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Der Überflieger, die Köpfe hinter den Siegen, der Raststätten-Halt auf der Rückfahrt aus Genf – das sind die schönsten Geschichten zum FCSG-Höhenflug

Der FC St.Gallen ist mit einer jungen Mannschaft auf Rang drei gestürmt. Gewinnen die Ostschweizer am Samstag auch gegen Sion, halten sie Anschluss an Platz zwei. Ein Rückblick auf ein aussergewöhnliches erstes Drittel der Meisterschaft.
Patricia Loher, Christian Brägger

Der Überflieger: Jordi Quintillà

Jordi Quintillà. (Bild: Benjamin Manser)

Jordi Quintillà. (Bild: Benjamin Manser)

Das Schnäppchen ist der Mann der Stunde: Jordi Quintillà, vor etwas mehr als einem Jahr ablösefrei aus der zweithöchsten nordamerikanischen Liga nach St.Gallen gekommen, verzückt mit Traumtoren. Das 4:0 gegen Thun und auch das 3:1 am Sonntag gegen Lugano liessen die Herzen der Anhänger höherschlagen.

In elf Meisterschaftspartien traf der frühere Junior des FC Barcelona bereits fünfmal. Laut transfermarkt.ch hat sich der Wert des Mittelfeldspielers seit dem Wechsel zum FC St.Gallen von 450'000 auf
1,1 Millionen Franken gesteigert. Der 26-Jährige ist Regisseur und Torschütze. Er vereint Stärken, die ihn zu einem umworbenen Spieler machen. Schon im vergangenen Sommer gab es das eine oder andere Gerücht über Interessenten wie Union Berlin oder Stuttgart. Der Kontrakt des Iberers läuft 2020 aus. St.Gallen müsste den Vertrag eigentlich schon jetzt verlängern. Nur: Je öfter Quintillà trifft, desto schwieriger dürfte er zu halten sein.

Landsmann Victor Ruiz, der aus der vierthöchsten spanischen Liga nach St.Gallen wechselte, hat sich ebenfalls zu einer Teamstütze entwickelt. Dabei hatte es nach der vergangenen Rückrunde und nur wenigen Einsätzen Zweifel geben, ob der Mann aus Valencia die Lücke von Vincent Sierro je würde schliessen können. Nun gehört der 25-jährige Ruiz zum Stamm – und ist dank seiner Spielfreude nicht mehr aus St.Gallens Team wegzudenken.

Das Zitat von Matthias Hüppi

Matthias Hüppi. (Bild: Benjamin Manser)

Matthias Hüppi. (Bild: Benjamin Manser)

«Natürlich gibt es die grünweisse Welle! Gehen Sie einmal mit mir durch die Stadt und die Region.»

Präsident Matthias Hüppi nach dem Cupout im September. Seither herrscht Euphorie.

Das Bemerkenswerte: Auswärts sind sie besonders stark

St.Gallens Cedric Itten (Mitte) gegen Basels Blas Riveros. Die Ostschweizer setzen sich mit 2:1 durch. Itten trifft gegen seinen früheren Club zweimal. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

St.Gallens Cedric Itten (Mitte) gegen Basels Blas Riveros. Die Ostschweizer setzen sich mit 2:1 durch. Itten trifft gegen seinen früheren Club zweimal. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

St.Gallen ist die bis anhin stärkste Auswärtsmannschaft der Liga. Die Ostschweizer haben in sechs Partien 13 Punkte geholt: Sie gewannen in Basel, Sitten, Genf sowie in Lugano, holten in Neuenburg bei Xamax ein Unentschieden und verloren nur beim FC Zürich.

Die Mannschaft weist auf fremden Plätzen ein Torverhältnis von 11:7 aus. Das zweitbeste Auswärtsteam, der FC Basel, hat ein Unentschieden mehr auf dem Konto, die Young Boys mit elf Zählern bestritten auswärts ein Spiel weniger als die St.Galler und Basler. Schon in gut zwei Wochen wird die Auswärtsstarke erneut auf dem Prüfstand sein: Am 10. November gastieren die Ostschweizer bei Meister Young Boys. Die Berner sind das derzeit beste Heimteam der Liga, verloren haben sie im Stade de Suisse in dieser Saison noch nicht.

Nebst der guten Bilanz in fremden Stadien ist allerdings auch augenfällig, wie breit abgestützt St.Gallens Mannschaft ist. Neun Spieler haben schon Tore erzielt. Jordi Quintillà, Cedric Itten und Ermedin Demirovic sind die zuverlässigsten Torschützen, Victor Ruiz, Lukas Görtler und Boris Babic trafen auch schon je zweimal. Das neu zusammengestellte und stark verjüngte Team hat innerhalb weniger Wochen vergessen ­gemacht, dass es im Sommer Leistungsträger wie Tranquillo Barnetta, Vincent Sierro oder Majeed Ashimeru und während der Saison auch noch Dereck Kutesa verlor.

Die Busfahrt und der Halt an der Raststätte

St.Gallens Teamsbus. (Bild: PD)

St.Gallens Teamsbus. (Bild: PD)

Drei Punkte hatte der FC St.Gallen am vorletzten Sonntag in den Bus gepackt, als er aus Genf nach Hause fuhr. Die Spieler plagte Hunger, auch die Lust auf Süsses. Es gab nur zwei Probleme: Die meisten hatten kein Portemonnaie im Hosensack. Und Peter Zeidler ist kein Fan von raschen, nichtnachhaltigen Mahlzeiten.

Nach kurzer Bedenkzeit gab sich der Coach einen Ruck, erlaubte bei der Raststätte Grauholz den Halt, die Spieler kauften ein, Präsident Matthias Hüppi stand neben der Kasse und beglich die Rechnung für Sandwiches und Schokoladenstengel. Weshalb die Geschichte wichtig ist? Weil im FC St.Gallen gerade ­irgendwie das Gefühl aufkommt, dass alle noch mehr zusammenrücken.

Die Köpfe hinter dem Erfolg: Sutter und Zeidler

Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler. (Bild: Michel Canonica)

Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler. (Bild: Michel Canonica)

Peter Zeidler hat als Trainer mit seinen Mannschaften schon manch gute Serie hingelegt. Mit Nürnberg II, Sion, Liefering, natürlich auch mit Salzburg. Und nun mit dem FC St.Gallen, was in der Form – ehrlich gesagt – überhaupt nicht erwartet worden war. Der Vertrag Zeidlers war wohl vorschnell und ohne Not vor dem Saisonstart um ein Jahr bis Sommer 2022 verlängert worden. Dieser Akt könnte sich im Nachhinein als einer mit Weitsicht erweisen, sollte der FC St.Gallen die Pace auch nur annähernd halten.

Früher, so hört man, gab es wohl die eine oder andere Unstimmigkeit zwischen Trainer und Sportchef. Auch wenn sie das nie selbst bestätigten. Heute hört man nichts mehr in diese Richtung, mit Alain Sutter versteht sich Zeidler prima, wie der Coach zuletzt an einer Pressekonferenz erneut betonte. Auch Sutters Kontrakt wurde jüngst verlängert, bis Ende 2022. Das Duo bleibt in der Theorie also noch ein paar Jahre miteinander verbunden, in der Praxis teilte es den Misserfolg und die Kritiken, die Topresultate und die Freude ja auch schon.

Sowieso scheint es (derzeit), dass sich die beiden Charakterköpfe mit dem Denken an offensiven Pressingfussball und an ein 4-3-3 auch vom Wesen her gut ergänzen. Hier der Tiger an der Seitenlinie, stets auf 180 und nie um ein Gespräch verlegen. Dort der Trüffelschnüffler des FC St.Gallen, tiefenentspannt und meist der Mann der zurückhaltenden Worte.

Der Rückhalt: Dejan Stojanovic

Goalie Dejan Stojanovic. (Bild: Benjamin Manser)

Goalie Dejan Stojanovic. (Bild: Benjamin Manser)

Dejan Stojanovic ist trotz seiner Körpergrösse ein zurückhaltender junger Mann. Aber bei Gegentoren kann der 26-Jährige explodieren, oder bei schlechter Notengebung; beides verletzt den Torhüter des FC St.Gallen im Stolz. Dabei hat er seit der Ankunft im Sommer 2016 in jeder Saison zugelegt, ist ein sicherer Wert geworden, hält das Team oft im Spiel und seinen Konkurrenten Jonathan Klinsmann in Schach; der junge Deutsche war aus Berlin gekommen, um die Nummer eins zu werden, so lautete jedenfalls die Kampfansage. Nur: Stojanovic liefert dem Trainer keine Gründe, auch nur Gedanken an einen Wechsel zwischen den Pfosten zu verschwenden. Und im nächsten Sommer läuft der Kontrakt aus.

Bei allen schönen Seiten des St.Galler Erfolgs gibt es auch Wermutstropfen: Immer wieder Verletzungen

Musah Nuhu (links). (Bild: Valentin Flauraud/Keystone)

Musah Nuhu (links). (Bild: Valentin Flauraud/Keystone)

Schon vor der Saison hatte St.Gallen eine Hiobsbotschaft zu verkraften: Der 22-jährige Verteidiger Musah Nuhu zog sich im Juni einen Kreuzbandriss zu und wird noch bis zur Winterpause ausfallen. Ebenfalls ein Sorgenkind ist Nicolas Lüchinger, der sich am 13. November zum zweiten Mal innert sechs Monaten am rechten Knie operieren lassen muss. Der 25-Jährige wird einige Monate pausieren müssen. Aufatmen durfte am Montag Cedric Itten: Erneut in einer Partie gegen Lugano wurde der Stürmer hart gefoult. Die Folgen sind nun aber offenbar weniger schlimm als befürchtet. Itten zog sich eine leichte Bänderverletzung zu. Gerissen ist nichts. Es besteht die Chance, dass er am Samstag gegen Sion wieder einsatzfähig ist.

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