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Der Trainerflüsterer

Der frühere Aarau-Trainer Ruedi Zahner forscht, weshalb sich die einen Coaches während Jahren an der Spitze halten können und andere nicht. Er sagt: «Der Trainer soll sich unentlassbar machen.»
Patricia Loher
Der 61-jährige Ruedi Zahner setzt sich für die Fussballtrainer ein. (Bild: PD)

Der 61-jährige Ruedi Zahner setzt sich für die Fussballtrainer ein. (Bild: PD)

Für Ruedi Zahner war die vergangene Super-League-Saison ein Graus. Acht von zehn Clubs haben mindestens einmal den Coach gewechselt. Zahner sagt: «Es war ein Desaster. Jede Entlassung ist eine Niederlage. Für alle. Sie kostet viel Geld, Renommee und bringt, so wie beim FC St. Gallen, in den wenigsten Fällen etwas.» Zahner, ehemaliger Trainer und Sportchef des FC Aarau, forscht, weshalb die einen konstant erfolgreich sind, die anderen nicht. Der 61-Jährige beschäftigt sich mit Trainerentlassungen, er verfolgt die Entwicklungen, die zum Bruch führten. «Ich sammle Entlassungen wie andere Briefmarken», sagt er und fügt an: «Es ist an der Zeit, dass sich der Trainer unentlassbar macht. Er ist die wichtigste Person in einem Fussballclub, aber zugleich auch das schwächste Glied in der Kette. Das entbehrt jeder Logik.» Nur glaube man unterdessen, dass ein Trainerwechsel tatsächlich etwas bewirke. «Mittlerweile glauben das sogar die Trainer.»

Zahner nimmt die Trainer in die Pflicht

Zahner, der mit Aarau als Spieler unter Ottmar Hitzfeld 1985 Cupsieger und als Co-Trainer von Rolf Fringer mit demselben Club 1993 Meister wurde, betrachtete schon als Aktiver alles aus der Perspektive des Coaches. Er hat seine Vorgesetzten beobachtet und sich mit ihnen ausgetauscht. «Ich habe alles sozusagen auf der Strasse gelernt.» Der Aarauer mag weniger die Clubs als vielmehr die Trainer in die Pflicht nehmen. «Der erste Schritt, damit sich seine Position stärkt, muss vom Coach kommen. Es muss ein Umdenken stattfinden: Er muss den Schritt machen vom Trainer zum Leader.»

Zahner ist Mentor und Coach von Trainern und Clubs im Spitzensport. Beim Schweizerischen Fussballverband leitet er in der Uefa-Pro-Lizenz-Trainerausbildung das Modul Leadership und Stressmanagement. Dabei geht es Zahner darum, den Trainern Demut, Souveränität und Selbstbewusstsein zu vermitteln – die entscheidenden Kompetenzen einer guten Führungsperson. «In einem Business, wo jede Schwäche ausgenützt wird, muss ein Trainer darauf achten, dass er ab der ersten Minute als Autorität wahrgenommen wird: ‹Du bist der Chef. Du hast das Sagen.›» Ein Trainer dürfe zudem nicht gleich jedes Angebot annehmen. Auch wenn der Markt klein sei, so Zahner. Wenn ein Coach spüre, dass die Voraussetzungen in einem Verein nicht stimmten, sollte er ablehnen: «Sonst hat er verloren, noch bevor er die Stelle antritt.» Diese Einstellung versucht Zahner den Trainern zu vermitteln, immer und immer wieder. «Ein Coach darf nicht alles mit sich machen lassen, keine Kompromisse eingehen.» Natürlich hängt das zusammen mit Selbstvertrauen oder Existenzängsten. Ein Trainer, der lange ohne Arbeit ist, gerät schnell in Vergessenheit. Die Konkurrenz ist gross. Auf eine freie Stelle bewerben sich über 100 Trainer. Zahner sagt: «Es ist besser, wenn sich der Trainer einen bürgerlichen Job sucht, als dass er sich auf etwas einlässt, das von Beginn weg zum Scheitern verurteilt ist.»

Das Spiel hat sich rasant verändert und damit auch die Rolle des Trainers. Die Anforderungen in Kommunikation und Menschenführung sind gestiegen. Vieles steckt noch in den Kinderschuhen: «Heute lässt man nichts unversucht, um die Leistung der Spieler zu optimieren. Aber keiner kümmert sich um das Herzstück des Sports: die Trainer.»

Die Sozialkompetenz macht den Unterschied

Was aber macht einen konstant erfolgreichen Trainer aus? Was macht er besser als all die anderen, die zwischen Stuhl und Bank fallen oder keinen Erfolg haben? Zahner hat all die grossen Trainer studiert, Hitzfeld, Joachim Löw oder Pep Guardiola. Für einige ist er gar zum verlässlichen Partner geworden. «Es ist die Sozialkompetenz, die sie von anderen Coaches unterscheidet.» Das Fachwissen ist für Zahner schon lange nicht mehr der entscheidende Punkt. «Der Umgang mit den Menschen macht den Erfolg des Trainers aus. Wer Erfolg haben will, egal in welchem Bereich, muss die Menschen lieben.» Sozialkompetenz und korrekte Umgangsformen waren zuletzt auch beim FC St. Gallen ein immerwährendes Thema.

Zahner sagt, der grösste Fehler, den Trainer nach Niederlagen begingen, sei, weiterzufahren wie zuvor. «Sie müssen den Mut haben, immer wieder neue Impulse zu setzen. Ein Trainer muss auf der Klaviatur der Emotionen spielen können.» Flexibilität sei in dieser Beziehung das Zauberwort. Dazu gehöre auch die Grösse und der Mut zu sagen: «Ich trete zurück, weil ich nicht warte, bis ich zum Opfer werde.» Jeff Saibene hat im September 2015 diesen Weg gewählt, als er das Traineramt in St. Gallen freiwillig abgab. Dieser Entscheid scheint den gebürtigen Luxemburger tatsächlich gestärkt zu haben. Zahner sagt: «So macht sich ein Trainer unentlassbar.»

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