Rückkehr nach Mass: Der FC St.Gallen holt sich die Leaderkrone mit einem souveränen 2:1 in Sitten zurück

Abgeklärt und ohne Erbarmen mit dem abstiegsgefährdeten Gegner kommen die Ostschweizer aus der Coronazwangspause zurück. Den beiden Treffern von Cedric Itten haben die Sittener nur ein Penaltytor in der Nachspielzeit entgegenzusetzen.

Christian Brägger
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Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Zigi ist auf dem Posten, wenn er es sein muss. Hat keine Schuld, dass er den Penalty verursacht.
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Silvan Hefti: Note 5,5. Top, hinten wie vorne! Bei beiden Toren beteiligt mit starken Dribblings respektive Vorlagen.
Betim Fazliji: Note 4,5. Holt die vierte gelbe Karte und fehlt gegen Zürich. Bei Fazliji gilt, was bei ihm immer gilt: Spielt er, verliert der FC St. Gallen nicht.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Bis auf ein, zwei kleinere Mängel agiert der 18-Jährige in der Innenverteidigung gewohnt sicher.
Vincent Rüfli: Note 4,5. Spielt anstelle Muheims, der grippegeschwächt ist. Letztmals begann Rüfli beim Cupout gegen Winterthur. Die fehlende Spielpraxis sieht man ihm nicht an.
Victor Ruiz: Note 4,5. Schöner Feistoss nach der Pause. Technisch stilsicher, spielerisch mit weniger Einfluss.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Fällt mit seinen Freistössen auf. Spielerisch hatte der Spanier schon auffälligere Leistungen.
Lukas Görtler: Note 4,5. Rackert, kämpft, hat Torchancen, scheitert einmal knapp. Muss aber den Ballverlust verantworten, der letztlich zum 1:2 führt.
Jérémy Guillemenot: Note 4,5. Schöner Distanzschuss in der 20. Minute. Provoziert viele Fouls in der gegnerischen Gefahrenzone. Manchmal zu umständlich.
Ermedin Demirovic: Note 4,5. Massassist zum 1:0. Bemüht, sorgte schon für mehr Torgefahr. Ein Unruheherd ist er alleweil.
Cedric Itten: Note 6. Der Matchwinner mit seinen beiden Toren, einmal per Direktabnahme, einmal per Kopf. Der Schweizer Internationale lässt mit den Meisterschaftstreffern zehn und elf die St.Galler jubeln.
Axel Bakayoko: Note 4,5. Kommt in der 71. Minute für Demirovic. Fällt weder auf noch ab.
André Ribeiro: Note 4,5. Kommt für Guillemenot (71.) und reiht sich nahtlos ins Gefüge ein.
Fabiano Alves: Note –. Spät eingewechselt für Rüfli (76.) Zu wenig Zeit für eine Bewertung.
Tim Staubli: Note -. Wird in der 88. Minute für Ruiz eingewechselt. Zu spät für eine Bewertung.

Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Zigi ist auf dem Posten, wenn er es sein muss. Hat keine Schuld, dass er den Penalty verursacht.

Die Tore

  • 0:1, 20.Minute, Cedric Itten: Herrlicher Angriff über die rechte Seite. Ermedin Demirovic bringt den Pass von Silvan Hefti scharf rein, Itten nimmt den Ball direkt und versenkt ihn aus naher Distanz.
  • 0:2, 52. Minute, wieder Cedric Itten: Hefti dribbelt sich auf der rechten Seite durch, flankt butterweich auf den Kopf von Itten, der den Ball in die rechte Torecke einnickt. Auch dieses Mal ist Goalie Kevin Fickentscher chancenlos.
  • 1:2, 93.Minute, Pajtim Kasami: Der Sittener verwandelt einen an ihm von Goalie Zigi verursachten Foulpenalty in der Nachspielzeit. Den Ballverlust, der schliesslich zur elfmeterreifen Situation führt, muss Lukas Görtler sich ankreiden lassen.
Jubel bei Lukas Görtler und Silvan Hefti nach Cedric Ittens (Bildmitte) zweitem Tor.

Jubel bei Lukas Görtler und Silvan Hefti nach Cedric Ittens (Bildmitte) zweitem Tor.

Bidl: Pascal Muller/Freshfocus

Die Spielanalyse

Von der ersten Minute an ist klar, wer im Tourbillon der Herr im Haus ist: Der Gast aus St.Gallen. Fast scheint es so, als habe es für ihn keine viermonatige Coronapause nach dem 3:3 gegen die Young Boys gegeben, so schnell ist er im Spiel. Die Führung könnte früh fallen bei Jordi Quintillàs Freistoss, oder nach der Startviertelstunde bei Jérémy Guillemenots Distanzschuss. Die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler schnürt die Walliser gekonnt ein, die sich oft weit zurückziehen. Nach 20 Minuten ist es so weit, Cedric Itten bricht den Bann nach einem Paradeangriff über die rechte Seite. In der Folge bemühen sich die Sittener mehr, zwingend werden sie nie, doch der FC St.Gallen ist jetzt nicht mehr so dominant. Vor dem Pausenpfiff fällt Patrick Luan im Sechzehner, ein Foul ist es aber nicht. Und alles spricht für die Ostschweizer, die zurück auf den Leaderthron wollen.

Itten will Nachsetzen, Fickentscher ist zur Stelle.

Itten will Nachsetzen, Fickentscher ist zur Stelle.

Bild: Pascal Muller/Freshfocus

Nach der Pause haben die St.Galler schnell das 2:0 auf dem Fuss, Victor Ruiz' Freistoss kann Fickentscher mit einer herrlichen Parade entschärfen, auch Itten scheitert im Nachsetzen. Auf der anderen Seite wird Goalie Lawrence Ati Zigi vom Ex-St.Galler Mickaël Facchinetti geprüft. Bereits in der 53.Minute fällt die Vorentscheidung, wieder ist es Itten, diesmal per Kopf. Die Sittener können sich nicht beklagen, denn sie haben Glück, dass Lukas Görtler kurz darauf das 3:0 für St.Gallen hauchdünn verpasst. Von der Mannschaft des Anfang Juni zurückgeholten Trainers Paolo Tramezzani ist bis zum Abpfiff praktisch nichts zu sehen, konditionell, spielerisch, taktisch, in allen Belangen sind die St.Galler überlegen. Und doch müssen die Ostschweizer am Schluss nochmals drei Minuten lang zittern, weil Pajtim Kasami in der Nachspielzeit einen Foulpenalty verwandelt. Aber der Weckruf für die Sittener erfolgt zu spät.

Der FC St.Gallen gewinnt damit auch die dritte Begegnung der Saison gegen Sion, mit dem Sieg im Wallis ist er wieder Leader vor den punktgleichen Young Boys und bestätigt seinen Ruf als bestes Auswärtsteam der Super League. Und vor allem: Nach dieser abgeklärten Leistung braucht man viel Fantasie, die Ostschweizer nicht als ernsthaften Meisterschaftskandidaten zu bezeichnen, Geisterspiele hin oder her. Die nächste Bestätigung können sie am kommenden Donnerstag gegen den FC Zürich im Kybunpark liefern. Dann dürfen immerhin 750 Fans ins Stadion.

Der Beste

Cedric Itten, natürlich er. Eindrücklich, wie sich der Schweizer Nationalspieler präsentiert, nicht nur wegen seiner Skorerqualitäten. Der Doppeltorschütze hat nun bereits elf Meisterschaftstreffer auf dem Konto.

Der Schlechteste

Keiner. Weil es dem FC St.Gallen und seiner mannschaftlichen Geschlossenheit nach diesem Abend nicht gerecht würde.

Oft wissen sich die Sittener nur mit Foulspielen zu helfen.

Oft wissen sich die Sittener nur mit Foulspielen zu helfen.

Bild: Pascal Muller/Freshfocus

Das gab zu reden

Der kurzfristige Ausfall von Miro Muheim. Der Linksverteidiger wurde unerwartet verletzt gemeldet, ihn ersetzte Vincent Rüfli. Der 32-jährige Romand spielte letztmals von Beginn an am 13. September beim Cupout gegen Winterthur, danach kam er bis zu dieser Partie gegen Sion noch auf ganze elf Minuten Einsatzzeit.

Nach dem Spiel sagt Trainer Peter Zeidler, Muheim sei unter der Woche krank gewesen und noch nicht ganz bei Kräften. Natürlich hat der FC St.Gallen seinen Verteidiger auf Corona testen lassen - zum Glück ist der Test negativ.

Der Schiedsrichter

Luca Piccolo hat trotz teils ruppiger Gangart des Heimteams die Lage im Griff, weil er aber unter anderen Betim Fazliji verwarnt, fehlt der St.Galler im nächsten Spiel gegen Zürich.

Die Fans

75 Fans hat Christian Constantin den Eintritt gewährt, in grossem Abstand sitzen sie auf der Haupttribüne, vereinzelt hallen ihre Rufe durch den Tourbillon. Das Auswahlverfahren? Der Sion-Präsident liess unter den 5800 Saisonabonnenten auslosen. Doch man kann es drehen und wenden wie man will: Die Szenerie bei Geisterspielen bleibt schauderhaft.

Das Los der Geisterspiele - der Tourbillon ist leer.

Das Los der Geisterspiele - der Tourbillon ist leer.

Bild: Laurent Gillieron/KEYSTONE

Die Reaktionen

Peter Zeidler: «Jetzt sind wir schon drin in diesem Crazy Summer. Das Ergebnis war hoch verdient. Es ist nicht einfach, in Sitten zu gewinnen. Natürlich ist noch nicht alles rund gelaufen und sind Wunderdinge noch nicht möglich. Aber ich bin sehr zufrieden.»

Pressekonferenz nach dem Spiel mit Trainer Peter Zeidler in Coronazeiten.

Pressekonferenz nach dem Spiel mit Trainer Peter Zeidler in Coronazeiten.

Bild: PD

Paolo Tramezzani: «Wir sind noch nicht so lange im Training wie St.Gallen. Dennoch habe ich gute Dinge gesehen bei uns. Aber schon auch einige Sachen, die wir verbessern müssen.»

Sion - St. Gallen 1:2 (0:1)
Tourbillion - 75 Zuschauer - SR Piccolo.
Tore: 20. Itten (Demirovic) 0:1. 53. Itten (Hefti) 0:2. 93. Kasami (Foulpenalty) 1:2.
Sion: Fickentscher; Bamert, Abdellaoui, Jean Ruiz; Maceiras (71. Cavaré), Kasami, Ndoye, Grgic (71. Baltazar), Facchinetti; Lenjani (71. Stojilkovic), Luan (60. Itaitinga).
St.Gallen: Zigi; Hefti, Stergiou, Fazliji, Rüfli (75. Alves); Görtler, Quintilla, Guillemenot (71. Ribeiro), Victor Ruiz (88. Staubli); Demirovic (71. Bakayoko), Itten.
Bemerkungen: Sion ohne Toma, Fortune, Raphael, Zock und Andersson (alle verletzt). St.Gallen ohne Muheim (krank/Coronatest negativ), Letard, Babic, Ajeti, Gonzalez und Lüchinger (alle verletzt). - Verwarnungen: 28. Fazliji (Foul/im nächsten Spiel gesperrt), 32. Görtler (Foul). 33. Ndoye (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 38. Jean Ruiz (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 47. Itten (Foul). 78. Kasami (Foul). 87. Baltazar (Foul).

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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