Der FC St.Gallen bezwingt Sion mit 1:0 – Trainer Zeidler blickt nach dem geglückten Saisonstart bereits aufs nächste Spiel: «Jetzt haben wir nur noch Europa im Kopf»

Der FC St.Gallen gewinnt sein erstes Saisonspiel gegen Sion mit 1:0. Nach einem etwas harzigen Start drehen die Espen in der zweiten Halbzeit auf und zeigen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt.

Stephanie Martina
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Der Saisonauftakt ist gelungen – jetzt stürzt sich Peter Zeidler mit seinem Team ins Europa-Abenteuer.

Der Saisonauftakt ist gelungen – jetzt stürzt sich Peter Zeidler mit seinem Team ins Europa-Abenteuer.

Die Spielwertung

Nach einer mässigen ersten Halbzeit mit einem glücklichen St.Galler Führungstreffer drehen die Espen in der zweiten Hälfte auf und gewinnen verdient. An die packenden Spiele der vergangenen Saison kann diese Partie zwar nicht nahtlos anknüpfen, aber was der FCSG nach der Pause zeigt, kann als vielversprechender Saisonstart bezeichnet werden. Und noch etwas Gutes hat dieses Spiel gegen Sion: Mit dem VAR dürfte sich so mancher Fan ein bisschen versöhnt haben. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 1:0, 38. Minute, Betim Fazliji: Nach einem Freistoss von Quintillà herrscht im Sittener Strafraum ein grosses Durcheinander. Ein Abpraller landet bei Fazliji, der den Ball mit dem Kopf über die Linie bugsiert. Zuerst zählt der Treffer wegen eines angeblichen Abseits nicht, doch der VAR analysiert die Aktion und entscheidet: 1:0 für den FCSG.

Die Spielanalyse

So viel vorweg: In der ersten Halbzeit ist vor allem der Medizin-Staff gefordert. Es sind keine acht Minuten gespielt und schon hat Schiedsrichter Adrien Jaccottet die Partie drei Mal unterbrechen müssen, um die Teamärzte auf den Platz zu winken. In der vierten Minute liegt Jérémy Guillemenot am Boden. Der St.Galler Stürmer wird vor dem gegnerischen Tor gefoult und hält sich den Kopf. Zum Glück kann Guillemenot nach kurzer Pflege weiterspielen – nicht so der Sittener Arian Kabashi. In einem Zweikampf trifft ihn Guillemenot mit voller Wucht am Fuss. Kabashi wird mit der Bahre vom Platz getragen, für ihn kommt Jared Khasa.

Für Arian Kabashi ist die Partie nach wenigen Minuten zu Ende.

Für Arian Kabashi ist die Partie nach wenigen Minuten zu Ende.

Bild: Michel Canonica

St.Gallen spielt vielversprechend, aber so richtig rund läuft es für die Espen noch nicht. Zu viele Zweikämpfe gehen verloren, zu viele Zuspiele finden den Mitspieler nicht. Die erste hochkarätige Chance gehört denn auch den Gästen, ebenso die zweite.

In der 19. Minute geht ein Raunen durchs Stadion: Jordi Quintillà, St.Gallens neuer Captain, schlenzt einen Freistoss nur knapp am Tor vorbei. Als es das nächste Mal laut wird im Kybunpark steht Lawrence Ati Zigi im Fokus des Geschehens: Bei einem Angriff der Walliser wagt sich St.Gallens Hintermann aus dem Strafraum und kassiert für das Foul an Gaëtan Karlen gelb. Sowohl Zigi als auch Karlen müssen gepflegt werden – einmal mehr kommt der medizinische Mitarbeiter zum Einsatz. Der anschliessende Sittener Freistoss verfehlt sein Ziel.

In der 38 Minute geht der FCSG – eigentlich entgegen dem bisherigen Spielverlauf – in Führung. Nach einem Freistoss von Quintillà bricht im Strafraum der Walliser das Chaos aus, sodass sogar Schiedsrichter und Linienrichter für einen Moment den Überblick verlieren. Als der Ball plötzlich im Tor liegt, pfeift Jaccottet zunächst ein Abseits, das Tor zählt nicht. Der VAR kommt zum Einsatz, überprüft die Aktion und kommt zum Schluss: Der Treffer zählt. Wegen der vielen verletzungsbedingten Unterbrüche in der ersten Halbzeit lässt Jaccottet 7 Minuten nachspielen.

Betim Fazliji (Mitte) erzielt den Führungstreffer für den FCSG.

Betim Fazliji (Mitte) erzielt den Führungstreffer für den FCSG.

Bild: Michel Canonica

Kurz nach dem Wiederanpfiff kommt der soeben eingewechselte Neuzugang Florian Kamberi (für Kwadwo Duah ist der Arbeitstag beendet) zu seiner ersten Torchance für die St.Galler. In der Folge kommen die Espen vermehrt zu Torchancen und bestimmen das Spiel. Bei einem dieser – häufig über rechts vorgetragenen Angriffe – wird Basil Stillhart gefoult. Schiedsrichter Jaccottet zückt direkt die Rote Karte und stellt Ayoub Abdellaoui vom Platz. Den Freistoss tritt der ebenfalls nach der Pause eingewechselte Victor Ruiz (für Ribeiro). Sein Schuss trifft jedoch nur den Pfosten.

Inzwischen spielen nur noch die St.Galler. Die 70. Minute ist angebrochen und das 2:0 wäre eigentlich überfällig. Die Espen drücken aufs gegnerische Tor, bringen den Ball aber nicht über die Linie. Eine der besten Chancen gehört Lukas Görtler: Sein Schuss verfehlt das Tor nur knapp. Auch wenn der FC Sion in der Nachspielzeit noch zu zwei hochkarätigen Chancen kam, ist klar: Auf dem Fussball, den die St.Galler in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, können sie aufbauen. Die nächste Bewährungsprobe steht am Donnerstag an: In der Europa League trifft Zeidlers Team auf den AEK Athen.

Die Schlussminuten werden für Trainer Peter Zeidler zur Nervenprobe.

Die Schlussminuten werden für Trainer Peter Zeidler zur Nervenprobe.

Bild: Michel Canonica

Der Beste

Jordi Quintilla.

Jordi Quintilla.

Bild: Michel Canonica

Betim Fazliji. Was er nach seinem Bänderriss zeigt, ist stark. Defensiv praktisch fehlerfrei, sehr viel Übersicht und Präzision im Offensivspiel. Eine gute Partie zeigen auch seine jungen Verteidigerkollegen. Und Jordi Quintillà, der mit seinen Freistössen wieder brandgefährlich ist.

Lawrence Ati Zigi: Note 4.5. Hält, was er halten muss. Kurzes Zögern vor dem Herauslaufen bringt ihn nach 26 Minuten in eine heikle Situation.
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Leonidas Stergiou: Note 5. Ein sehr sicherer Wert in der Defensive – wenn auch nach vorne etwas unauffälliger als Fazliji.
Basil Stillhart: Note 4. Ist noch nicht wie gewünscht im Spiel, die guten Ansätze sind aber deutlich zu sehen.
Florian Kamberi: Note 3.5. Ein scharfer Abschluss ist die einzige Ausbeute. Wird von den Verteidigern oft abgelaufen.
Jordi Quintillà: Note 5. Starke Freistösse, gute Übersicht. Einzig die überraschenden Pässe in die Spitze sind für einmal eher selten.
Jérémy Guillemenot: Note 4.5. Laufstark, bringt Bewegung in die Offensive. Meist aber zu einfach vom Ball zu trennen.
Victor Ruiz: Note 4.5. Kommt nach der Pause, fügt sich schnell ein mit seinen Tugenden: Laufarbeit, Offensivdrang und einem starken Freistoss.
André Ribeiro: Note 4. Hat einige gute Aktionen, kann das Spiel hinter der Spitze aber noch zu wenig prägen.
Lukas Görtler: Note 4.5. Wie immer ein Kämpferherz mit Vorwärtsdrang, sucht die Abstimmung mit Kräuchi noch.
Thody Élie Youan: Note 3.5. Kann sich in seinem gut 20-minütigen Einsatz noch nicht in Szene setzen.
Miro Muheim: Note 4.5. Technisch stark wie gehabt, mit viel Zug nach vorne. Die Schussversuche misslingen hingegen.
Betim Fazliji: Note 5.5. Der Torschütze ist defensiv stabil und vor allem: sehr präzis im Offensivspiel. Stark, nach mehrwöchiger Verletzungspause.
Kwadwo Duah: Note 4. Temporeich und lauffreudig, Pässe und Ableger aber oft unpräzis. Macht in der Pause für Florian Kamberi Platz.
Tim Staubli: Keine Note. Nur gut zehn Minuten im Einsatz. Zu wenig für eine Bewertung.
Alessandro Kräuchi: Note 4.5. Zeigt auf als Aussenverteidiger ein selbstbewusstes Spiel – defensiv zwei drei Mal in Nöten.

Lawrence Ati Zigi: Note 4.5. Hält, was er halten muss. Kurzes Zögern vor dem Herauslaufen bringt ihn nach 26 Minuten in eine heikle Situation.

Der Schlechteste

Keiner fällt gänzlich durch. Basil Stillhart, Kwadwo Duah und Florian Kamberi gelingt bei ihren Meisterschaftsdebüts für St. Gallen aber noch nicht allzu viel.

Aufgefallen

In der ersten Halbzeit, als vor allem Sion zu Torchancen kam, wird wohl so manch ein FCSG-Fan an die einstige Offensivkraft der Espen gedacht haben. An Ermedin Demirovic und Cedric Itten. Es sind Abgänge, die Lücken hinterlassen haben. Obwohl: Ganz weg ist zumindest Itten nicht. Im Werbefilm für Kybun-Schuhe, der vor dem Spiel über die beiden grossen Monitore flimmert, erzählt der Stürmer im St.Galler Dress, wie er mit Hilfe von Kybun seine Knieverletzung auskurierte.

Die Fans

Zur grün-weissen Vollmontur gehört neu auch eine FCSG-Stoffmaske.

Zur grün-weissen Vollmontur gehört neu auch eine FCSG-Stoffmaske.

Bild: Michel Canonica

Neue Saison, neue Regeln: Erstmals gilt im ganzen Stadion eine Maskenpflicht. Ausserdem darf nur auf dem persönlichen Sitzplatz gegessen und getrunken werden. Beide Neuerungen sind Bestandteil des Schutzkonzepts «Covid-19» der Swiss Football League, das für die Saison 2020/21 gilt. Lesen Sie unter diesem Link (abo+-Text), was die Fans zur Maskenpflicht sagen.

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SRF-Experte Andy Egli.
Michel Canonica / TAGBLATT

Die Reaktionen

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Sion hat uns in der ersten Halbzeit Probleme bereitet. Wir waren gefährlich bei Standards und haben so auch den Führungstreffer erzielen können. In der zweiten Halbzeit hätten wir mehrere Chancen gehabt, das erlösende 2:0 zu erzielen. Aber Elf gegen Zehn ist immer schwierig. Wir hätten besser und cleverer spielen müssen. Wenn man das 2:0 nicht macht, muss man halt in den letzten Minuten zittern. Wir freuen uns riesig, dass wir den Sieg über die Zeit gebracht haben und über die drei Punkte. Jetzt heisst es: Noch vier Mal schlafen, dann spielen wir in der Europa League. Jetzt haben wir nur noch Europa im Kopf.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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