Der FC St.Gallen gewinnt 2:1 gegen Xamax und übernimmt wieder die Tabellenspitze – er muss sich den Sieg aber hart erkämpfen

Der FC St.Gallen gerät gegen Xamax in Rückstand, dreht aber das Spiel dank Toren von Leonidas Stergiou und Cedric Itten. Am Ende muss das Team von Peter Zeidler um die drei Punkte zittern. Ati Zigi und die Querlatte retten den Sieg über die Zeit.

Ralf Streule
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Die St.Galler bejubeln den Siegtreffer von Cedric Itten.

Die St.Galler bejubeln den Siegtreffer von Cedric Itten.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Die Tore

  • 15. Minute, Raphaël Nuzzolo: Nach einer scharfen Hereingabe von Leo Seydoux verpasst Nuzzolo zunächst, schlägt ein Luftloch. Der Ball fällt ihm noch einmal vor die Füsse. Alessandro Kräuchi kommt zu spät, Nuzzolo trifft unbedrängt in die linke Ecke.
  • 17. Minute, Leonidas Stergiou: Nach einem Corner kann Neuenburg-Goalie Laurent Walthert einen Kopfball von Cedric Itten an die Latte lenken, Stergiou braust heran und versenkt den Ball aus fünf Metern im Netz.
  • 60. Minute, Cedric Itten: Ein starker Angriff der St.Galler! Jérémy Guillemenot erläuft einen Steilpass, seine perfekte Hereingabe setzt Cedric Itten per Kopf in die Maschen.

Die Spielanalyse

Das Spiel beginnt mit viel Tempo - schon nach 20 Sekunden kommt Lukas Görtler zu einem Volleyversuch aus 20 Metern. Und im Gegenzug zeigt Xamax, dass es offensiv ebenfalls einiges zu bieten hat. Leonidas Stergiou unterschätzt einen Angriff über links, nach 40 Sekunden muss Goalie Ati Zigi bereits das erste Mal gegen Raffael Nuzzolo abwehren.

Ähnlich geht es weiter, vom 0:6 gegen die Young Boys scheinen die Neuenburger gut erholt. Immer wieder schaffen sie es, die Ostschweizer mit hohen Bällen in Verlegenheit zu bringen, vorne wissen die Stürmer Raphël Nuzzolo und Neuzugang Diafra Sakho fast immer etwas mit den Zuspielen anzufangen. Das 1:0 durch Nuzzolo nach einer Viertelstunde ist nicht unverdient, die St.Galler können aber postwendend reagieren. Nach einem Corner trifft Leonidas Stergiou aus kurzer Distanz.

Der Ausgleich: Verteidiger Leonidas Stergiou (links) wird von Cedric Itten und Lukas Görtler beglückwünscht.

Der Ausgleich: Verteidiger Leonidas Stergiou (links) wird von Cedric Itten und Lukas Görtler beglückwünscht.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Die Ostschweizer haben in der Folge Mühe, ihr Pressing aufzuziehen, Xamax kommt immer wieder zu Möglichkeiten. Zigi zeigt zwei Grosstaten, einmal nach 26 Minuten gegen Sakho, später gegen Nuzzolo, einmal kann Stergiou für den geschlagenen Goalie retten.

Die St.Galler kommen besser aus der Pause, setzen mehr Druck auf. Dies wird nach einer Stunde belohnt: Cedric Itten trifft nach starker Flanke von Jérémy Guillemenot zum 2:1. Danach wogt das Spiel hin und her. Die St.Galler müssen weitere Nuzzolo-Chancen überstehen. Am Ende des Spiels dann brennt es immer wieder lichterloh vor Ati Zigi - dieser hält den Sieg fest. Die grösste Xamax-Chance hat Leo Seydoux mit einem Lattenschuss in der letzten Minute.

Die St.Galler bringen den Sieg letztlich mit viel Glück über die Zeit. Ihnen kann es egal sein: Sie haben sich die Leaderposition zurück erkämpft und versuchen sie am Sonntag zu Hause gegen Sion zu verteidigen.

Der Beste

Goalie Ati Zigi. Der Ghanaer zeigt mehrere starke Paraden, sein Duell gegen Raphaël Nuzzolo geht mit etwa 7:1 an ihn. Er strahlt zudem stets viel Sicherheit aus.

Ati Zigi lässt sich nur einmal von Raphaël Nuzzolo bezwingen, hier in der 15. Minute.

Ati Zigi lässt sich nur einmal von Raphaël Nuzzolo bezwingen, hier in der 15. Minute.

Urs Lindt / freshfocus

Der Schlechteste

Ermedin Demirovic bleibt in der Offensive für einmal blass. Auch Alessandro Kräuchi, der den verletzten Silvan Hefti ersetzt, hat zu Beginn Mühe, den Tritt zu finden. Kommt in der zweiten Hälfte aber besser ins Spiel.

Lawrence Ati Zigi: Note 5,5. Er ist der Mann des Spiels. Zigi rettet mehrmals bravourös und strahlt viel Sicherheit aus. Beim Gegentor ist er machtlos.
15 Bilder
Leonidas Stergiou: Note 5. In der Defensive sehr ruhig und abgeklärt. Auch offensiv aufmerksam, zum Beispiel bei seinem wuchtigen 1:1.
Victor Ruiz: Note 4. Der Spanier leistet viel Laufarbeit, zeigt aber manchmal zu wenig Übersicht.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Am Ball wie so oft stark, setzt offensive Akzente. Aber nicht so spielbestimmend wie sonst.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Er ist oft anspielbar, zeigt viel Einsatz. Verheddert sich aber zu oft. Starker Assist zum 2:1.
Ermedin Demirovic: Note 3,5. Er kommt erneut nicht so zur Geltung, bleibt immer wieder in der Abwehr hängen.
Axel Bakayoko: Note 4. Der Franzose lässt seine Schnelligkeit immer wieder aufblitzen, entscheidende Aktionen aber fehlen.
Cedric Itten: Note 4,5. Bis zu seinem Tor ist er eine Stunde lang nicht oft zu sehen – trifft dann aber stark zum 2:1.
Lukas Görtler: Note 4,5. Kämpferisch wiederum vorbildlich. Hält auch in schwierigen Momenten dagegen.
André Ribeiro: Note 4. Kommt nach einer Stunde, kann sich aber nicht empfehlen. Fällt nicht auf und nicht ab.
Miro Muheim: Note 5. Er trägt viel zum Spielaufbau bei und hat seine Abwehrseite meist im Griff.
Betim Fazliji: Note 4,5. Zu Beginn mit einigen Unsicherheiten, nach der Pause aber defensiv wie offensiv präsent.
Alessandro Kräuchi: Note 3,5. Ist diese Saison erstmals in der Startaufstellung, zeigt zu Beginn Unsicherheiten. Kommt nach der Pause besser auf Touren.
Vincent Rüfli: Note 4. Rüfli darf für eine Viertelstunde im Mittelfeld ran. Kann das Spiel der St. Galler aber ebenfalls nicht mehr prägen.
Tim Staubli: Kommt erst kurz vor Schluss. Keine Bewertung möglich.

Lawrence Ati Zigi: Note 5,5. Er ist der Mann des Spiels. Zigi rettet mehrmals bravourös und strahlt viel Sicherheit aus. Beim Gegentor ist er machtlos.

Der Wind

Es ist Segelwetter in Neuenburg. Während auf dem See nebenan die Segler den Abend geniessen, bläst der starke Westwind das Wasser von der Bewässerungsanlage vor dem Spiel direkt auf die Haupttribüne. Auch im Spiel gibt es die eine oder andere kuriose Situation, weil der Wind mit den hohen Bällen spielt.

Abendstimmung über der Neuenburger Maladière.

Abendstimmung über der Neuenburger Maladière.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Die Fans

Auch in Neuenburg sind gut 700 Zuschauer zugelassen. Doch hier entscheidet, anders als in St.Gallen, nicht das Los, wer ins Stadion darf. Ab 19 Uhr ist die Abendkasse geöffnet, Saisonabo-Besitzer erhalten Tickets nach dem Motto «s hät solangs hät».

Die Stimmung auf den Rängen ist gut, die Fans gehen mit den Angriffen ihrer Rot-Schwarzen mit. Was vor allem in der heissen Schlussphase oft der Fall ist.

Stimmen zum Spiel

Peter Zeidler, Trainer FC St. Gallen: «Ja, das war ein glücklicher Sieg. Wir konnten das Spiel nicht wie gewünscht aufziehen und haben hinten zu viel zugelassen. Bereits in der Pause könnten wir im Rückstand liegen. Und wenn es im Team nicht stimmen würde, wäre es vielleicht auch so gewesen - aber bei uns stimmt es ganz einfach. Am Ende brauchten wir aber schon alles: Glück, Ati Zigi und die Querlatte. Man muss aber sehen, welch starker Gegner Xamax ist, die haben den Abstiegskampf defintiv angenommen. Die Offensivspieler Raphël Nuzzolo und Diafra Sakho - ihn kenne ich aus der französischen Liga von Metz - haben grosse Qualität. Die drei Punkte sind glücklich zustande gekommen. Wir geben sie aber nicht mehr her.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:
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