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«Nicht jammern, vielmehr müssen wir jetzt das Beste daraus machen»: FCSG bleibt in der Schweiz und testet Juve-Spieler

Die Ostschweizer disponieren wie die Konkurrenz um und sagen das Trainingslager ab. Und testen den 21-jährigen Christopher Lungoyi.

Christian Brägger
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Nun also auch der FC St.Gallen: Mehrere Super-League-Teams mussten ihre Trainingslager im Ausland absagen.

Nun also auch der FC St.Gallen: Mehrere Super-League-Teams mussten ihre Trainingslager im Ausland absagen.

Claudio Thoma / freshfocus

Frühling, Sonne, Meeresnähe, ein Rasen wie ein Teppich, ein Fünfsternekomplex mit lauter Annehmlichkeiten – optimale Bedingungen, eine Einheit zu werden und in Bestform zu finden. Der geplante Tapetenwechsel nach Algorfa, an die wundervolle Costa Blanca zwei Stunden unterhalb von Valencia, wäre dem FC St.Gallen ein willkommener Sauerstoffspender gewesen für den Abstiegskampf. Gerade jetzt, wo der Winter hierzulande erneut Stellung bezieht.

Doch nun hat das Herz der Vernunft den Vortritt gelassen, und diese den Omikron-Viren. Heisst: Der FC St.Gallen fliegt am Sonntag nicht von Zürich aus ins neuntägige Trainingslager, er wird sich für die Rückrunde nun ausschliesslich in der Heimat vorbereiten, im Osten der Schweiz. Sportchef Alain Sutter sagt: «Die Coronasituation lässt uns keine andere Wahl, als das Trainingslager abzusagen.»

Die Mannschaft war in die Entscheidungsfindung involviert und die Klubleitung von ihrer Absage überzeugt; das Gefühl bei den explodierenden Fallzahlen wäre ein zu schlechtes gewesen. So sagt auch Präsident Matthias Hüppi, die aktuelle Entwicklung und die wachsende Unsicherheit hätten den Gedanken immer stärker werden lassen, dass es keinen Sinn mache.

Der FC St.Gallen befindet sich in illustrer Gesellschaft, ihm entwächst kein Nachteil zur Konkurrenz. Zumal Basel, die Young Boys, Lugano, Servette, GC, Sion, Lausanne wie Luzern ihre Reisen in wärmere Gefilde ebenfalls abgesagt haben. «Der Entscheid der anderen Teams hatte keinen Einfluss. Ob er dann ein guter oder schlechter war, kann man ohnehin nur selten eruieren», sagt Hüppi.

Statt Kiew und Cluj nun Wil, Altach und Winterthur

Es ist das Los der Fussballvereine, allgemein des Sports, ja vielmehr der Gesellschaft: Man muss seit zwei Jahren in diesen Pandemiezeiten flexibel bleiben. Diese Flexibilität wäre womöglich an der Costa Blanca gefragt gewesen, wenn nur schon einer der drei renommierten Testspielgegner des FC St.Gallen, Dinamo Kiew, Cluj oder Ferencvaros Budapest, plötzlich unpässlich gewesen wäre. Oder wenn ein St.Galler Akteur in Spanien hätte isoliert werden müssen und am 18.Januar die Heimreise verpasst hätte. Hüppi sagt:

«Gerade wir sind auf viele und gute Testpartien angewiesen, wir brauchen sie. Und schon gar nicht lassen wir einen Spieler in Spanien zurück.»

So weit wird es nun nicht kommen. Vielmehr haben die Ostschweizer bereits reagiert und freundschaftsspielmässig ein Alternativprogramm ausgearbeitet, gemäss Hüppi gegen lauter ambitionierte Widersacher: Winterthur, Altach, Schaffhausen und Wil – eine kleine «Tour de Région». Wobei einzig die Partie gegen Schaffhausen bereits auf den 23.Januar fixiert ist. Im Normalfall teste man im Winter – im Gegensatz zum Sommer – nicht gegen direkte Konkurrenten, sagt der Präsident. Zudem: Die vier Partien finden auf Kunstrasen statt, weil mit Lausanne in der Super League und mit Étoile Carouge im Cup zum Auftakt des Rückrundenprogramms zwei der drei Begegnungen auf dem künstlichen Grün ausgetragen werden.

Die Frage der Kosten

Bleiben also noch die Fragen nach den Kosten; für dieses Trainingslager kalkulierte der FC St.Gallen mit 100'000 bis 120'000 Franken. Der Travelclub ist sein Reisepartner, beim Abschluss des Vertrags für den Aufenthalt in Spanien liessen sich die Ostschweizer bei ihm die Sicherheit einbauen, wonach sie für die geleisteten Arbeitsstunden aufkommen müssen, nicht aber für die ausgefallenen Hotel- und Platzkosten vor Ort. Zusätzlich dürfte der FC St.Gallen also nur noch die Storno­gebühren für die Hin- und Rückflüge bezahlen, falls überhaupt.

Hüppi sagt: «Zwar sind bei uns im Kybunpark und Gründenmoos ja alle Teambildungsmassnahmen weggefallen aus den bekannten Gründen. Aber wir haben eine tolle Infrastruktur. Wir wollen also nicht jammern, vielmehr müssen wir jetzt das Beste daraus machen.» Vermutlich spielt da schon hinein, dass die St.Galler den nächsten Akteur testen: Christopher Lungoyi sein Name, 21 Jahre sein Alter. Bis 2025 gehört das Offensivtalent Juventus, zuletzt war es an Lugano verliehen und kam dort zu 53 Einsätzen. Sein Fabel-Marktwert betrug einst knapp drei Millionen Euro; dieser ist wohl den derzeit untersuchten Bilanzbeschönigungen geschuldet, dem «window dressing».

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