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Der grosse Barnetta-Abschied: Das sagen seine Weggefährten ++ Verrückte Zahlen zur Karriere ++ Barnetta nominiert seine Traumelf

Tranquillo Barnetta bestreitet am Mittwoch an seinem 34. Geburtstag das letzte Heimspiel für den FC St.Gallen. Der Offensivspieler hat in 17 Profijahren Spuren hinterlassen. Weggefährten erinnern sich. Zudem nominiert Barnetta frühere Teamkollegen in seine Wunschelf – und er begründet die Wahl.
Christian Brägger, Ralf Streule, Patricia Loher

Hitzfeld, Vidal und Co.: Das sagen die ehemaligen Weggefährten über Tranquillo Barnetta

Gérard Castella: «Hoffentlich bleibt er dem Fussball erhalten»

Gérard Castella, 66-jährig, St.Gallen-Trainer von Februar bis September 2002, heute Chef de Formation im Nachwuchs der Young Boys.

Gérard Castella, 66-jährig, St.Gallen-Trainer von Februar bis September 2002, heute Chef de Formation im Nachwuchs der Young Boys.

«Ich erinnere mich bestens an die erste Begegnung mit Tranquillo Barnetta. Ich hatte mir Anfang 2002 als neuer St.Gallen-Trainer im Gründenmoos ein Spiel der U17 des FC St.Gallen gegen den Grasshoppers-Nachwuchs angeschaut. Der 16-Jährige stach derart heraus – ich fragte sofort nach, weshalb dieser Spieler noch nicht in der U21 in der 1. Liga zum Einsatz komme.

Ich hatte schnell die Idee, Barnetta im Sommer in die erste Mannschaft nachzuziehen. Schliesslich war das Geld knapp beim FC St.Gallen, und wir mussten uns ohnehin möglichst mit eigenen Spielern behelfen. Schon im UI-Cup im Sommer überzeugte Barnetta. In guter Erinnerung habe ich die Gespräche mit Vater Barnetta, einem lieben Menschen, wir haben gegenseitig schnell Vertrauen gefasst. Da gab’s keine Spielereien und umständliche Gespräche, wie es sonst im Business oft der Fall ist.

Auch zu Tranquillo selber hatte ich schnell einen guten Draht. Er ist gleich alt wie mein Sohn, der damals auch Fussball spielte. Das machte ihn für mich ein bisschen zum Ostschweizer Sohn. Ein wenig stolz bin ich schon darauf, dass ich ihm den ersten Schritt in den Profifussball geebnet habe. Und ich hoffe, dass Tranquillo dem Fussball in irgendeiner Weise erhalten bleibt.»


Arturo Vidal: «Ein grossartiger Mensch und Spieler»

Arturo Vidal, 32-jährig, Mittelfeldspieler beim FC Barcelona, Barnettas Mitspieler in Leverkusen von 2007 bis 2011, hat wie Barnetta am Mittwoch Geburtstag.

Arturo Vidal, 32-jährig, Mittelfeldspieler beim FC Barcelona, Barnettas Mitspieler in Leverkusen von 2007 bis 2011, hat wie Barnetta am Mittwoch Geburtstag.

«Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Tranquillo Barnetta und die Zeit, die wir in Leverkusen zusammen verbrachten. Er ist ein grossartiger Mensch und Spieler. Ich wünsche ihm das Allerbeste für die Zukunft.»


Ottmar Hitzfeld: «Tranquillo ist 
Individualist und Teamplayer»

Ottmar Hitzfeld, Schweizer Nationaltrainer 2008 bis 2014

Ottmar Hitzfeld, Schweizer Nationaltrainer 2008 bis 2014

«Tranquillo ist der Typ Strassenfussballer, wie sie im Fussball heute immer seltener anzutreffen sind. Er ist ein grossartiger Individualist und trotzdem ein echter Teamplayer. Ein Dribbler und Vorbereiter. Einer mit Fussball-Instinkt und Fussball-Intelligenz.

Bestes Beispiel dafür ist das Länderspiel der Schweiz vom Juni 2011 in England. Viele Leute erinnern sich daran, dass ich in dieser ersten Partie nach den Rücktritten von Alex Frei und Marco Streller auf junge Spieler setzte. Auf Granit Xhaka, auf Admir Mehmedi, auf Innocent Emeghara. Die Jungen zahlten das Vertrauen zurück, sie setzten sich toll in Szene und erreichten ein viel beachtetes 2:2 im Wembley. Aber: Unsere beiden Treffer erzielte Barnetta mittels Freistoss. Eben mit Instinkt und Intelligenz. Er war unser Leader und Motivator in dieser Phase des Umbruchs.»


Bernd Schneider: «Geben Sie Quillo bitte meine Nummer!»

Bernd Schneider, 
45-jährig, 81-facher deutscher Internationaler, von 1999 bis 2009 Mittelfeldspieler in Leverkusen.

Bernd Schneider, 
45-jährig,
81-facher deutscher Internationaler, von 1999 bis 2009 Mittelfeldspieler in Leverkusen.

«Quillo hört auf? Ja, an ihn habe ich beste Erinnerungen. Ganz eng befreundet waren wir zwar nicht, schliesslich war ich schon ein ‹alter Sack›, als er im Jahr 2004 zu Bayer Leverkusen stiess. Aber Barnetta fiel sehr auf. Menschlich und fussballerisch war er grossartig – er ging voran, im Training und auch neben dem Platz. Immer Vollgas!

Es ist schade, dass ich ihn aus den Augen verloren habe. Wenn ich es von Jena, wo ich wieder wohne, einmal in die Ostschweiz schaffe, melde ich mich bei ihm. Geben Sie Quillo doch bitte meine Nummer! Wenn Sie Episoden aus seiner Zeit in Leverkusen hören wollen, melden Sie sich doch bei Goalie René Adler. Der kann einiges erzählen.»


René Adler: «Seine Wohnung wurde zum Auffangbecken»

René Adler, 34-jährig, zwölf Spiele als deutscher Nationalgoalie; hatte viel Verletzungspech; in Leverkusen von 2003 bis 2012; Rücktritt am vergangenen Samstag in Mainz.

René Adler, 34-jährig, zwölf Spiele als deutscher Nationalgoalie; hatte viel Verletzungspech; in Leverkusen von 2003 bis 2012; Rücktritt am vergangenen Samstag in Mainz.

«Ja klar, mit Quillo hatten wir eine grossartige Zeit bei Leverkusen. Er konnte es mit jedem. Seine Sozialkompetenz ist herausragend, das machte ihn so wichtig für das Team, auch wenn er nicht ausgesprochen extrovertiert ist. Er war alles andere als der typische Profi. Statussymbole sagen ihm nichts. Es war beeindruckend, wie er in diesem aufgeheizten Business extrem gerade und menschlich seinen Weg ging. Auch in jungen Jahren liess er sich nicht verbiegen, genoss sein Leben.

In unserer wilden Zeit, mit gut 20 Jahren, gingen wir natürlich auch mal raus am Abend. Quillo war da an vorderster Front dabei. Als einziger von uns hatte er seine Bleibe in der Kölner Innenstadt, dort wo das Nachtleben spielte. Sein Zuhause wurde an manchen Abenden gewissermassen zu einem Auffangbecken für im Nachtleben gestrandete Fussballprofis. Aber nicht, dass er mir unprofessionell rüberkommt! Er sagte stets: ‹Wer feiern kann, kann auch trainieren!› Er war immer der Erste, der kam, und er war stets der Letzte, der ging. Beim Feiern, aber eben auch auf dem Trainingsplatz.

Leider haben wir den Kontakt etwas verloren. Nun, da ich auch zurücktrete, hätten wir bald einmal Zeit für ein Treffen. Was macht Quillo nach der Karriere? Ich werde eine Uefa-Management-Weiterbildung absolvieren. Das wäre doch auch was für ihn!?»


Benjamin Huggel: ««Sobald es ein ‹Jässli› gab, war er dabei»

Benjamin Huggel, 41-jährig, 41 Länderspiele für die Schweiz, spielte in Frankfurt und für Basel. Nach dem Rücktritt TV-Experte und Mentalcoach.

Benjamin Huggel, 41-jährig,
41 Länderspiele für die Schweiz, spielte in Frankfurt und für Basel. Nach dem Rücktritt TV-Experte und Mentalcoach.

«Als Junger war Tranquillo im Nationalteam erfrischend, er kannte keinen Röstigraben. Ab der EM 2004 sassen wir oft zusammen und jassten, Barnetta stiess damals zu unserer Gruppe um Müller, Vogel, Magnin, Frei und mir. Immer ging es dabei auch um ein wenig Geld. Ich erinnere mich gut daran, wie Barnetta lange im wahrsten Sinne des Wortes beim ‹Molotow› Lehrgeld bezahlte, weil er zu viele Punkte machte. Das hinderte ihn nicht daran, stets sein Glück auf Neue zu versuchen. Sobald es irgendwo Karten und ein ‹Jässli› gab, war er dabei.

Bis zur WM 2010 hat sich Barnetta die verlorenen Geldbeträge ja auch von Magnin, Eggimann, Hakan Yakin, Frei oder mir zurückgeholt. Beim Jassen war es bei ihm wie im Fussball: Seine Lernkurve war bemerkenswert. Zudem hat es mir imponiert, wie er als 20-Jähriger in der Türkei seinen Mann stand.»


Simon Rolfes: «Barnetta zündete Carvajals Karriere»

Simon Rolfes, 
21-facher deutscher Internationaler, spielte von 2005 bis 2015 im Mittelfeld Leverkusens, heute im selben Club Sportchef

Simon Rolfes, 
21-facher deutscher Internationaler, spielte von 2005 bis 2015 im Mittelfeld Leverkusens, heute im selben Club Sportchef

«Mich verbindet mit Tranquillo Barnetta, dass wir gleichzeitig in Leverkusen als junge Spieler unseren Platz in der Mannschaft erkämpfen mussten. Im ersten Jahr waren wir Zimmerkollegen. Ich mochte Tranquillos sehr offene, fröhliche und kommunikative Art. Er verband im Team die unterschiedlichsten Kulturen, auch dank seiner Mehrsprachigkeit.

An was ich mich besonders erinnere, sind die Mannschaftsabende, in denen Tranquillo diese integrative Funktion wahrnahm. Wir waren ja seinerzeit mehrmals in St.Gallen im Trainingslager. Da waren wir an einem Abend in Tranquillos Restaurant beim Bahnhof in St.Gallen zu Gast. Es war der Abend, als Daniel Carvajal seine Karriere zündete. Der Spanier war von Real Madrid gekommen, tat sich schwer mit unserer Kultur – an jenem netten Abend bei Tranquillo aber sah er: Die können ja auch lustig. Man spürte danach förmlich, wie er auch auf dem Feld vor Energie strotzte. Dies war zuvor nicht der Fall gewesen. Ich würde behaupten: Carvajals Weltkarriere und die baldige Rückkehr zu Real hat er jenem Abend zu verdanken. Und damit indirekt auch dem lebenslustigen Tranquillo. Ich wünsche alles Gute. Man sieht sich bald wieder!»


Ab 20 Uhr auf tagblatt.ch: Der Barnetta-Liveticker

Am Mittwochabend spielt Tranquillo Barnetta sein letztes Heimspiel für den FCSG. Auf www.tagblatt.ch können Sie ab 20 Uhr das Spiel FCSG gegen YB im Liveticker mit speziellem Barnetta-Fokus mitverfolgen.


Die ungewöhnlichen Zahlen einer Karriere



Mehr als 20 Monate fehlte Barnetta wegen Verletzungen 
seinen Arbeitgebern.




Etwa 4000 Kilometer spulte der St.Galler für Clubs und Nationalteam ab.




Gebraucht: Über 200 Paar Schuhe als Profi. Alle drei Monate gab es vom 
Ausrüster neue Farben.




Barnettas höchste Busse: 500 Franken. Er verpasste den Flieger in Friedrichshafen und daraufhin das Training.




369 beziehungsweise 75 Prozent der total 492 Pflichtspiele haben Barnettas Eltern 
live vor Ort gesehen.




Über 38'000 Mal duschte Barnetta 
nach Trainings und Spielen in den 17 Profijahren.


Barnetta verrät Ihnen seine Traumelf

Goalie:

Diego Benaglio (Nationalteam): Wie er uns an der WM 2010 zum 1:0-Sieg gegen Spanien gehext hat, sagt schon alles. Über Jahre einer der besten Torhüter Europas.

Verteidigung:

Linksverteidiger: Christoph Spycher (Nationalteam): Mein langjähriger Zimmerpartner. Man kann mit ihm auch über andere Dinge als Fussball diskutieren. Macht jetzt ei­nen Superjob als Sportchef bei den Young Boys.

Innenverteidiger: Manuel Friedrich (Leverkusen): So einen Typen braucht jedes Team. Weiss, was er kann, kein Mannschaftsabend wird langweilig mit ihm. Heute noch ein guter Freund.

Innenverteidiger: Sami Hyypiä (Leverkusen): Der beste Innenverteidiger, mit dem ich jemals zusammengespielt habe. Ich konnte sehr viel von ihm lernen, und er war sogar noch für fünf Partien mein Trainer.

Rechtsverteidiger: Gonzalo Castro (Leverkusen): Ist vom Nachwuchs in Leverkusen zur gleichen Zeit wie ich in die erste Mannschaft gekommen. Sieben Jahre haben wir zusammengespielt, Gonzalo ist ein Klasse-Fussballer, mit dem ich viel erlebt habe.

Mittelfeld:

Defensives Mittelfeld: Pirmin Schwegler (Leverkusen, Frankfurt): Ein grossartiger Fussballer und Freund. Unverständlich für mich, dass er nicht mehr Spiele für die Schweiz gemacht hat. Wünsche ihm alles Gute in Australien.

Defensives Mittelfeld: Arturo Vidal (Leverkusen): Ein Krieger, der alles wegräumt im Mittelfeld. Er ist etwas verrückt, sprang vor jedem Spiel ins Wärmebecken. Dies wurde nicht gerne gesehen, aber Vidal brachte immer seine Leistungen.

Regisseur: Bernd Schneider (Leverkusen): Der beste Spieler, mit dem ich jemals gespielt habe. Schneider war noch von der alten Schule, bei ihm konnte es ein junger Profi schwer haben. Ich hatte es aber immer gut mit ihm.

Offensive:

Rechter Flügel: Jefferson Farfan (Schalke): Unglaubliche Power, ein grandioser Spezialist für Standards. Einmal wollte ein junger Spieler einen Freistoss treten. Farfan fragt: «Was machst du da?», nimmt den Ball und haut ihn rein.

Ich: In meiner Traumelf sehe ich mich auf dem linken Flügel.

Stürmer: Klaas-Jan Huntelaar (Schalke): Kein Stürmer ist so eiskalt vor dem Tor wie er. Die Torhüter mochten ihn nicht so, da er auch bei normalen Abschlussübungen immer voll draufhielt.

Trainer:

Jupp Heynckes (Leverkusen): Mein Lieblingscoach. Er wusste genau, wie er jeden von uns anpacken musste. Obwohl ich bei ihm nicht immer spielte, war er der beste Trainer, den ich hatte.

Eine Leistungssteigerung muss her

Im zweitletzten Saisonspiel empfängt der FC St.Gallen am Mittwoch um 20 Uhr den Meister. Gegen die Young Boys haben
die Ostschweizer seit sechs Partien nicht mehr gepunktet.
Theoretisch hat sich St. Gallen den direkten Ligaerhalt vor dem Heimspiel gegen die Young Boys und der letzten Partie beim FC Zürich noch nicht gesichert. Ein Punkt fehlt den Ostschweizern, um der Barrage definitiv zu entgehen. Will sich die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler schon heute aller Sorgen entledigen und allenfalls sogar wieder in Richtung Europa League schielen, muss gegen den Meister vieles aufgehen – und im Vergleich mit dem 0:1 am Donnerstag in Lugano eine deutliche Leistungssteigerung her. Denn die Young Boys haben zuletzt nicht nachgelassen – im Gegenteil. Das 4:0 in Sitten, das 3:1 gegen Basel und vor allem das 6:1 gegen die Grasshoppers zeugen davon. Der Meister marschiert weiter.
Zeidler sagt trotzdem: «Wir sind im Stande, eine Überraschung zu schaffen.» Ende März war sein Team in Bern nahe dran an einem Coup: St. Gallen ging zweimal in Führung, ehe es am Ende doch mit 2:3 unterlag. Die Ostschweizer haben die vergangenen sechs Begegnungen mit den Bernern in der Meisterschaft – sowohl zu Hause als auch auswärts – allesamt verloren. Letztmals punkteten die St. Galler gegen die Young Boys im August 2017 in einem Heimspiel. Marco Aratore traf damals beim 2:2 zweimal, beide Vorlagen lieferte Tranquillo Barnetta.
Der St. Galler bestreitet am Mittwoch, an seinem 34.  Geburtstag, sein letztes Heimspiel, ehe er am Samstag nach der Partie in Zürich die Karriere beendet. Barnetta, der gegen die Grasshoppers und Sion mit seinen Toren dazu beigetragen hat, dass sich die sportliche Lage seines Stammclubs entspannte, wird im Rahmen des Heimspiels gegen die Young Boys verabschiedet. Wie der FC St. Gallen sein erfolgreichstes Eigengewächs in der 140-jährigen Geschichte ehrt, ist offen. Der Club mochte keine Details bekannt geben. Der Rahmen dürfte jedenfalls würdig sein: Bis Dienstag Mittag waren 12 100 Tickets abgesetzt. Auch andere Spieler wie Majeed Ashimeru sowie wohl auch Vincent Sierro dürften verabschiedet werden. (pl)

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