Der FC St.Gallen hat eine Goaliediskussion –  Alain Sutter bestätigt Angebot für Stojanovic und sagt: «Wir wollen so rasch wie möglich Klarheit» – Itten weckt Interesse 

Dejan Stojanovic könnte zum FC Middlesbrough wechseln. So oder so dürfte der FC St.Gallen handeln.

Christian Brägger aus La Manga
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Hat sich zur zuverlässigen Kraft im St.Galler Tor entwickelt: Dejan Stojanovic.

Hat sich zur zuverlässigen Kraft im St.Galler Tor entwickelt: Dejan Stojanovic.

Bild: Martin Meienberger

Es kommt in Spanien gerade ein wenig Unruhe auf im FC St.Gallen. Und zwar auf der Goalieposition, in dieser Saison vielleicht das einzige Sorgenkind der Ostschweizer. Nicht, dass Dejan Stojanovic eine schlechte Vorrunde gespielt hätte. Im Gegenteil. Aber Jonathan Klinsmann, die Nummer zwei im Tor, ist seit Anfang Dezember am Fuss verletzt und weilt für die Reha derzeit in den USA. Am 15.Januar wird der 22-Jährige zurückerwartet, steht bis Ende Februar jedoch kaum zur Verfügung.

Auch die Nummer drei, der 19-jährige Nico Strübi, hat im November eine schwere Verletzung im Ellbogen erlitten und wird noch ein halbes Jahr ausfallen. Weshalb die beiden Nachwuchsgoalies Armin Abaz und Leutrim Pali nun das Trainingslager mit der ersten Mannschaft absolvieren. Coach Peter Zeidler will spüren, wie weit die beiden erst 17-Jährigen sind, und Sportchef Alain Sutter sagt, es sei eine Chance für die Jungen.

Wohl der FC Middlesbrough

Alleine diese Fakten wären schon eine Goaliediskussion wert, und nun stört ein sich vielleicht anbahnender Transfer die St.Galler Ruhe. Sutter bestätigt, dass seit Dienstag für Stojanovic ein offizielles Angebot von einem Club aus Englands zweithöchster Liga vorliege; Zeidler selbst hat davon erst am Mittwochabend erfahren.

Recherchen ergeben, dass es sich dabei um den FC Middlesbrough handelt, einen finanzkräftigen Verein der englischen Championship. Dort ist Darren Randolph gerade im Begriff, in die Premier League zu West Ham zu wechseln, wo er schon einmal gespielt hat. Der irische Nationaltorwart absolviert bei den «Hammers» derzeit medizinische Tests. Und Middlesbrough schaut sich in St.Gallen um.

Keine Wasserstandsmeldungen

Während Stojanovic wie seit längerer Zeit zu keiner Stellungnahme in dieser Zeitung bereit ist, sagt Sutter, man wolle so schnell wie möglich Klarheit in dieser Causa.

Alain Sutter, Sportchef des FC St.Gallen.

Alain Sutter, Sportchef des FC St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser
«Je früher, desto besser. Wasserstandsmeldungen gibt es aber wie immer keine von mir.»

Stojanovic hat jüngst seine holländische Beratungsagentur verlassen und zur österreichischen «More than Sport GmbH» gewechselt, die gute Beziehungen hat. Der 26-Jährige spielt seit Sommer 2016 beim FC St.Gallen und ist seit zwei Jahren unbestrittener Stammgoalie, bislang absolvierte er 81 Pflichtspiele für die Ostschweizer. Sein Vertrag läuft in diesem Sommer aus, würde sich infolge einer Option mit einer gewissen Anzahl Spiele sehr bald verlängern. Was den Spieler natürlich noch teurer macht.

Zeidler: «Das wäre für Fussballromantiker»

Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen.

Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser

Sutter sagt, er sei bereit, falls Stojanovic tatsächlich wechseln würde. «Und wir wären offen, ob wir einen Torwart ablösefrei verpflichten oder kaufen wollen.» Auch für Zeidler ist die ­Situation in La Manga keine einfache. «Dass alle Spieler uns erhalten bleiben, wäre für die Fussballromantiker. Und eigentlich sind solche Interessen auch eine Auszeichnung für unsere Arbeit.»

So oder so: St.Gallen muss nur schon infolge der aktuellen Lage hinter Stojanovic handeln. Als sich jener in den letzten beiden Vorrundenspielen an der Schulter leicht verletzt hatte, war die Gefahr latent da, einen Jungen ins kalte Wasser werfen zu müssen.

Nur, wer wäre ein Kandidat? Der Name Raphael Spiegel, bis Sommer als Goalie des FC Winterthur unter Vertrag, ist schon gefallen. Zeidler jedenfalls hat sich vor einiger Zeit einmal nach ihm erkundigt, scheint angetan vom 27-Jährigen. Andere, eher unerwartete Kandidaten könnten der 21-jährige Philipp Köhn von Salzburg sein, oder der ebenfalls 21-jährige Anthony Racioppi von Olympique Lyon. Zeidler sagt mit einem Lächeln im Gesicht, vielleicht lasse er ja seine Kontakte zu PSG-Trainer Thomas Tuchel und Liverpool-Coach Jürgen Klopp spielen.

Sporting mit Interesse an Itten?

Womöglich landen in diesem Transferwinter weitere St.Galler auf Vereinsspickzetteln. Auf die Frage, ob es noch eine offizielle Anfrage gibt, antwortet Sutter nach einem kurzen Zögern: «Nein.» Zumindest ­Cedric Itten soll aber im erweiterten Fokus gelandet sein von Sporting Lissabon, im letzten Sommer St.Galler Testgegner.

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