Drei Punkte gegen Basel
Wunderbar! Der FC St.Gallen schickt den FC Basel verdient mit 3:1 nach Hause und rückt auf den dritten Platz vor

Im siebten Anlauf besiegen die Ostschweizer endlich wieder einmal den FC Basel an heimischer Stätte. Der Sieg ist absolut verdient und einer des Kollektivs, während die Mannschaft vom Rheinknie nun noch unruhigeren Zeiten entgegenblickt.

Christian Brägger
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Lukas Görtler erzielt mit dem linken Fuss das 1:0.

Lukas Görtler erzielt mit dem linken Fuss das 1:0.

Bild: Michel Canonica
Jérémy Guillemenot wird im Sechzehner von Gonçalo Cardoso gefoult.

Jérémy Guillemenot wird im Sechzehner von Gonçalo Cardoso gefoult.

Bild: Michel Canonica

Die Spielwertung

Die St.Galler haben die Partie gegen die ersatzgeschwächten Basler über weite Strecken im Griff. Lukas Görtler bringt die Grünweissen nach 35 Minuten auf die Siegerspur, in der zweiten Halbzeit legen die Ostschweizer nach eher schwächerem Start nochmals zu und mit zwei Toren nach. Basel wirkt eher hilflos und weiter in der Krise, daran kann auch der späte Ehrentreffer nichts ändern. Spielnote: 5

Die Tore

  • 1:0, 35.Minute, Lukas Görtler: Der Deutsche zeigt bei seinem ersten Saisontor, wie man sich mit viel Willen und Kraft durchsetzt. Thody Élie Youan spielt im Zentrum den Ball auf Görtler, der tankt sich in den Sechzehner und schiesst im Fallen mit dem linken Fuss in die rechte Torecke.
  • 2:0, 69.Minute, Kwadwo Duah: Jérémy Guillemenot wird im Sechzehner von Gonçalo Cardoso gefoult. Kwadwo Duah versenkt den Penalty via Innenpfosten und lässt sich dabei nicht von Heinz Lindners Klatschen beirren.
  • 3:0, 76.Minute, Jordi Quintillà: Der spanische Captain trifft endlich wieder! Sein Freistoss halblinks vom Sechzehner ist eine Augenweide. Den stehenden Ball herausgeholt hat Kwadwo Duah.
  • 3:1, 91.Minute, Cabral: Dem Basler Stürmer gelingt in der Nachspielzeit der Ehrentreffer mit einem Ablenker, Edon Zhegrova hat den Ball Richtung Tor gebracht.

Die Spielanalyse

Es ist ein munterer Beginn zwischen den beiden Mannschaften, die zuletzt nicht wirklich brilliert haben. Vor allem der FC St.Gallen weiss zu gefallen, Kwadwo Duah hat früh zwei gute Chancen, Neuzugang Junior Adamu bei seinem Debüt vergibt ebenfalls eine Möglichkeit. Der Schönheitsfehler aber ist, dass die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler in der Startphase aus diesen Abschlüssen kein Kapital schlägt. Auf der Gegenseite liegt der Ball nach neun Minuten plötzlich im Tor, Goalie Lawrence Ati Zigi ist nach einem Durcheinander bezwungen. Doch der Treffer zählt für die ersatzgeschwächten Basler nicht, weil Pajtim Kasami vor dem Tor durch Gonçalo Cardoso den Ball mit der Hand berührt hat.

In der Folge ist die Partie zunächst ausgeglichen, Basel bleibt bei Gegenstössen gefährlich, St.Gallen fehlt vor dem Tor die letzte Entschlossenheit. Sie wird ein weiteres Mal offenbar, als Alessandro Kräuchi in der 34.Minute herrlich den Ball auf Adamu chippt, dieser aber ziemlich kläglich verzieht. Eine Zeigerumdrehung später zeigt Lukas Görtler, was in ihm steckt. Mit einem Kraftakt dribbelt er sich in den Sechzehner und schiesst den Ball mit seinem schwachen linken Fuss unhaltbar für Goalie Heinz Lindner in die entfernte rechte Torecke – 1:0 für St.Gallen, das jetzt klar besser ist und verdient zur Pause führt.

Jubel nach dem 3:0 durch Jordi Quintillà.

Jubel nach dem 3:0 durch Jordi Quintillà.

Bild: Michel Canonica

In der zweiten Halbzeit tritt der FC Basel zielstrebiger und mit mehr Moral auf, auch die Körpersprache ist nun kurzzeitig besser. Man fragt sich schon, ob es der FC St.Gallen bereuen muss, sich in den ersten 45 Minuten nicht mit zwei Toren Vorsprung belohnt zu haben. Zudem muss Görtler den Platz angeschlagen verlassen, ihn ersetzt in der 49.Minute Tim Staubli.

Nach einem schönen Angriff über Youan schiesst Duah in der 63.Minute den eingewechselten Jérémy Guillemenot an, Lindner hätte gewiss Mühe gehabt, da noch ranzukommen. Aber die St.Galler sind mit dieser Szene wieder voll im Spiel und wollen sich nicht weiter den Schneid abkaufen lassen. Das zahlt sich aus, besonders als Guillemenot in der 69.Minute nach einem Konter von Gonçalo Cardoso gefoult wird im Sechzehner und Duah den Elfmeter sicher verwandelt. 2:0 führen die St.Galler nun, nun sollte nichts mehr schiefgehen.

Es kommt noch besser! Jordi Quintillà versenkt in der 76.Minute einen Freistoss unhaltbar im Basler Tor – das Spiel ist gelaufen, Basel geschlagen und bedient. Die St.Galler haben keine Probleme, den Sieg nach Hause zu bringen, auch wenn Basel durch Cabral in der Nachspielzeit noch der Ehrentreffer gelingt.

Debütant Junior Adamu im Zweikampf mit Timm Klose, rechts Jasper van der Werff.

Debütant Junior Adamu im Zweikampf mit Timm Klose, rechts Jasper van der Werff.

Bild: Michel Canonica

Der Beste

Das ganze St.Galler Kollektiv: Wie die Ostschweizer über die gesamte Spieldauer die Ruhe und mehrheitlich auch die Ordnung bewahren, ist Sonderklasse. Sie lassen sie auch nicht davon beirren, als die Gäste nach der Pause kurzzeitig eine gute Phase haben.

Der Schlechteste

Dieses Urteil verdient an diesem kalten Samstagabend kein St.Galler.

Die Spielernoten

Lawrence Ati Zigi: 4. Zigi ist unterbeschäftigt, nur zwei Schüsse kommen auf sein Tor.
16 Bilder
Alessandro Kräuchi: Note 4,5. Die jüngsten Pausen haben ihm gutgetan. Wirblige erste Halbzeit mit gefährlichen Vorstössen.
Leonidas Stergiou: Note 5. Gefälliger Auftritt. Steht beim Gegentor nicht nahe genug bei Cabral – aber das kann man dem Talent nicht wirklich ankreiden.
Betim Fazliji: Note 5,5. Stark, umsichtig, abgeklärt. Bildet in der Innenverteidigung mit Stergiou ein kongeniales Duo.
Boubacar Traore: Note 4,5. Er hat etwas. Agiert engagiert, zeigt Offensivdrang. Defensiv bisweilen etwas leichtsinnig – er ist ja kein gelernter Verteidiger.
Lukas Görtler: Note 5,5. Top bis zur Auswechslung. Verspürt seit Mittwoch ein Ziehen im Oberschenkel. Die medizinische Abteilung macht Görtler fit – und er mit einem Kraftakt das 1:0.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Sein Freistosstor ist eines mit Ansage, kam diesem zuletzt näher. Könnte noch mehr bewirken.
Thody Élie Youan: Note 4,5. Rutscht für den angeschlagenen Ruiz in die Startformation. Beherzt, läuft viel, Pass zum 1:0, verzettelt sich aber noch zu oft.
Basil Stillhart: Note 4,5. Beim Sirnacher stimmt der Einsatz immer. Hatte aber schon mehr Einfluss aufs Geschehen.
Kwadwo Duah: Note 4,5. Eher unauffällig, muss mehr aus den Chancen machen. Versenkt via Pfosten den Penalty zum 2:0.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 4,5. Wirkt beim einstündigen Debüt robust, hat Szenen und eine gewisse Wasserverdrängung.
Tim Staubli: Note 4,5. Kommt früh (49.) für Görtler rein, fügt sich sogleich nahtlos ein.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Erhält eine Verschnaufpause, holt danach mit einem Sololauf den Penalty zum 2:0 heraus.
Euclides Cabral, Note: -. Kommt spät (84.) für Youan. Hat noch eine gute Möglichkeit.
Musah Nuhu: Note -. Hereinnahme für Stillhart (84.).
Boris Babic: Note -. Für Duah (84.) eingewechselt.

Lawrence Ati Zigi: 4. Zigi ist unterbeschäftigt, nur zwei Schüsse kommen auf sein Tor.

Der Schiedsrichter

Sandro Schärer leitet die Partie, er war der Videoschiedsrichter bei diesem sagenumwobenen 3:3 des FC St.Gallen gegen die Young Boys vor einem Jahr. Auch sonst ist dieser Unparteiische schon mit Pfiffen aufgefallen, die nicht unbedingt für die Ostschweizer ausfielen. Es ist kein Geheimnis, dass Trainer Peter Zeidler nicht unbedingt e in grosser Fan von Schärer ist. In der zweiten Halbzeit wechselt der Spielleiter –Schärer fühlt sich offenbar unwohl –, und der vierte Offizielle David Huwiler pfeift die Partie zu Ende.

Aufgefallen I: Die Absenzen bei Basel

Beim FC Basel fehlt mehr als eine ganze Mannschaft, und damit die Liste gefühlt nicht so lang wird, nennen wir die Abwesenden nur beim Nachnamen: Cömert, Frei (beide gesperrt), Widmer, Abrashi, Marchand, van Wolfswinkel, Pululu, Stocker, von Moos, Stevanovic, Petretta, T. Xhaka, Isufi, Padula, Sène und Jorge (alle verletzt oder krank). Trotzdem kann der angezählte Trainer Ciriaco Sforza noch immer ein schlagkräftiges Team auf den Kybunpark-Rasen schicken.

Aufgefalllen II: Die Wechsel bei St.Gallen

Beim FC St.Gallen ist Victor Ruiz angeschlagen, er muss gegen Basel wegen muskulärer Probleme passen. Dafür kommt Junior Adamu zu seinem Debüt im Dress der Grünweissen. Ebenfalls werden im Vergleich zur 1:2-Niederlage im Ländle Musah Nuhu, Jérémy Guillemenot und Boris Babic durch Alessandro Kräuchi, Lukas Görtler und Thody Élie Youan ersetzt. Auf Seite des FC Basel kommt erstmals der als grosses Talent angepriesene Matias Palacios zum Einsatz.

Aufgefallen III: Die Fans der Ostschweizer

Feuerwerk über dem Kybunpark.

Feuerwerk über dem Kybunpark.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Die Fans unterstützen ihren FC St.Gallen bei Spielbeginn mit einem wunderbaren Feuerwerk ausserhalb des Kybunpark. Das gab es schon vor der Partie in Vaduz – ein keineswegs störendes, vielmehr willkommenes Ausrufzeichen, dass man trotz Coronazeiten und leeren Rängen weiterhin auf den eigenen Anhang zählen kann.

22 Bilder

Bild: Michel Canonica

Die Reaktionen

Basel-Trainer Ciriaco Sforza: «Gratulation dem FC St.Gallen. Wir haben sehr gut begonnen, hielten dagegen. Wir wussten, dass St.Gallen eine starke Mannschaft hat. Ich bleibe zuversichtlich, dass mein junges Team sein Potenzial in Zukunft ausschöpft.»

St.Gallen-Trainer Peter Zeidler: «Wir freuen uns riesig, das wird ein schöner Sonntag. Zu Beginn mussten wir einige heikle Situationen überstehen. Dank Lukas Görtler haben wir dann mit einem Kraftakt das 1:0 erzielt, nach seiner Herausnahme kam aber schon ein Bruch. Mit der Hereinnahme von Jérémy Guillemenot konnten wir schliesslich nochmals zulegen und brachten den Sieg sicher nach Hause.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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