Das Gefühl stimmt jetzt wieder

FUSSBALL. Der FC St.Gallen findet nach den beiden jüngsten Meisterschaftssiegen gegen Luzern und Thun langsam in die Spur. Mit Coach Joe Zinnbauer verbessern sich die Ostschweizer zwar nicht von jetzt auf gleich, doch die Richtung passt.

Christian Brägger
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St.Galler Jubel in Thun, der Länderspielpause blickt das Team gelassen entgegen. Es hat einen kleinen Lauf. (Bild: ky/Marcel Bieri)

St.Galler Jubel in Thun, der Länderspielpause blickt das Team gelassen entgegen. Es hat einen kleinen Lauf. (Bild: ky/Marcel Bieri)

Wer hätte das gedacht. Da steckt der FC St.Gallen vor acht Tagen noch fast im Abstiegskampf, und husch, zwei Meisterschaftsspiele und sechs gewonnene Punkte später, setzt er sich im gesicherten Mittelfeld knapp hinter den Europa-League-Plätzen fest. Die Steigerung mit Trainer Joe Zinnbauer ist resultatmässig gelungen, selbst wenn noch nicht alles eitel Sonnenschein ist. Dafür beanspruchte St.Gallen in den beiden Erfolgen gegen Luzern und Thun zu sehr das Glück. Doch zumindest vom Kampf her zwangen die Ostschweizer dieses stärker auf ihre Seite als auch schon. Zinnbauer sagt: «Wer kämpft, der wird belohnt. Das habe ich immer betont.» Fakt ist: Erstmals gewann der FC St.Gallen in dieser Saison zwei Meisterschaftsspiele hintereinander, in Thun beendete er zudem eine Durststrecke. Letztmals hatte er am 18. August 2012 im Berner Oberland beim ersten Auftritt in der neuen Thuner Arena gewonnen, seither aber fünfmal verloren.

St.Gallen hat also einen kleinen Lauf. Vielleicht löst die fast zweiwöchige Länderspielpause deshalb bei Trainer Zinnbauer ambivalente Gefühle aus. Der Deutsche gönnt seinen Profis die Einberufungen in die Nationalteams, dennoch würde er gerne einmal über längere Zeit in Ruhe mit dem kompletten Kader an Taktik und System feilen. Kameruns Edgar Salli, der Luxemburger Mario Mutsch, der Kosovare Albert Bunjaku sowie die Schweizer U21-Akteure Martin Angha und Roy Gelmi fehlen Zinnbauer in den kommenden Trainingstagen, an denen vermutlich zwei Testspiele ausgetragen werden. Zudem ist Silvan Hefti mit der Schweizer U19 unterwegs.

Anhaltspunkte für die Zukunft

Noch drei Spiele absolvieren die St.Galler bis zur Winterpause, die nächste Partie zu Hause in zwölf Tagen gegen Serienmeister Basel wird wohl die schwierigste. Danach müssen sie in Bern bei den Young Boys antreten, ehe gegen Vaduz nach der Hinspielniederlage Wiedergutmachung verlangt wird. Holt St.Gallen in diesen Partien noch mindestens vier Punkte, gäbe das Zinnbauer für die Winterzeit die nötige Ruhe, das Team weiter nach seinen Ideen zu gestalten.

Bereits in Thun setzte der Trainer Anhaltspunkte, wie sein FC St.Gallen in Zukunft aussehen könnte, nachdem er zum zweitenmal auf dieselbe Startformation gesetzt hatte. Für Marco Mathys beispielsweise könnte es schwierig werden, sich im Verein zu halten. Auch Sandro Gotal hat keinen leichten Stand. Plötzlich gute Karten im Sturm hat neben Salli dafür der Slowene Dzengis Cavusevic. Die Hintermannschaft stellt sich fast von alleine auf, wenn Angha und Gelmi im Abwehrzentrum weiterhin so gut harmonieren. Die zwei U21-Nationalspieler verstehen sich auch neben dem Platz bestens. Besonders für Daniele Russo wird es eng. Pascal Thrier hat immerhin den Vorteil, polyvalent einsetzbar zu sein, was auch im Mittelfeld für Marco Aratore und Yannis Tafer gilt, beides aktuell keine Stammspieler. Zinnbauer sagt: «Wir haben zweimal zu null gespielt und uns vorne mit Toren belohnt, da kann ich eine Art Stammformation kaum verhindern. Diejenigen, die jetzt hinten anstehen, können gerne wieder reinkommen. Das muss ihr Ziel sein.»

Im Winter handeln

In den Wintermonaten wird sich das Kader verändern. Zinnbauer sagt: «Wir haben Verträge und halten uns derzeit an sie. Im Winter werden wir uns wohl umsehen. Es wird ja auch Spieler geben, die unzufrieden sind und uns verlassen wollen.» Noch ist vieles unklar. Etwas aber wird deutlicher: St.Gallen findet unter Zinnbauer langsam den Tritt.