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0:1 im Cornaredo: Der FC St.Gallen zieht in Lugano die erste Saisonniederlage ein

Mehr Spielanteile, mehr Abschlussversuche - und dennoch eine Niederlage. Beim 0:1 in Lugano ist der FC St.Gallen zwar die aktivere, aber nicht unbedingt die gefährlichere Mannschaft. Noch bleiben die St.Galler aber an der Spitze der Tabelle. Zumindest bis Sonntagnachmittag.

Ralf Streule
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Numa Lavanchy, einziger Torschütze der Partie, überspringt St.Gallens Elie Youan.

Numa Lavanchy, einziger Torschütze der Partie, überspringt St.Gallens Elie Youan.

Andy Mueller / freshfocus

Die Spielwertung

Es ist über weite Strecken ein munteres Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Nachdem Lugano sich in der zweiten Hälfte immer mehr zurückzieht und die Führung verwaltet, verliert die Partie zwischenzeitlich aber an Schwung. Am Ende bringen St.Galler Chancen wieder Aufregung. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 1:0, 16. Minute, Numa Lavanchy: Ein grosser Teil dieses Tors gehört dem Spanier Adrian Guerrero. Der linke Aussenläufer setzt sich elegant gegen mehrere St.Galler durch. Seine Rückgabe gelangt zu Jonathan Sabbatini, der die perfekte Flanke auf Lavanchy schlägt. Bei dessen Kopfball aus kürzester Distanz ist Ati Zigi machtlos.
Luganos Numa Lavanchy erzielt das Tor zum 1:0 gegen Lawrence Ati Zigi.

Luganos Numa Lavanchy erzielt das Tor zum 1:0 gegen Lawrence Ati Zigi.

Andy Mueller / freshfocus

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen geht mit exakt jener Aufstellung in die Partie, mit der er zuletzt auch die Spiele gegen Servette und Luzern in Angriff genommen hat. Man wolle den Sieg nachholen, den man in der Innerschweiz beim 2:2 gegen Luzern verpasst habe, sagte St.Gallens Trainer Peter Zeidler vor dem Spiel im Cornaredo. Dies bleibt Wunschdenken. Zwar tritt sein Team einmal mehr selbstbewusst auf in der Fremde, ist aktiv und präsent im Pressing. Es beisst sich aber die Zähne an stark verteidigenden Luganesi aus. Am Ende heisst es 0:1 für die Tessiner.

Luganos Däne Jens Odgaard, ausgeliehen vom Serie-A-Klub Sassuolo, bringt immer wieder Gefahr. Hier im Zweikampf mit Jordi Quintillà.

Luganos Däne Jens Odgaard, ausgeliehen vom Serie-A-Klub Sassuolo, bringt immer wieder Gefahr. Hier im Zweikampf mit Jordi Quintillà.

Andy Mueller / freshfocus

Schon nach zwei Minuten verfehlt Kwadwo Duah mit einem gefährlichen Weitschuss die Führung für die St.Galler nur knapp. Doch bald darauf wird deutlich, weshalb die Tessiner mittlerweile seit 13 Partien ungeschlagen sind: In der Defensive stehen sie stabil und wirken eingespielt, nach vorne agieren sie mit viel Tempo. Alexander Gerndt, der Däne Jens Odgaard, vor allem aber der junge Spanier Adrian Guerrero bringen immer wieder Gefahr. So kommen die Ostschweizer bis zur Pause zwar zu 57 Prozent Ballbesitz und neun Abschlussversuchen (gegenüber fünf der Tessiner). Es treffen aber nur die Luganesi durch Numa Lavanchy in der 16. Minute.

Die St. Galler lassen sich durch das Gegentor nicht aus dem Konzept bringen, sind weiterhin mindestens ebenbürtig, müssen sich ihre Chancen aber hart erarbeiten. Lukas Görtler verpasst einmal per Kopf, vor der Pause mit einem Versuch aus der Distanz. Auf der anderen Seite gibt's immer wieder Gefahr durch Tessiner Vorstösse. Der grosse Mangel, der dem Leader aus der Ostschweiz schon in den ersten vier Spielen anzukreiden war: Die hoch stehende Defensive ist oft überfordert, wenn im Mittelfeld der Ball verloren geht.

Nach der Pause agieren die Ostschweizer noch dominanter als zuvor, zumindest was die Spielanteile anbelangt. Auf der anderen Seite verlegen sich die Tessiner noch stärker auf Defensivarbeit und auf sporadische Vorstösse. Richtig gefährlich wird es aber in der zweiten Halbzeit lange weder vor dem einen noch dem anderen Tor - bis ein abgefälschter Schuss von Lukas Görtler in der 82. Minute am Pfosten landet. Sehr nahe kommen die St. Galler dem Tor zudem in der 90. Minute, als die Tessiner im Strafraum mehrere Schüsse abblocken können. Das 1:1 wäre längst verdient, kommt nicht mehr zustande.

So geht der FC St.Gallen in dieser Saison zum ersten Mal als Verlierer vom Platz. Zwar bleibt er vorerst Leader. Doch die Young Boys können mit einem Sieg am Sonntag gegen Luzern an den Ostschweizern vorbeiziehen.

Lawrence Ati Zigi: Tor, Note 4,5. Beim Gegentor ist er ohne Abwehrchance. Kurz vor der Pause rettet er stark, beim Herauslaufen zu Beginn einmal mit viel Glück.
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Leonidas Stergiou: Verteidigung, Note 4,5. Beim Gegentor sieht auch er schlecht aus. Sonst eine solide Leistung des 18-Jährigen.
Basil Stillhart: Mittelfeld , Note 4,5. Er ist zwar ballsicher und aktiv, von ihm erwartet man aber noch mehr Einfluss aufs Offensivspiel.
Jordi Quintillà: Mittelfeld, Note 5. Seine Ballsicherheit ist einmal mehr bemerkenswert. Freistösse gelingen für einmal weniger.
Jérémy Guillemenot: Sturm, Note 3. Seine Offensivaktionen sind meist harmlos. Holt sich mit einer Schwalbe im Strafraum die gelbe Karte – nicht das erste Mal.
Victor Ruiz: Mittelfeld, Note 3,5. Taucht für einmal ab. Ohne nennenswerte Aktion und beim Gegentor zu wenig präsent.
André Ribeiro: Mittelfeld, Note 3. Nutzt seine 20 Minuten nicht. Keine Bindung zum Spiel.
Lukas Görtler: Mittelfeld, Note 5. Findet immer besser ins Spiel, mit viel Offensivdrang. Trifft kurz vor Schluss nur den Pfosten.
Thody Élie Youan: Mittelfeld, Note 3,5. Auch von ihm ist in 20 Minuten wenig zu sehen.
Miro Muheim: Verteidigung, Note 4,5. Er hat seine Seite gut im Griff. Schaltet sich zu Beginn oft in den Angriff ein. Baut gegen Ende ab.
Betim Fazliji: Verteidigung, Note 4,5. In der Defensive meist sicher. Sein Spiel nach vorne war schon kreativer.
Kwadwo Duah: Sturm, Note 4,5. Er bringt vor allem zu Beginn viel Schwung in den Angriff. Grosschance nach wenigen Minuten.
Tim Staubli: Sturm. Spielt nur wenige Minuten – keine Bewertung.
Alessandro Kräuchi: Verteidigung, Note 3,5. Zu Beginn einige Ballverluste. Beim Gegentor nicht auf der Höhe. Bringt sich nach vorne weniger ein als zuletzt.
Boris Babic: Sturm , Note 4. Er bringt Physis in den Angriff, spielerisch noch Luft nach oben.
Vincent Rüfli: Verteidigung, Note 4,5. Pragmatischer, solider Auftritt.

Lawrence Ati Zigi: Tor, Note 4,5. Beim Gegentor ist er ohne Abwehrchance. Kurz vor der Pause rettet er stark, beim Herauslaufen zu Beginn einmal mit viel Glück.

Der Beste

Es sticht kein St.Galler sehr deutlich heraus. Lukas Görtler und Kwadwo Duah sind aber die beiden auffälligsten Akteure in der Vorwärtsbewegung.

Der Schlechteste

Jérémy Guillemenot: Er läuft wie immer viel, hat aber kaum starke Momente. Seine Schauspieleinlage, eine Schwalbe im Strafraum, bringt ihm zudem eine gelbe Karte ein. Boris Babic kommt für ihn nach der Pause.

Die Fans

Nur 1380 Zuschauer kommen ins Stadion. 2500 wären erlaubt. Die Fusballbegeisterung scheint in Lugano zu Coronazeiten noch kleiner als sonst. Wobei: Etwa 100 Fans des FC Lugano machen vor dem Stadion Stimmung und feiern, als ob sie das Spiel sehen könnten. Sie wollen auf keinen Fall ins Stadion, solange die Coronavorgaben gelten, erklärt ein Tessiner Journalist.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: Wer in Lugano in Rückstand geht, hat's sehr schwer. Wir haben vor dem Gegentor sehr schlecht verteidigt. Danach hat Lugano das Tor verriegelt, wir haben dennoch aufs Tempo gedrückt und wir hatten in der zweiten Halbzeit unsere Chancen. Von daher war es für mich gegenüber den letzten Spielen ein Schritt nach vorne. Aber natürlich hätten wir uns drei Punkte erwartet, das ist unser Anspruch. Ganz zufrieden kann ich mit dem Saisonstart deshalb nicht sein. Zumal Gegner wie Basel oder die Young Boys erst noch folgen.

Peter Zeidler: «Es war trotz allem ein Schritt nach vorne.»

Peter Zeidler: «Es war trotz allem ein Schritt nach vorne.»

Andy Mueller / freshfocus

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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