Der FCSG im Torrausch: Die St.Galler finden mit dem 4:1-Sieg gegen Neuchâtel Xamax in die Erfolgsspur zurück

Der FC St.Gallen gewinnt gegen Neuchâtel Xamax mit 4:1. Damit halten die Espen den Anschluss an das Spitzenduo YB und Basel. Nach Basels gestriger Niederlage gegen Servette liegen die drittplatzierten St.Galler nur noch einen Punkt hinter dem FCB.

Stephanie Martina
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Der FCSG kann gegen Xamax gleich vier Mal jubeln – hier über Yannis Letards Tor (Zweiter von rechts) zum 1:0. (Bild: Michel Canonica)

Der FCSG kann gegen Xamax gleich vier Mal jubeln – hier über Yannis Letards Tor (Zweiter von rechts) zum 1:0. (Bild: Michel Canonica)

Die Tore

  • 1:0, 29. Minute, Yannis Letard: Victor Ruiz tritt einen Corner von der rechten Ecke vors Tor. Der 1,88 m grosse Letard steigt am höchsten und bugsiert der Ball per Kopf ins Goal.
  • 2:0, 38. Minute, Cedric Itten: Ermedin Demirovic flankt zur Mitte. Xamax-Goalie Matthias Minder wehrt den Ball mit den Fäusten ungenügend ab. Ruiz nutzt den Abpraller und bringt den Ball flach vors Tor, Nati-Debütant Itten braucht nur noch den Fuss hinzuhalten.
  • 2:1, 52. Minute, André Neitzke: Neitzke gleicht nach einem Freistoss von Raphaël Nuzzolo aus.
  • 3:1, 57.  Minute, Boris Babic: Babic schlägt einen langen Ball aus dem Mittelfeld zu Demirovic. Dieser spielt den Ball zu seinem Passgeber zurück, woraufhin Babic direkt abzieht.
  • 4:1, 72. Minute, Ermedin Demirovic: Silvan Heftis Einwurf landet bei Demirovic. Dieser sprintet über die Seitenbahn und versenkt den Ball aus spitzem Winkel hinter Xamax-Torhüter Minder.

Die Spiel-Analyse

Der FC St.Gallen startet gefährlich in die Partie. Ballverluste von Neuchâtel Xamax nutzt er ab der Mittellinie immer wieder für schnelle Konter. Doch für den FCSG gibt es zunächst kein Durchkommen. Die Gäste stehen in der Defensive zu kompakt. Bei Angriffen der St.Galler ziehen sich jeweils beinahe alle Neuenburger in die eigene Platzhälfte zurück. Erst in der 29. Minute knackt der FCSG das Westschweizer Bollwerk - und zwar von der rechten Ecke aus. Victor Ruiz flankt und Yannis Letard verwandelt den Eckball zum 1:0. Für den 21-Jährigen ist es das erste Tor für den FC St.Gallen.

In der Folge kommen die Espen so richtig auf Touren. Auf der Anzeigetafel wird in der 39. Minute eine weitere Anpassung nötig: Nati-Torschütze Cedric Itten trifft für Grün-Weiss zum 2:0. Der Applaus des Publikums gleicht einer Standing Ovation. Cedric-Itten-Sprechchöre ertönen im Stadion. «Ich bin so richtig froh, dass er unverletzt wieder zurück ist», sagte Trainer Peter Zeidler am Freitag an der Medienkonferenz. Den 14'492 Fans im Kybunpark geht es offensichtlich genauso.

Bild: Michel Canonica
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In der Pause nimmt Xamax-Trainer Joël Magnin einen Doppelwechsel vor. In veränderter Formation gelingt den Gästen in der 52. Minute der Anschlusstreffer. Drei Minuten später wird es im St.Galler Strafraum erneut brenzlig. Es ist Stürmer Itten, der den Ball per Kopf aus der Gefahrenzone befördert. In der Folge sorgt der FCSG wieder für Torgefahr. In der 57. Minute stellt Boris Babic St.Gallens Zwei-Tore-Vorsprung wieder her.

Die St.Galler Lust am Fussball zeigt sich wenige Minute nach einer weiteren Grosschance. Der eingewechselte Jérémy Guillemenot setzt zum Fallrückzieher an. Der Ball segelt nur knapp am Pfosten vorbei. In der 72. Minute baut der FC St.Gallen seine Führung durch Demirovic auf 4:1 aus. Obwohl auch Xamax noch zu ein zwei guten Chancen kommt, lassen die St.Galler nichts mehr anbrennen.

Der Beste

Aus einem kompakten St.Galler Team stechen im Mittelfeld zwei Spieler heraus: Lukas Görtler mit einer starken kämpferischen Leistung und Victor Ruiz dank zweier Assists.

Der Schlechteste

Kleine Fehler unterlaufen zu Beginn jedem Spieler. Keiner fällt aber wirklich ab.

Blick voraus: Fans kündigen Aktion für Auswärtsmatch in Luzern an

Vor dem Spiel gegen Xamax kursierten Infoflyer des Dachverbands 1879 im Stadion. Der Betreff: «FCL : FCSG, 01.12.2019».  Auf dem A4-Blatt bemängeln die Fans ein weiteres Mal den «unzumutbaren Gästesektor» in Luzern. Der Gästesektor erinnere noch immer mehr an einen Käfig als an einen echten Gästesektor. «Wenn die Gästefans wie Tiere behandelt werden, muss man sich nicht wundern, wenn sich diese auch wie Tiere verhalten!» schreibt der Dachverband.

«Wir werden deshalb als aktive Fanszene auch beim kommenden Auswärtsspiel in Luzern nicht einfach zur Normalität zurückkehren und unsere Unzufriedenheit mit der Situation kundtun – dies jedoch ohne den Support unserer Mannschaft einzuschränken», heisst es auf dem Flugblatt. Die aktive Fanszene habe deshalb eine grössere, kreative Aktion in Luzern geplant. Dazu ruft sie auf dem Flyer alle FCSG-Fans dazu auf, am kommenden Sonntag schwarzgekleidet nach Luzern zu kommen. «Für die restlichen Materialien ist gesorgt», schreibt der DV abschliessend und verbleibt mit folgenden Schlussworten: «Auf eine tierische Auswärtsfahrt!»

Dejan Stojanovic: Note 4,5. Rettet mehrmals reflexstark. Schwer zu sagen, ob er die Flanke beim Gegentor hätte wegbefördern können.
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Alain Wiss: Note 4,5. Bringt für die Schlussphase Sicherheit ins defensive Mittelfeld. Unauffällig aber stabil.
Silvan Hefti: Note 5, Verteidigung. Bringt immer wieder viel Tempo über rechts. Verpasst es, seinen Auftritt mit einem Tor zu krönen. Auch hier die Frage: Beim Gegentor zu wenig präsent?
Yannis Letard: Note 5. Zeigt eine unaufgeregte, sichere Partie. Und erzielt nach einem Corner sein erstes Super-League-Tor.
Leonidas Stergiou: Note 5. Ohne Fehl und Tadel, der 17-Jährige ist einmal mehr zweikampfstark und abgeklärt.
Miro Muheim: Note 4,5. Technisch stark, mit präzisen Flanken und schnellen Vorstössen. Droht ob seiner Spielfreude manchmal das solide Defensivhandwerk zu vernachlässigen.
Victor Ruiz: Note 5.Läuft und arbeitet unermüdlich, ist dadurch im Mittelfeld ein wichtiger Wert. Mit mehr Ungenauigkeiten als auch schon.
Lukas Görtler: Note 5,5. Vor allem in der zweiten Halbzeit extrem lauf- und zweikampfstark. Leitet mit seinem Einwurf reaktionsschnell das 4:1 ein.
Boris Babic: Note 5. Zu Beginn ist wenig von ihm zu sehen. Bis er das 3:1 stark vorbereitet und vollendet.
Cedric Itten: Note 5. An vielen Aktionen beteiligt. Trifft nach seinen Toren fürs Nationalteam auch für St. Gallen weiter, steht beim 2:0 goldrichtig.
Betim Fazliji: Note 4,5. Hat die schwere Aufgabe, Jordi Quintillà zu ersetzen. Tut dies solid – nur zu Beginn mit Unkonzentriertheiten.
Jérémy Guillemenot: Note 4,5. Trifft mit der ersten Ballberührung fast per Fallrückzieher. Danach nur noch wenige Aktionen.
Ermedin Demirovic: Note 5,5. Wenn er am Ball ist, wird es gefährlich. Physisch überragend. Bereitet das 3:1 stark vor und trifft sehenswert zum 4:1.
Axel Bakayoko: keine Benotung. Ihm ist die fehlende Spielpraxis anzumerken. Für eine Bewertung zu wenig lange im Einsatz.

Dejan Stojanovic: Note 4,5. Rettet mehrmals reflexstark. Schwer zu sagen, ob er die Flanke beim Gegentor hätte wegbefördern können.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fans des FC St.Gallen auf angebliche Missstände bei Auswärtsspielen in Luzern aufmerksam machen. Im Frühling dieses Jahres hat der Dachverband, ebenfalls per Infoflyer, verlauten lassen, dass die aktive Fanszene das Spiel in Luzern nicht im Gästesektor verfolgen und auf eine gemeinsame Anreise im Extrazug verzichten wird. Für Unmut bei den FCSG-Fans sorgen vor allem die in ihren Augen übertriebenen Eingangskontrollen in Luzern, die schlechte Sicht auf das Spielfeld sowie das Verbot von Spruchbändern.

Die Reaktionen

Cedric Itten, Torschütze zum 2:0, sagt nach dem Spiel: «Für mich ist es so schön weitergegangen, wie es in der Nationalmannschaft aufgehört hat. Es war wichtig heute, dass wir auf die Niederlage bei den Young Boys reagieren konnten. Ein paar schwierige Momente im Spiel hatten wir – wir konnten aber immer darauf reagieren, das ist das Wichtigste. Dieses Spiel gibt uns weiteres Selbstvertrauen.»

Ermedin Demirovic, Torschütze zum 4:1, sagt: «Heute haben wir wieder eine grossartige Teamleistung gezeigt. Man merkt, dass es innerhalb der Mannschaft harmoniert – auf und neben dem Platz. Es freut uns, dass wir nach der bitten Niederlage in Bern heute wieder drei Punkte holen konnten.»

Trainer Peter Zeidler sagt zum 4:1-Sieg gegen Xamax: «Ich freue mich sehr über den Sieg. Es ist nicht selbstverständlich, dass alle Spieler, die in den letzten Tagen mit der Nationalmannschaft unterwegs waren, gleich wieder so gut in den FCSG-Modus zurückfinden. Ich bin froh, dass das so gut geklappt hat.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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