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Das Juwel geht verloren

Stürmer Albian Ajeti galt als Investition in die Zukunft des FC St. Gallen. Nun dürfte der Hoffnungsträger demnächst beim FC Basel unterschreiben. Wen der Serienmeister will, den bekommt er auch.
Christian Brägger
Doppelpack gegen Sion: Albian Ajetis Tore lassen St.Gallen jubeln. (Bild: Michel Canonica)

Doppelpack gegen Sion: Albian Ajetis Tore lassen St.Gallen jubeln. (Bild: Michel Canonica)

Christian Brägger

Die Anwesenheit von Bernard Challandes erscheint nun in anderem Licht. Der 65-jährige Romand arbeitet heute unter anderem als Scout für den FC Basel. Nun ist offensichtlich, was der ehemalige Zürich- und Sion-Coach am vergangenen Samstag im Kybunpark wollte: Albian Ajeti beobachten. St. Gallens Sturmjuwel soll das neuste Objekt der Begierde des FC Basel sein. Jedenfalls verbreitete sich diese Kunde unter den Fans gestern wie ein Lauffeuer. Das Interesse ist von verschiedenen Seiten inoffiziell bestätigt – nicht aber vom Spieler selber, der nichts dazu sagt. Der FC Basel strebt unter der neuen Führung um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller eine Rückbesinnung auf die Jugend und auf einheimische Kräfte an. Nicht nur im Staff, auch auf dem Rasen. Ajeti erfüllt beides, er ist Basler und erst 20-jährig. Dazu einer, der alle Juniorenstufen im Club durchlaufen und es bis in die ­erste Mannschaft geschafft hat. Die Rückholaktion stimmt daher mit den Vorgaben überein. Noch hat der FC St. Gallen keine offizielle Anfrage erhalten. Nachdem Sportchef Christian Stübi unlängst gesagt hatte, es gebe ein Angebot für einen Spieler, ist nun klar, dass nicht Ajeti gemeint war; es dürfte sich um Martin Angha handeln, der mit dem FC Zürich in Verbindung gebracht wird.

Marco Zwyssig (rechts) verliess den FC St.Gallen im Sommer 2001 in Richtung FC Tirol Innsbruck (heute FC Wacker Innsbruck) . Die Österreicher liessen sich den Innenverteidiger 220'000 Franken kosten. (Bild: Archiv STG)
David Marazzi wechselte nach dem Abstieg im Sommer 2008 zum FC Aarau. Der linke Mittelfeldspieler verbrachte zuvor 5 Saisons in der Ostschweiz. Kostenpunkt: 220'000 Franken. (Bild: Michel Canonica)
Seifedin Chabbi wurde im Sommer 2016 vom FC St.Gallen aus Lustenau geholt und bereits im Winter 2017 wieder verkauft. Seither spielt er wieder in Österreich. Sein aktueller Arbeitgeber Sturm Graz überwies 220'000 Franken in die Ostschweiz. (Bild: Benjamin Manser)
Mario Frick wechselte im Sommer 1996 vom FC St.Gallen zum FC Basel. Der damals 21-jährige Liechtensteiner kostete die Bebbis damals 220'000 Franken. 15 Jahre später kehrte Frick zurück in die Ostschweiz - mit überschaubarem Erfolg. (Bild: Ralph Ribi)
Der 19-jährige Tranquillo Barnetta verliess den FC St.Gallen im Sommer 2004 in Richtung Leverkusen. Dem Club bescherte er eine Ablösesumme von 270'000 Franken. Seit der aktuellen Rückrunde trägt das St.Galler Eigengewächs wieder grünweiss. (Bild: Archiv STG)
Michael Lang, aktueller Verteidiger des FC Basel und der Schweizer Nationalmannschaft, trug während vier Saisons das Trikot des FC St.Gallen. Nach dem Abstieg 2011 wechselte er zu den Grasshoppers. Die Ostschweizer kassierten eine Ablösesumme von 330'000 Franken. (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))
Éverton Luiz Guimarães Bilher, kurz Everton, spielte bis im Winter 2016 für den FC St.Gallen. Danach zog es ihn zu Partizan Belgrad. Der serbische Traditionsklub liess sich die Dienste des brasilianischen Mittelfeldmotors eine Ablösesumme von 380'000 Franken kosten. (Bild: Ralph Ribi)
Davide Callà sorgte im Sommer 2008 mit seinem Transfer zu GC für Unmut bei den Fans des FC St.Gallen. Als Kapitän verliess er die Espen, nachdem der Abstieg in die Challenge League feststand. Sein Wechsel spülte 440'000 Franken in die Kassen der Ostschweizer. (Bild: Sam Thomas)
Marcos Gelabert verliess den FC St.Gallen ebenfalls nach der Abstiegssaison 2007/2008. Es zog ihn zum FC Basel, der für den zentralen Mittelfeldakteur 440'000 Franken in die Ostschweiz überwies. (Bild: Ennio Leanza)
Stéphane Nater kam im Sommer 2012 von Servette Genf zum FC St.Gallen. Zwei Spielzeiten später mussten ihn die Espen wieder ziehen lassen. Er wechselte zum Club Africain Tunis in Tunesien. Ablösesumme: 440'000 Franken. (Bild: Urs Bucher)
Jörg Stiel, der Kapitän der Meistermannschaft 2000, verliess den FC St.Gallen im Sommer 2001 in Richtung Bundesliga. Borussia Mönchengladbach holte sich den damaligen Natispieler für eine Ablöse von ebenfalls 440'000 Franken. (Bild: Archiv STG)
Daniel Imhof verliess den FC St.Gallen ebenfalls in Richtung Deutschland und heuerte beim VfL Bochum unter dem St.Galler-Meistertrainer Marcel Koller an. Die Ostschweizer kassierten für den defensiven Mittelfeldspieler eine Ablösesumme von 550'000 Franken. 2010 kehrte Imhof zum FC St.Gallen zurück und beendete 2012 in grünweiss seine Karriere. (Bild: Archiv STG)
Der Argentinier Jesús Méndez trug nur während einer Saison das Trikot des FC St.Gallen und kehrte im Sommer 2008 in seine Heimat zu CA Rosario zurück. Ablösesumme: 600'000 Franken. (Bild: Michel Canonica)
Marc "Fussballgott" Zellweger verliess den FC St.Gallen im Winter 2002 für eine Ablösesumme von 655'000 Franken in Richtung Köln. Dort wurde er jedoch nie richtig glücklich und so fand er nach einem halbjährigen Intermezzo beim FC Wil wieder den Weg in die Gallusstadt, wo er bis 2010 das grünweisse Trikot des FC St.Gallen trug. (Bild: Archiv STG)
Ermir Lenjani kickte von Januar 2013 bis 2015 für den FC St.Gallen. Den Linksverteidiger zog es danach nach Frankreich zu Stade Rennes. Der aktuelle Nationalspieler Albaniens spülte 820'000 Franken in die Kassen der Ostschweizer. Weiter geht es mit den Top 5. (Bild: Urs Jaudas)
Die Top 5 werden von Eric Hassli eingeläutet. Der französische Stürmer verabschiedete sich nach seinem Engagement beim FC St.Gallen im Sommer 2006 in Richtung Frankreich zum FC Valenciennes. Kostenpunkt: 875'000 Franken. (Bild: foto-net / Markus Ulmer)
Moreno Costanzo eröffnet den Reigen der Millionentransfers. Der Offensivspieler, der derzeit beim FC Vaduz unter Vertrag steht, verliess die St.Galler nach der Saison 2009/2010 und heuerte bei YB an. Für den Transfer überwiesen die Berner 1,1 Millionen Franken in die Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher)
Der dritte Platz in der Liste der teuersten Espen aller Zeiten geht an Óscar Ezequiel Scarione. Der Torschützenkönig der Saison 2012/2013 (21 Tore) war für den FC St.Gallen schlichtweg nicht zu halten. Sein Wechsel in die Türkei zu Kasimpasa Istanbul brachte den Espen 3 Millionen Franken ein. (Bild: Urs Jaudas)
Ivan "der Schreckliche" Zamorano zog es im Sommer 1990 nach zwei Saisons in der Ostschweiz nach Spanien zum FC Sevilla. Gemäss Tagblattartikel vom 16. August 1990 liessen ihn die Espen für 2,5 Millionen US-Dollar (damals 3,3 Millionen Franken) in Richtung Andalusien ziehen. (Bild: Archiv STG)
Charles Amoah, schoss den FCSG im Jahr 2000 zum zweiten Schweizer Meistertitel der Espen-Historie. Im Winter der Folgesaison verliess er die Espen und wechselte zu Sturm Graz. Bis heute wurde für keinen St.Gallen-Spieler mehr bezahlt als die 6 Millionen Franken, die von den Österreichern in den Stürmer investiert wurden. (Bild: Archiv STG)
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Die teuersten Espen aller Zeiten

Gegen die Färöer vielleicht dabei

In der Schweiz funktioniert das Fussballgeschäft wie anderswo: Hat der Branchenleader ein Auge auf einen Spieler geworfen, bekommt er ihn auch. Weil kein Profi hierzulande bei einem Basler Köder nicht zubeissen würde. Einem Köder, der Meistertitel, Cupsieg, Champions-League-Meriten, Auslandtransfer, das Dreifache an Lohn und Spiele mit der Nationalmannschaft bedeuten könnte. Am Nationalteam ist Ajeti ohnehin nahe dran, nach den fast durchwegs guten Leistungen für den FC St. Gallen und mit zehn Meisterschaftstoren in dieser Saison. Für das Schweizer Testspiel gegen Weissrussland am 1. Juni wird er zwar mit Sicherheit nicht aufgeboten, weil er ­einen Tag später gegen seinen wohl künftigen Arbeitgeber die Saison beendet. Doch für die WM-Qualifikationspartie vom 9. Juni auf den Färöern hat ihn Vladimir Petkovic auf dem etwa 32 Spieler umfassenden Radar. Alle haben bereits ein proviso­risches Aufgebot erhalten. Der Nationaltrainer betont immer wieder: «Wer über eine längere Zeit gute Leistungen in der Liga zeigt und unserem Team einen Mehrwert bietet, ist ein Thema bei uns.» Das hat Ajeti heuer erfüllt. Er, der Basel Anfang 2016 als fast 19-Jähriger mehr oder weniger im Groll verliess, weil man dort auf andere Stürmer setzte. In der Folge hatte er in der Bundesliga bei Augsburg einen schweren Stand, bis er in dieser Saison als Leihspieler sein Glück in der Ostschweiz fand. Ende März – vor weniger als zwei Monaten – unterschrieb er einen Vertrag bis 2021. Das wurde als Transfercoup von Sportchef Christian Stübi gewertet, weil man Ajeti zutraute, St.Gallen in der neuen Saison nach vorne zu schiessen.

FC St.Gallen in der Rolle des Zwischenhändlers

Der Schweizer kosovarischer Abstammung gilt als integrer, lus­tiger Bursche, als einer, dem es egal ist, wer ihn trainiert. So hat es ihn auch nie gross gekümmert, ob Joe Zinnbauer der Trainer des FC St.Gallen bleiben würde. Hauptsache, er durfte Fussball spielen. Und besser werden. So war es auch der Plan des FC St. Gallen, den künftigen Nationalstürmer, für den man etwas weniger als eine Million Franken nach Augsburg überwiesen hatte, dereinst mit einer hohen Marge ins Ausland zu verkaufen. Gewiss für mehr Geld, als der FC Basel für einen Inlandtransfer bieten wird. Weil nun aber die Flirterei des Serienmeisters an die Öffentlichkeit getragen wurde – aus welchen Gründen auch immer – und daraus auch ein gewisser Druck entsteht, kann der FC St.Gallen nicht im Stillen auf das Maximum an Ablöse pochen. Der Verein wird wohl weniger Geld erhalten, als er sich ausgemalt hatte. Auch kann er Ajeti keine rationalen ­Argumente liefern, die für einen Verbleib sprechen würden. Oder soll man einen Spieler dazu zwingen, zu bleiben, wenn der Topclub der Liga anklopft und wenn ihm der Kopf schon verdreht wurde? Emotionale Argumente gäbe es da schon eher auf Ostschweizer Seite. Doch hat Basel auch hier gute, ja die besseren Karten.

So gesehen, muss sich St.Gallen hier wohl mit der Rolle des Zwischenhändlers begnügen. Eines Zwischenhändlers, dessen Haltefrist gerade überraschend schnell verkürzt worden ist. Vermutlich zu schnell.

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