regelmässig in Kontakt. Ich habe St.Gallen im Guten verlassen.

Die aktuelle Zusammensetzung des FC Thun erinnert an das St.Galler Team Ihrer ersten Jahre.

Die beste Zeit in St.Gallen hatte ich mit Spielern, die aus der Challenge League kamen oder ihre Karriere neu lancieren wollten. Und es ist richtig: Wir setzen in Thun auch auf solche Akteure, alles andere steht bei uns nicht zur Diskussion. Ich mag diese Philosophie. Ich mag es, mit hungrigen Spielern zu arbeiten. Fassnacht kam aus Winterthur und ist nun mit vier Treffern unser bester Torschütze. Geissmann kam aus Wohlen und hat als zentraler Mittelfeldspieler schon dreimal getroffen. Sorgic, der zuvor in Kriens spielte, hat in Vaduz zwei Tore erzielt. Auch Matteo Tosetti oder Marco Bürki sind sichere Werte geworden.

Thun hat zuletzt viermal hintereinander gepunktet, davor aber viermal in Folge verloren. Wie wichtig ist es für die Autorität eines Trainers, dass die Mannschaft sieht: Was er uns erzählt, kann zum Erfolg führen?

Die Mannschaft hat schnell gesehen, dass eine Basis vorhanden ist. Wir lieferten viele gute Spiele ab, manchmal aber fehlte uns auch das Glück, wenn ich zum Beispiel an das aberkannte Tor in Sitten denke. Auch beim 1:2 zu Hause gegen St.Gallen hätten wir ein Unentschieden verdient gehabt. Wir haben nie richtig schlecht gespielt, das gab uns die Gewissheit, dass wir mit ein bisschen Geduld auch bald die Punkte holen würden.

Verfolgen Sie das Spiel in unserem Liveticker auf www.ostschweiz-am-sonntag.ch

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