0:4 gegen Zürich – nach einer starken Leistung in der ersten Halbzeit bricht der FC St.Gallen nach der Pause komplett ein

Der FC St.Gallen verpasst es, vom Ausrutscher der Young Boys zu profitieren. Die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler unterliegt dem FC Zürich im Kybunpark mit 0:4. Für die Ostschweizer ist es ein bitterer Abend. Vor der Pause sind sie klar das bessere Team und vergeben fünf hochkarätige Möglichkeiten.

Patricia Loher
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Zürichs Antonio Marchesano (Mitte) gegen St.Gallens Victor Ruiz (links) und Yannis Letard.

Zürichs Antonio Marchesano (Mitte) gegen St.Gallens Victor Ruiz (links) und Yannis Letard.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Die Tore

  • 0:1, 31. Minute, Eigentor Vincent Rüfli: Entgegen dem Spielverlauf geht der FC Zürich in Führung: Nach einer scharf getretenen Cornerflanke von Benjamin Kololli lenkt Blaz Kramer den Ball per Kopf ab. Auf der Linie kann St.Gallens Vincent Rüfli nicht mehr entscheidend klären, auch Goalie Lawrence Ati Zigi kommt zu spät.
  • 0:2, 64. Minute, Aiyegun Tosin: Der Zürcher lässt bei einem Konter alle seine Gegenspieler stehen. Auch der eingewechselte Fabiano Alves sieht nicht gut aus, als Tosin mit einem platzierten Abschluss das 2:0 für Zürich erzielt. Wenige Sekunden später wird Alves wieder aus dem Spiel genommen.
  • 0:3, 87. Minute Benjamin Kololli: Wieder stemmt sich St.Gallen kaum gegen einen Konter der Zürcher, das nutzt Kololli kaltblütig aus.
  • 0:4, 91. Minute: Aiyegun Tosin. In der Schlussphase gibt sich St.Gallen auf wie noch nie in dieser Saison. Tosin profitiert zum zweiten Mal.

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen tritt in der Anfangsphase mit dem Selbstverständnis eines Leaders auf. Die Ostschweizer dominieren und lassen den Gast aus Zürich keinen Moment in Ruhe. Schon nach zwei Minuten erspielt sich St.Gallen die erste Chance durch Ermedin Demirovic, der wenig später auch mit einer gefährlichen Direktabnahme auffällt.

Zwischen der 10. und 14. Minute trumpft St.Gallen gross auf und erarbeitet sich Chancen in regelmässigen Abständen: Zuerst setzt Cedric Itten völlig freistehend einen Kopfball neben das Tor, dann verpasst erneut auch Demirovic, ehe Itten nach einer wunderschönen Aktion aus 20 Metern nur die Latte trifft. St.Gallen hätte dieses Spiel schon früh vorentscheiden müssen: Ein 3:0 wäre nicht zu deutlich. Zürich, das noch beim 2:3 gegen die Young Boys gut mitgehalten hatte, wirkt während Minuten heillos überfordert.

Der Führungstreffer des FC Zürich nach einer halben Stunde.

Der Führungstreffer des FC Zürich nach einer halben Stunde.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Trotzdem sind es schliesslich die Zürcher, die entgegen dem Spielverlauf in Führung gehen. Nach einem Eckball – es ist Zürichs erster Corner in diesem Spiel – kann St.Gallen den Ball in der Luft nicht kontrollieren, Itten und Yannis Letard verpassen, auch Goalie Zigi und Vincent Rüfli kommen zu spät, so dass Zürich profitiert.

Nach der Pause reagiert St.Gallens Trainer Peter Zeidler: Für Jérémy Guillemenot wechselt er André Ribeiro ein, wenig später kommt Fabiano Alves für den angeschlagenen Letard. Trotzdem wirkt Zürich zu Beginn der zweiten Halbzeit wacher als die St.Galler, der Gast kommt durch Kramer zu einer guten Möglichkeit. In der 52. Minute geht ein Weitschuss von Victor Ruiz knapp über das Tor. Der Spanier hatte in der 23. Minute die gelbe Karte gesehen und ist am Sonntag im Heimspiel gegen Thun gesperrt.

Zürichs Steigerung

Zürich ist nun besser auf St.Gallens Spiel eingestellt. Die Mannschaft von Ludovic Magnin schliesst die Räume im Mittelfeld kompromissloser und kommt in der 59. Minute zu einer guten Chance. Die Ostschweizer kombinieren sich nicht mehr so leichtfüssig durch die gegnerischen Reihen wie noch vor der Pause. Zudem wirkt die Abwehr nun anfällig. In der 62. Minute hat St.Gallen Glück, als Kololli das Tor nur um wenige Zentimeter verpasst. Die Ostschweizer laufen immer wieder in gefährliche Konter.

Das 2:0 für Zürich fällt in der 64. Minute. Es hatte sich abgezeichnet, weil St.Gallen nicht mehr an seinen starken Auftritt von vor der Pause anknüpfen kann. Vielmehr wirken die Ostschweizer fahrig, auf einmal ist die Fehlerquote viel zu hoch. Es scheint, als trauere St.Gallen dem fehlenden Wettkampfglück der ersten 45 Minuten nach.

Gegen Spielende gibt sich das Team gar auf und kassiert nach Kontern noch zwei weitere Gegentore. So bleibt es dabei: Gegen Zürich tut sich St.Gallen in dieser Saison schwer. Das 0:4 vom Donnerstagabend ist im dritten Vergleich die dritte Niederlage. Zugleich ist es für die St.Galler in der 25. Runde die höchste Saisonniederlage. Trotz des Dämpfers bleiben die Ostschweizer Leader.

Der Beste

Vor der Pause ist Cedric Itten auffälligster St.Galler, obwohl er zwei hochkarätige Chancen ungenutzt lässt. In der zweiten Halbzeit taucht aber auch der Schweizer Internationale wie alle seine Teamkollegen ab.

Der Schlechteste

Victor Ruiz hat keinen guten Tag. Dem Spanier unterlaufen für einmal viel zu viele Abspielfehler. Auch Jérémy Guillemenot findet nicht ins Spiel und wird nach 45 Minuten ausgewechselt.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic auf der Tribüne des Kybunpark.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic auf der Tribüne des Kybunpark.

Bild Michel Canonica

Der prominente Besuch

Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic sieht sich die Partie von der Haupttribüne aus an. Petkovic nimmt Nationalspieler Cedric Itten unter die Lupe. Und vielleicht auch den einen oder anderen talentierten St.Galler wie Silvan Hefti, Leonidas Stergiou oder Jérémy Guillemenot.

Auch der Schweizer NHL-Spieler Timo Meier hat sich ein Ticket ergattert. Der 23-jährige Herisauer ist bekennender Anhänger des FC St.Gallen.

Fans mit Sicherheitsabstand auf der Gegentribüne.

Fans mit Sicherheitsabstand auf der Gegentribüne.

Bild Michel Canonica

Die Fans

Nachdem der Bundesrat am vergangenen Freitag die Corona-Bestimmungen gelockert hatte, verloste der FC St.Gallen per Zufallsgenerator 750 Tickets unter seinen Anhängern. So war die erste Heimpartie seit vier Monaten und dem begeisternden 3:3 gegen die Young Boys kein Geisterspiel. Die Fans taten ihr Bestes, um das Team lautstark zu unterstützen.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen.

Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen.

Gian Ehrenzeller/Keystone

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «In den ersten 30 Minuten spielten wir gut. Danach schafften wir es aber nicht, die schnellen Zürcher unter Kontrolle zu bringen. Es kann nicht sein, dass wir nach der Pause derart viele Konter zulassen. So war die Niederlage am Ende verdient. Natürlich schmerzt die Höhe der Niederlage. Aber wir werden wieder aufstehen.»

Ludovic Magnin, Trainer FC Zürich: «Ich möchte mich beim Publikum des FC St.Gallen bedanken. Es hat Spass gemacht, dass wieder Leute Stimmung gemacht haben. Ich hatte das Gefühl, als ob mehr als 1000 Zuschauer im Stadion sind. 30 Minuten haben wir extrem gelitten. St.Gallen kam wie die Feuerwehr. Dann war das Gewitter vorbei und wir haben 70 Minuten lang toll Fussball gespielt.»

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