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Kolumne

Gegentribüne: Wenn beim FC St.Gallen der Motor überdreht

18 Gegentore hat der FC St.Gallen bisher erhalten. Acht Klubs der Liga haben zwischen 16 und 22 Treffer kassiert. Dennoch sieht Trainer Peter Zeidler Steigerungspotenzial in der Defensive – zu Recht.
Fredi Kurth
Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Tempo Teufel. Das war wieder einmal ein Startfurioso, das der FC St.Gallen am Samstag auf den Kybunpark-Rasen legte. Das Heimteam drückte, Basel konterte. St.Gallen gewann im Anfangspressing viele Zweikämpfe. Doch am Ende ging nur die Rechnung von Basels Trainer Marcel Koller auf. Von den vier bisherigen Niederlagen der St.Galler war es die klarste bei einem Chancenverhältnis von 6:13 (3:8).

Lothar Späth: «Der Schnellere gewinnt»

Bei der Ursachenforschung kam mir eine eindrückliche Rede von Lothar Späth, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in den Sinn. Der Politiker zeichnete Mitte der 1990-er Jahre ein Bild der Zukunft, wie sie mit der zu erwartenden Digitalisierung aussehen würde. «Nicht mehr der Bessere wird gewinnen, sondern der Schnellere», prophezeite Späth. Wie wahr. Er bezog dies auf den wirtschaftlichen Wettbewerb, doch auch der Fussball entwickelte sich in dieselbe Richtung. Wer fortan schneller am Ball war, schneller sprintete, schneller dachte, hatte immer mehr Vorteile gegenüber jenem Spieler, der alle Tricks beherrschte, aber sonst immer etwas zu spät kam.

Fehlerhafte Handwerker und Fussballer

Peter Zeidler versucht diese Erkenntnis auf den FC St.Gallen umzumünzen. Die meisten Spieler entwickeln denn auch enormen Speed - allen voran Dereck Kutesa. Doch so wie in der Wirtschaft alles schnell vonstatten gehen muss und Ideen ausgeführt werden, bevor sie ausgereift sind, hat auch der Tempofussball einen Nachteil. So wie Handwerker hoppedihopp ihre Arbeit ausführen, mit ihren Lieferwagen häufig jenseits des Tempolimits über die Strassen sausen und nicht selten ein zweites Mal zur Bereinigung unsorgfältiger Arbeit aufgeboten werden müssen, so leidet auch im Fussball die Präzision bei überhasteten Aktionen. Oft muss nachgefeilt werden, und manchmal, bei groben Patzern, ist der Schaden nicht mehr zu reparieren. So wie am Samstag beim dritten Tor der Basler, als Kutesa in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor.

Mehr Mut zum Direktspiel

Es stellt sich also die Frage, ob bei St.Gallen manchmal der Motor überdreht und die Mannschaft mit etwas weniger Touren agieren sollte. Ob sie mit dem Tempoforcing gleich vom Anpfiff weg nicht zu monothematisch an eine Aufgabe herangeht und der Gegner wie nun Basel und davor GC somit einfach warten muss, bis der erste Ansturm abflaut und sich ihm selber die ersten Chancen eröffnen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn gegen Basel ging St.Gallen immerhin in Führung, gegen Lugano sogar mit zwei Toren Unterschied. Auch hat Zeidlers Team die technisch begabten Akteure, die für rasches Passspiel geeignet sind. Aber eine gewisse Leichtigkeit und Unverfrorenheit scheint ein wenig verloren gegangen zu sein. Im Vergleich zum ersten Match in Basel fiel auf, dass die Spieler selber nicht immer an ihre Möglichkeiten glauben, sich zwar beeilen, aber oft noch den Ball annehmen, statt ihn direkt weiterzuleiten, zum Beispiel auf die diesmal besser besetzten Aussenpositionen.

Remis, nein danke!

Doch natürlich hatte Basel die Lektion aus der Startrunde begriffen, war in der Abwehr wesentlich besser sortiert als in den Partien vor Marcel Kollers Engagement. St.Gallen wollte den Sieg, statt das Unentschieden zu akzeptieren. Das war auch richtig in einer Phase, da es die taktische Balance hielt, stärker war als Basel und Kutesa eine grosse Chance vergab. Aber ein Remis gegen diesen so soliden und qualitativ immer noch beachtlichen Gegner wäre am Ende ein gutes Ergebnis gewesen.

Mehr Auswärtsspiele – ein Vorteil?

Nun sind es noch neun Spiele bis zur Winterpause, den Cupmatch gegen Sion inbegriffen. Fünfmal tritt St.Gallen in der Super League auswärts an, nur viermal daheim. Man ist geneigt zu sagen, dass es sich hier um einen Vorteil handelt. Erst einmal, bei YB, hat St.Gallen auf fremdem Terrain verloren, daheim schon dreimal. Um auf allen Plätzen verbessertes Spiel zu zeigen, hat Peter Zeidler angekündigt, der Defensivarbeit wieder vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken – wohl im Wissen, dass ein Gegner, der kontert, in der Regel die besseren Chancen erarbeitet, weil er mehr Raum hat als eine stets anrennende Mannschaft gegen eine vielbeinige Abwehr.

«Es geht darum, offensiv und aktiv zu verteidigen. Das ist eine Kunst. Wir müssen lernen, den Gegner von unserem Strafraum fernzuhalten», sagte Trainer Zeidler diesen Montag im «Tagblatt». Sein Landsmann Lothar Späth hätte es so oder ähnlich vielleicht auch formuliert.

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