Der FCSG in der Coronakrise – Sportchef Alain Sutter warnt: «Es ist noch nicht Zeit für Fussball» +++ Club setzt auf Solidarität der Saisonkartenbesitzer +++ Kantonalbank verlängert Sponsoringvertrag

St.Gallens Sportchef Alain Sutter findet in der «Espenrunde», die Gesundheit der Spieler sei bis jetzt zu wenig thematisiert worden. Derweil steht der Hauptsponsor der Espen, die St.Galler Kantonalbank, zum Verein, der auch auf die Solidarität der Saisonkartenbesitzer hofft.

Patricia Loher
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Er scheute sich noch nie, zu seiner Meinung zu stehen: Alain Sutter, Sportchef des FC St.Gallen.

Er scheute sich noch nie, zu seiner Meinung zu stehen: Alain Sutter, Sportchef des FC St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser

Alain Sutter hatte sich in den vergangenen Wochen zurückgehalten mit Interviews. In der zweiten Ausgabe der «Espenrunde», einem Online-Talk auf der Website des FC St.Gallen, bezog der 52-jährige frühere Schweizer Internationale in der Diskussion um Geisterspiele oder Trainingsstart aber deutlich Stellung.

Es sei noch nicht der richtige Zeitpunkt, um schon wieder mit Fussball anzufangen, so Alain Sutter.

«Seit Wochen hören wir, wie gefährlich dieses Virus ist und dass wir zu Hause bleiben sollten. Da müssen wir uns doch die Frage stellen: Können wir die Spieler in dieser Zeit tatsächlich schon wieder auf den Platz lassen? Sie betreiben eine Sportart mit vollem Körperkontakt.»

Die Gespräche in den vergangenen Wochen hätten sich oft um Sinn und Unsinn von Geisterspielen, um drohende Konkurse und um einen allfälligen Abbruch der Saison gedreht. «Aber die Spieler sind dabei zu kurz gekommen», so Sutter.

«Können wir das verantworten?»

Es erstaunt nicht, dass der gebürtige Berner den Mahnfinger hebt. Schon früher war er einer, der seine Meinung kundtat, der hinstand, wenn sich eine Sache aus seiner Sicht in die falsche Richtung entwickelte. Am Montagabend wählte er die vereinseigene «Espenrunde», um seine Worte zu platzieren. Aus seiner Sicht sei der richtige Zeitpunkt für Fussball erst dann gekommen, «wenn der Umgang untereinander nicht mehr derart eingeschränkt ist wie jetzt», sagte er im Gespräch mit Moderator James Wehrli.

Die Spieler müssen in ihren Autos alleine zum Training fahren, sie dürfen nicht im Stadion duschen. Sie werden sich an viele andere Sicherheits- und Hygieneregeln halten müssen. «Da stimmen viele Sachen nicht. Bevor nun entschieden wird, ob wir diese Meisterschaft zu Ende spielen, muss man sich fragen, ob wir das gegenüber den Spielern verantworten können.»

Die Kantonalbank verlängert vorzeitig

In der vergangenen Woche hat der Bundesrat die Vorgaben für den Spitzensport gelockert. Ab dem 11. Mai dürfte wieder mit Mannschaftstraining begonnen werden, ab dem 8. Juni wären Geisterspiele möglich. Noch ist offen, ob sich die Verantwortlichen für Partien ohne Zuschauer oder für einen Saisonabbruch aussprechen. Ungewiss ist zudem, ob der Bund die Liga unterstützen wird.

Der Schweizer Spitzenfussball steht jedenfalls vor harten Zeiten. Präsident Matthias Hüppi erwähnte in der Gesprächsrunde, dass sein Club bei einem Heimspiel ohne Publikum rund eine halbe Million Franken verliere. Man sei angewiesen auf breite Solidarität. So gab in der Sendung Roland Ledergerber, der CEO der St.Galler Kantonalbank, die vorzeitige Verlängerung des Hauptsponsoren-Vertrages ab 2021 um drei Jahre bekannt. Zudem hofft der Verein auf seine Fans und dass sie auf die Rückerstattung des Saisonabos für die letzten sechs Heimspiele verzichten. Dabei winkt ihnen die eine oder andere Gegenleistung, so etwa die Eingravierung ihres Namens am Spielfeldrand im Kybunpark oder Gratiseintritte, beispielsweise für Testspiele.

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