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Peter Zeidler - Der Menschenfreund

In der ­kommenden Saison wird nach Giorgio ­Contini mit Peter Zeidler ein Mann den FC St. Gallen trainieren, der in Sachen Sozialkompetenz und Fussballphilosophie nahezu ein Gegenentwurf ist – und damit aus demselben Teller isst wie Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi.
Christian Brägger/Daniel Walt
Peter Zeidler hat als Trainer des FC Sion einen bleibenden Eindruck hinterlassen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 16. Dezember 2016))

Peter Zeidler hat als Trainer des FC Sion einen bleibenden Eindruck hinterlassen. (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 16. Dezember 2016))

Die Frisur an der Seiten­linie bleibt in etwa gleich, klammert man Interimscoach Boro Kuzmanovic aus. Alles andere dürfte sich ändern. In der ­kommenden Saison wird nach Giorgio ­Contini mit Peter Zeidler ein Mann den FC St. Gallen trainieren, der in Sachen Sozialkompetenz und Fussballphilosophie nahezu ein Gegenentwurf ist – und damit aus demselben Teller isst wie Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi. Zeidler, der in seinem ersten Berufsleben viele Jahre im Gymnasium Französisch unterrichtete, gilt nicht nur bei Jugendlichen und Spielern als umgänglich, aufgeschlossen, nahbar. Empathisch und einnehmend sei er, im positiven Sinn ein Menschenfänger, heisst es. Insbesondere steht dem Baden-Württemberger der Sinn nach Spektakel. Nach Offensive, Leidenschaft, hohem Pressing und der Bereitschaft, vorwiegend in einem 4–3–3-System stets gegen den Ball zu arbeiten. Nach ­jenem aktiven Fussball also, den Sutter und Hüppi in St. Gallen sehen wollen.

Mit Sion 1,93 Punkte pro Partie

In bester Erinnerung ist Zeidler aus seiner Zeit im FC Sion; noch heute heisst es aus dem Wallis, die Mannschaft der Saison 2016/17 habe den spektakulärsten Fussball geboten seit dem Trainer Jean-Claude Donzé in den 1980er-Jahren. Das will etwas heissen im Constantin-Land, wo sich Zeidler sofort integrierte und unters Volk mischte; dennoch entliess der berüchtigte Präsident den 55-Jährigen im April des vergangenen Jahres, weil ihm der Geduldsfaden einige Partien vor dem Heiligtum, dem Cupfinal, nach mässigen Resultaten gerissen war; dies bei einem Punkteschnitt von 1,93 pro Partie, dies obwohl Sion Dritter war.

Zuletzt war Zeidler mit dem Tü­bacher Roger Stilz, der im FC St. Pauli als Nachwuchschef arbeitet, in der Endausmarchung auf den Posten in St. Gallen. Der 41-jährige Stilz, der in Germanistik einen Hochschulabschluss vorweist, hat bei der Clubführung ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch Sutter und der Verwaltungsrat entschieden sich für den erfahreneren Zeidler, dessen Rucksack nach Stationen in Stuttgart (Nachwuchsstufe), Hoffenheim (Assistenztrainer von Ralf Rangnick), Tours (Ligue  2), Salzburg oder Sochaux (Ligue 2) praller gefüllt ist. Zudem kann der FC   St. Gallen in naher Zukunft vielleicht vom Beziehungsnetz des Deutschen profitieren, der aus dem Stuttgarter Kreis um Rangnick hervorging und auch Thomas Tuchel zu seinen Vertrauten zählt.

Der Ruf, in Schönheit zu sterben

In St. Gallen kommt auf Zeidler die Her­ausforderung zu, nebst guten Resultaten mit einer attraktiven Spielweise weiter mehr Zuschauer in den Kybunpark zu ­locken. Aber Vorsicht: Zeidlers Teams stehen bisweilen im Ruf, in Schönheit zu sterben und bei allem Stürmen und Drängen zu viele Gegentore zu erhalten. Das war manchmal in Sitten der Fall – die Spitzenspiele endeten mit Niederlagen. In Sochaux wurden die Ziele in dieser Saison mit dem zehnten Schlussrang nicht wirklich erfüllt (Torverhältnis 51:62). Und für das ambitionierte Salzburg waren Ende 2015 die Resultate nach fünfmonatiger Schaffenszeit offenbar nicht gut genug. Irgendwann verpuffte Zeidlers Wirkung.

Wunderdinge werden in St. Gallen von Zeidler keine erwartet, doch die Aufgaben sind auch wegen des beschränkten Budgets herausfordernd. Ebenfalls gefragt ist die Kunst des Coaches, Talente wie damals in Sion Chadrac Akolo (heute Stuttgart) oder Vincent Sierro (Freiburg) weiterzubringen. Boro Kuzmanovic wird ihm bei diesen Aufgaben assistieren. Zeidler hat einen Vertrag für drei Jahre unterschrieben, der Kontrakt mit Sochaux, der noch eine weitere Saison gedauert hätte, wurde in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Einvernehmen, und das ist gewiss, wird es beim Duo Zeidler/Sutter geben. Der Sportchef hat nie einen Hehl daraus gemacht, ­einen Coach zu suchen, der auf seiner Wellenlänge ist. Bei zwei solchen Menschenfreunden muss es menscheln.

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