Ein Hin und Her beim 3:3 in Lugano – die St.Galler sind nun Jäger der Young Boys

In einem munteren Spiel mit zu vielen Fehlern lassen die Ostschweizer trotz zweimaliger Führung im Tessin zwei Punkte liegen. Am Ende ist das 3:3 gerecht, womit die St.Galler wegen des schlechteren Torverhältnisses nun hinter den punktgleichen Young Boys nach 29 Runden Zweite sind. Enttäuscht sind sie trotzdem.

Christian Brägger
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Kampf auf Biegen und Brechen: André Ribeiro gegen Jonathan Sabbatini.

Kampf auf Biegen und Brechen: André Ribeiro gegen Jonathan Sabbatini.

Andy Müller/Freshfocus

Die Tore

  • 1:0, 10.Minute, Jonathan Sabbatini: Yannis Letard will den Ball unbedrängt nach vorne spielen, sein Pass landet direkt in den Füssen von Sabbatini. Dieser legt blitzschnell auf Numa Lavanchy auf, Zigi kommt raus, Prellball, Sabbatini vollstreckt. 
  • 1:1, 26.Minute, Jordi Quintillà: André Ribeiro flankt von der Grundlinie in den Sechzehner, in der Mitte weiss sich Luganos Stefano Guidotti gegen Lukas Görtler nur mit einem Foul zu helfen, Penalty. Jordi Quintillà lässt sich nicht zweimal bitten. 
  •  1:2, 39.Minute, Victor Ruiz: Görtler flankt von der rechten Seite diagonal in den Strafraum. Keiner fühlt sich für den heraneilenden Victor Ruiz zuständig, der freistehend den Ball direkt nimmt – und flach ins Tor schiebt. 
  • 2:2, 46.Minute, Alexander Gerndt: Numa Lavanchy spielt einen hohen Ball in die Gefahrenzone. Betim Fazliji und Leonidas Stergiou stehen nicht nahe genug bei Alexander Gerndt, der mit einem Lopfkopfball Zigi überlistet.
  • 2:3, 54.Minute, Ermedin Demirovic: Görtler flankt wieder herrlich in die Spitze. Dieses Mal hechtet Ermedin Demirovic in den Ball und trifft per Kopf zur abermaligen St.Galler Führung.
  • 3:3, 83.Minute, Numa Lavanchy: Der Franzose geht im Rücken der Abwehr nach der Flanke Sabbatinis völlig vergessen und krönt seine starke Leistung.

Die Spielanalyse

Der FC Lugano findet in der Heimat schnell ins Spiel, wirkt von Trainer Maurizio Jacobacci gut eingestellt, hier hat er ja schon Basel und die Young Boys besiegt. Nach 80 Sekunden hat Rangelo Janga die erste Grosschance, und scheitert an St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi. Nach zehn Minuten ist es dann soweit, die Ostschweizer geraten nach einem Fehler von Yannis Letard und dem Abschluss Jonathan Sabbatinis in Rückstand. Letard wird noch vor Ablauf der ersten halben Stunde ausgewechselt, er scheint nicht auf der Höhe des Geschehens. Trainer Peter Zeidler bringt André Ribeiro – und beordert Betim Fazliji zurück in die Abwehr, der zu Beginn überraschend hinter den Spitzen den gelbgesperrten Jérémy Guillemenot ersetzt hat.

Jonathan Sabbatini (Lugano) jubelt nach dem Tor zum 1:0 gegen FCSG-Goalie Lawrence Ati Zigi.

Jonathan Sabbatini (Lugano) jubelt nach dem Tor zum 1:0 gegen FCSG-Goalie Lawrence Ati Zigi.

Bild: Andy Mueller / freshfocus

Unmittelbar nach Ribeiros Einwechslung kommt St.Gallen im Cornaredo zum Ausgleich dank Jordi Quintillàs verwandeltem Foulelfmeter. Jetzt sind die St.Galler endlich in ihrem Spiel, Cedric Itten hat sofort nach dem 1:1 die Führung auf dem Fuss. In der 39.Minute ist es der freistehende Victor Ruiz, der für die nun dominierende Gäste nach der Massflanke Lukas Görtlers die Führung erzielt.

Nach der Pause sind die Luganesi sofort parat, die St.Galler sind es nicht. Alexander Gerndt nützt diese Diskrepanz mit einem Lopfkopfball zum 2:2, wobei die Hintermannschaft der Ostschweizer keine «bella figura» macht. Im Gegenzug bringt Ruiz die Grünweissen sofort wieder in Führung, aber der Videoschiedsrichter moniert eine Abseitsposition – der Treffer zählt wohl zu recht nicht. Die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler lässt sich davon nicht beirren, vielmehr setzt sie nach und geht nach einer abermaligen Flanke Görtlers dank Ermedin Demirovics Flugkopfball in Führung.

Ermedin Demirovic (St.Gallen) jubelt nach dem Tor zum 2:3.

Ermedin Demirovic (St.Gallen) jubelt nach dem Tor zum 2:3.

Bild: Andy Mueller / freshfocus

In der Schlussphase haben die Tessiner wie die St.Galler Möglichkeiten, doch ein Tor will lange nicht mehr fallen. Bis Numa Lavanchy in der 83.Minute im Rücken der Abwehr vergessen geht und Zigi bezwingt. In der Folge sind die Tessiner näher dem Sieg, die St.Galler ihrerseits scheinen platt, Ribeiro hat auch noch eine Chance. Doch es bleibt beim 3:3, das am Ende wohl gerecht ist. Damit müssen die Ostschweizer wegen des schlechteren Torverhältnis in der 29.Runde den Leaderthron an die Young Boys abgeben. Zumindest die Qualifikation für die Europa League dürfte ihnen jedoch nicht mehr zu nehmen sein, bei sage und schreibe neun Punkten mehr als Basel, und 14 mehr als Servette, das Vierter ist.

Hängende Köpfe der FCSG-Spieler: Jordi Quintilla, Miro Muheim und Betim Fazliji.

Hängende Köpfe der FCSG-Spieler: Jordi Quintilla, Miro Muheim und Betim Fazliji.

Bild: Andy Mueller / freshfocus

Die Berner treffen nun am Samstag auswärts auf Basel, während für Zeidler und seine Jungs die Reise zuerst ins Kurztrainingslager ins Wallis und dann am Sonntag zu Servette nach Genf geht.

Leonidas Stergiou: Note 4. Agierte schon auffälliger. Defensiv wie offensiv. Bei seinen Vorstössen bisweilen ungenau.
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Victor Ruiz: Note 4,5. Mit mehr Licht als Schatten. Das 2:1 vor der Pause macht er eiskalt, hätte ohne den VAR sogar noch ein zweites Tor erzielt.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Stark verwandelter Penalty zum 1:1. Kann das Spiel nicht wie gewohnt voll an sich reissen.
Ermedin Demirovic: Note 4,5. Nicht so auffällig, aber macht, was ein Stürmer machen kann und soll: ein Tor, was für eines.
Axel Bakayoko: Keine Bewertung. Kurzeinsatz anstelle Ittens in der Schlussphase.
Cedric Itten: Note 4. Ein paar gute Szenen vor dem Lugano-Tor, aber für den Nationalspieler ist das zu wenig.
Lukas Görtler: Note 5,5. Wahnsinnsflanken zum 2:1 und 3:2. Holt auch noch den Penalty heraus, der die St. Galler wieder in die Spur bringt. Auch sonst der Mann des Ostschweizer Spiels.
André Ribeiro: Note 5. Seine frühe Einwechslung bringt neuen Schwung, Ribeiro zeigt sich oft von der Sonnenseite.
Miro Muheim: Note 4. Beim 3:3 ist er schlecht postiert. Hinten sonst solide, nach vorne kam von ihm schon mehr.
Betim Fazliji: Note 3,5. Seine Serie hält, 19 Spiele, 17 Siege, keine Niederlage. Hinter den Spitzen nicht gut, und beim 2:2 ebenfalls nicht auf der Höhe.
Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Muss ein paarmal eingreifen. Beim ersten und dritten Gegentor machtlos, beim zweiten womöglich zu weit vorne postiert.
Musah Nuhu: Keine Bewertung. Kommt für Demirovic unmittelbar nach dem 3:3.
Silvan Hefti: Note 4. Agierte schon auffälliger. Defensiv wie offensiv. Bei seinen Vorstössen bisweilen ungenau.
Yannis Letard: Note 3. Fehlerhaft. Aussetzer beim 0:1. Ist nach der Verletzung noch nicht der Alte und wird nach dem Fehler sofort ausgewechselt.
Vincent Rüfli: Note 4. Kommt nach knapp 70 Minuten, doch da ist die hitzige Schlussphase längst in Gang.

Leonidas Stergiou: Note 4. Agierte schon auffälliger. Defensiv wie offensiv. Bei seinen Vorstössen bisweilen ungenau.

Der Beste

Lukas Görtler.

Lukas Görtler.

Bild: Claudio Thoma / freshfocus

Lukas Görtler: Die englischen Wochen scheinen ihm nichts anzuhaben. Görtler ist bei allen Toren der St.Galler beteiligt. Zweimal mit Prachtsflanken, einmal holt er den Foulpenalty heraus. Doch auch sonst spielt der Mittelfeldmotor sackstark.

Der Schlechteste

Yannis Letard.

Yannis Letard.

Bild: Michel Canonica

Yannis Letard. Ist nicht auf der Höhe des Geschehens, fabriziert einige Fehler. Vor allem: Der Fehlpass zum frühen Rückstand darf Letard nicht passieren. Weil Zeidler danach umstellt, hat der Franzose keine Chance mehr, es besser zu machen. Was für dieses Mal wohl auch besser ist.

Aufgefallen: Ein Rorschacher

Daniel Pavlovic spielt erstmals seit seinem Wechsel Mitte Juni von Beginn an für den FC Lugano. Der 32-jährige Aussenverteidiger mit 42 Auftritten in der Serie A ist gebürtiger Rorschacher – und hat Teile seiner Juniorenzeit im FC St.Gallen verbracht, ehe er in die weite Welt auszog, wo ihm das Fussballglück nicht nur hold war. Gegen St.Gallen machte er seine Sache auf der linken Abwehrseite ganz gut.

Die kurze Begegnung mit der deutschen Berühmtheit

Til Schweiger.

Til Schweiger.

Bild: NDR Presse und Information

Ein Fahrerwechsel bei der Baustelle vor dem San-Bernardino-Tunnel bringt eine kurze Verschnaufpause auf der Reise ins Tessin. Schnell frische Luft schnappen, Hände ausschütteln, Beine vertreten. Und wer steht da am Strassenrand und erleichtert sich? Tatsächlich, der Look ist unverkennbar, es ist Til Schweiger himself. Kaum hat der erfolgreiche Schauspieler und Filmregisseur seine Pinkelpause beendet, besteigt er wieder seinen schwarzen Wagen, und saust mit seiner Freundin davon. Um eine Minute später wieder zurückzukommen, die Autoscheibe filmszenenreif runterzulassen – und zu fragen: «Jungs, wisst Ihr wie wir hier wieder auf die Schnellstrasse kommen? Ich habe keine Lust, über diesen Pass zu fahren.»

Die Diskussion: Der Trainer noch immer Thema bei Hoffenheim?

Noch immer soll Peter Zeidler Trainerkandidat sein bei Hoffenheim. Wie der Südwestfunk berichtet, hat der Bundesligaclub zwar Bremens Florian Kohfeldt favorisiert. Dieser wird jetzt aber definitiv bei Werder bleiben, womit Zeidler neben Manuel Baum und Sandro Schwarz nun bei den Kraichgauern wieder höher gehandelt werden dürfte.

Die Reaktionen

Peter Zeidler: «Auswärts in Lugano ein 3:3, einen Punkt haben hier weder Basel noch die Young Boys geholt. Wir haben alles gegeben, gekämpft, hatten Pech mit dem VAR, auch wenn der Entscheid vermutlich richtig war. Der Ausgleich fiel relativ spät, das ist ein wenig ärgerlich. Die Spieler sind sehr, sehr enttäuscht, und gerade das spricht für sie.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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