Die Young Boys besiegen den FC St.Gallen, doch das Resultat wird zur Nebensache – wechselt Cedric Itten nach Schottland?

Der FC St.Gallen verliert das letzte Spiel dieser verrückten Coronasaison im Wankdorf gegen die Young Boys mit 1:3. Die Berner stellen vor allem in der ersten Halbzeit unter Beweis, dass sie der verdiente Titelträger sind. Cedric Itten gehört St.Gallens Aufgebot nicht an. Der 23-jährige Basler dürfte auf dem Absprung sein. Wechselt er zu den Glasgow Rangers?

Patricia Loher und Christian Brägger
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Silvan Hefti (rechts) gegen den Berner Ulisses Garcia.

Silvan Hefti (rechts) gegen den Berner Ulisses Garcia.

Urs Lindt/Freshfocus

Die Tore

  • 1:0, 14. Minute, Jean-Pierre Nsame: Der beste Torschütze der Super League legt den Ball am herausgeeilten St.Galler Torhüter Lawrence Ati Zigi vorbei und erzielt die Führung. Für Nsame ist es das 31. Saisontor.
  • 2:0, 22. Minute, Jean-Pierre Nsame: Nach dem Führungstor lässt der Kameruner erneut seine ganze Klasse aufblitzen. Nach einer Flanke von Saidy Janko von rechts verwertet Nsame blitzsauber per Dropkick.
  • 2:1, 39. Minute, Jérémy Guillemenot: Nach einem Zuspiel von Miro Muheim fasst sich Guillemenot ein Herz und erzielt mit einem Traumtreffer aus halblinker Position und 25 Metern das Anschlusstor.
  • 3:1, 86. Minute, Nicolas Moumi Ngamaleu: St.Gallen rennt an, will ausgleichen und wird von den Young Boys und Ngamaleu gnadenlos ausgekontert.

Die Spielanalyse

St.Gallens Aufstellung für das letzte Spiel der Saison bei Meister Young Boys ist auf einer Position eine Überraschung. Stürmer Cedric Itten, dem am Freitag beim 6:0 gegen Xamax ein Hattrick gelang, gehört nicht einmal dem Aufgebot an.

Das befeuert die Gerüchte um einen allfälligen Abgang des besten St.Galler Torschützen, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft. St.Gallens Verantwortliche halten sich tunlichst zurück und verweisen darauf, dass Itten im Stadion anwesend sei.

Cedric Itten dürfte St.Gallen verlassen.

Cedric Itten dürfte St.Gallen verlassen.

Alexandra Wey/Keystone

Im Verlauf des Abends sickert durch, dass Itten womöglich zu den Glasgow Rangers wechselt und damit zum früheren Liverpool-Spieler Steven Gerrard, der die Schotten trainiert. Itten ist in dieser Saison mit 19 Toren St.Gallens bester Torschütze.

St.Gallen könnte schon einen Ersatz für Itten gefunden haben. Offenbar sind die Ostschweizer am früheren GC-Spieler Florian Kamberi interessiert. Der 25-jährige albanische Internationale gehört Hibernian Edinburgh und spielte die Rückrunde auf Leihbasis bei den Glasgow Rangers.

Nsame einmal mehr überragend

Für Itten spielt in Bern André Ribeiro. Die Young Boys, die sich am Freitag den dritten Meistertitel in Folge gesichert und am Donnerstag gegen Luzern den Cup-Viertelfinal auszutragen haben, treten mit einer meisterwürdigen Formation an. Vor dem Spiel verabschieden die Berner ihren langjährigen Torhüter Marco Wölfli.

Die Partie zwischen dem besten Heimteam und dem besten Auswärtsteam dieser Saison beginnt zerfahren. Die Mannschaften liefern sich ein ausgeglichenes Spiel, der erste Torabschluss geht auf das Konto von St.Gallens Lukas Görtler. In der elften Minute vergibt der freistehende André Ribeiro nach einem schönen Zuspiel von Ermedin Demirovic die zu jenem Zeitpunkt beste Chance.

Jean-Pierre Nsame (rechts) trifft an Leonidas Stergiou und Goalie Lawrence Ati Zigi vorbei zum Führungstor für die Young Boys.

Jean-Pierre Nsame (rechts) trifft an Leonidas Stergiou und Goalie Lawrence Ati Zigi vorbei zum Führungstor für die Young Boys.

Urs Lindt/Freshfocus

Ab der 15. Minute aber zeigt sich, weshalb die Young Boys ein verdienter Meister sind. Die Berner sind offensiv eine Wucht und St.Gallen körperlich überlegen. Nach einer Viertelstunde sind Leonidas Stergiou und Betim Fazliji sowie Goalie Lawrence Ati Zigi nicht gefasst auf einen langen Ball von Gianluca Gaudino, Topskorer Jean-Pierre Nsame enteilt und erzielt das Führungstor.

In der 22. Minute erhöht Nsame auf 2:0. St.Gallen versucht, den Bernern die Stirn zu bieten. Mit den überfallartigen Angriffen der Young Boys tun sich die Gäste aber immer wieder schwer. Die Festivitäten vom Freitag scheinen beim Meister keine Spuren hinterlassen zu haben. Er wirkt frisch, angriffslustig und spielfreudig. Die beiden Teams schenken sich nichts, die Partie bietet gute Unterhaltung.

Die grosse Chance für Ribeiro

Der FC St.Gallen tut sich aber schwer, zu Möglichkeiten zu kommen. Die Young Boys haben die Angreifer der Gäste gut im Griff. Trotzdem gelingt den Ostschweizern in der 39. Minute durch einen wunderbaren Treffer von Jérémy Guillemenot das Anschlusstor. Kurz vor der Pause verpasst St.Gallen die Chance auf das 2:2. Ribeiro taucht nach wunderbarer Vorarbeit von Demirovic alleine vor Wölfli auf, setzt den Ball aber über das Tor. St.Gallen hatte sich nach Schwierigkeiten zu Beginn gesteigert.

St.Gallens Andre Ribeiro nach einer verpassten Grosschance.

St.Gallens Andre Ribeiro nach einer verpassten Grosschance.

Peter Klaunzer/Keystone

Nach der Pause checkt der VAR eine Aktion von St.Gallens Zigi, sieht aber, dass diese nicht penaltywürdig war. Wenig später verpasst Vincent Sierro eine gute Möglichkeit für die Young Boys. St.Gallen versucht nun, die Wirkungskreise der offensiv starken Berner einzuschränken. Doch im Spielaufbau unterlaufen der Mannschaft von Trainer Peter Zeidler an diesem Abend viel zu viele Fehlzuspiele, um den Gegner unter Druck zu setzen.

St.Gallen investiert noch einmal viel

Im letzten Spiel dieser kräfteraubenden, aber doch auch starken Coronasaison übernimmt St.Gallen im Verlauf der zweiten Halbzeit das Diktat, erspielt sich aber trotzdem keine zwingenden Chancen. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane steht defensiv zu sicher. Erst ab der 70. Minute nähert sich St.Gallen mehr und mehr dem Tor des Gegners an. Es ist den Ostschweizern zu Gute zu halten, dass sie nicht aufstecken um diese so starke Saison wenigstens mit einem Unentschieden abzuschliessen. Sie investieren noch einmal viel, sind mit den Young Boys auf Augenhöhe, laufen aber kurz vor Schluss in einen Konter, den Nicolas Moumi Ngamaleu mit dem 1:3 abschliesst.

Der Beste

Jérémy Guillemenot. Der Genfer trifft in der 39. Minute zum 1:2. Es ist ein Tor der Marke Sonderklasse. Schon am Freitag gegen Xamax war Guillemenot zweifacher Torschütze.

Die Schlechtesten

Die beiden Spanier Jordi Quintillà und Victor Ruiz unternehmen zwar alles, um St.Gallens Spiel anzukurbeln. Aber sie tun sich schwer mit den körperlich überlegenen Gegenspielern und können sich nur selten durchsetzen.

Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame mit dem Meisterpokal.

Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame mit dem Meisterpokal.

Claudio De Capitani/Freshfocus

Die Festivitäten

Während sich die Young Boys im Stadion von den wenigen Zuschauern feiern lassen und den Pokal über das Feld tragen, geht auch in der Kabine des FC St.Gallen trotz der Niederlage die Post ab. Über Instagram lassen die Spieler die Anhänger an ihrer Party teilhaben. Zu sehen ist, wie sie tanzen und ein T-Shirt zur Schau tragen, auf dem steht: «Espen on Tour Europa». Dank des zweiten Ranges bestreiten die Ostschweizer am 24. September die dritte Runde in der Europa-League-Qualifikation. Der Gegner wird am 1. September ausgelost.

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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