«Das Tor ist gut für den Kopf und für mein Vertrauen»: FCSG-Stürmer Boris Babic über seinen ersten Treffer nach 350 Tagen

Mit seinem Treffer gegen Lausanne haucht Boris Babic dem FC St.Gallen neues Leben ein. Es gab da 350 Tage später wieder so ein Gefühl.

Christian Brägger
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Boris Babic weckt mit seinem Anschlusstor gegen Lausanne seine Mitspieler.

Boris Babic weckt mit seinem Anschlusstor gegen Lausanne seine Mitspieler.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Das Anschlusstor gegen Lausanne aus 20 Metern ist unhaltbar, passend zum Wochentag: Ein Sonntagsschuss. Boris Babic lässt sich nicht gross feiern – der Schütze rennt schnurstracks auf den Lausanne-Goalie Diaw zu, will ihm den Ball entreissen. Es soll bloss keine kostbare Zeit verloren gehen und signalisieren:

«Kommt, wir holen das noch auf!»

In der 88. Minute schafft St.Gallen den Ausgleich.

350 Tage hat Boris Babic auf diesen Treffer warten müssen. Hinter ihm liegt eine schwierige Phase der Karriere, aber nicht die schwierigste. Diese hat das Talent aus Walenstadt längst mit Vaduz und Biel erlebt. Doch eine harte Prüfung ist es schon, als Babic sich am 16. Februar und damit früh in diesem Jahr im Spiel gegen Luzern das vordere Kreuzband reisst.

Ausgerechnet in seiner bis dahin besten Saison. Er ist nicht niedergeschlagen, denkt sich, das Leben, das ihn so viel gelehrt hat, gehe weiter. Es folgen Operation und Reha-Monate, die dann doch mit Aufs und Abs verbunden sind. Der 23-Jährige sagt: «Da kamen diese Gedanken: Wieder Krafttraining, wieder aufs Velo, wieder Ausdauer, wozu das Ganze, wieso dauert das so lange?»

Sportchef Sutter redet Babic gut zu – Cedric Itten als Vorbild

Babic empfindet bald alles weniger schlimm, weil die Saison wegen Corona «komisch und ohne Zuschauer» endet. Er selbst erkrankt ebenfalls. Auch redet Sportchef Alain Sutter ihm oft und gut zu, zudem schenkt der Klub mit einem Vertrag bis 2023 Vertrauen wie Sicherheit. Babic selbst nimmt sich Mitspieler Cedric Itten als Vorbild, der nach einem Kreuzbandriss noch stärker zurückgekehrt ist, und sagt:

«Ich kann behaupten, dass ich heute mental robuster bin. Das spüre ich nur schon, wie ich reagiere, wenn der Trainer mich nicht von Beginn an aufstellt.»

Zudem optimiert Babic die Ernährung – früher gilt er diesbezüglich nicht als Musterknabe–, verzichtet teils auf Kohlenhydrate, nimmt unter anderem ergänzende Nahrungsmittel, um die Sehnen zu stärken.

Babic weiss jetzt: Es steckt hinter dem Fussball viel Arbeit

Seinerzeit hat Babic gemeint, wer Fussball spielen kann, der kann einfach Fussball spielen. Heute weiss er: Es steckt viel Arbeit dahinter. Babic wohnt nun in Abtwil, und mit seinem Freund und früheren Teamgefährten Ermedin Demirovic hat er oft Kontakt. Bis Babic aber exakt jener Instinktspieler ist, den das Spontane so stark macht, dauert es.

«Ich bin fitter als je zuvor und hoffe, dass es trotz Corona langsam wieder vorwärts geht. Mit mir, mit uns, mit dem Leben, mit der Gesellschaft.»
Boris Babic und Mitspieler Kwadwo Duah: Das Duo versteht sich auf und vor allem neben dem Platz prächtig.

Boris Babic und Mitspieler Kwadwo Duah: Das Duo versteht sich auf und vor allem neben dem Platz prächtig.

Bild: Andy Müller/Freshfocus

Auch für den Stürmer geht es nun darum, seine starke Halbsaison zu bestätigen. «Das Tor ist gut für den Kopf und für mein Vertrauen», sagt Babic. Es sei gegen Lausanne in etwa so gewesen wie beim allerersten Tor für St.Gallen im August 2019. Er habe gespürt, es sei soweit. Und nun kehrt mit diesem neuerlichen Tor vorerst die Hoffnung zurück. Die Hoffnung auf mehr Punch, Variabilität und Durchschlagskraft Sturm. Noch ist Babic fussballerisch nicht der Alte. Doch das Tor war schon mal gut.

Aufklärungsbedarf
Urs Meier: «Das Führungstor von Lausanne hätte nicht zählen dürfen, Passgeber Turkes stand im Abseits. Der Videoschiedsrichter, der ja jedes Tor grundsätzlich nachkontrolliert, müsste eingreifen.» Der Schiedsrichter-Experte zum Handspiel von Kukuruzovic: «Die Distanz ist kurz, der Arm nahe am Körper, die Bewegung natürlich – also kein Penalty. Aber es fehlt der einheitliche Massstab, andere würden den Elfer pfeifen.» Zudem informierte St.Gallen wohl bewusst so spät über den positiven Coronabefund Stillharts, um Unruhe vor dem Spiel zu vermeiden. (cbr)