Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das 2:3 gegen die Young Boys: Eine Niederlage, die dem FC St.Gallen statt Punkte viel Goodwill einbringt

Trotz des 2:3 gegen die Young Boys erhält die junge Mannschaft des
FC St. Gallen viel Lob. Gefährlich viel?
Ralf Streule
Die Enttäuschung der St. Galler, hier mit Cedric Itten (Mitte), währte nach dem Spiel nicht allzu lange. (Bild: Urs Bucher)

Die Enttäuschung der St. Galler, hier mit Cedric Itten (Mitte), währte nach dem Spiel nicht allzu lange. (Bild: Urs Bucher)

Zwei Heimniederlagen, verlorene Punkte in Neuenburg, ein glücklicher Sieg in Basel: In anderen Jahren hätte eine solche Bilanz zum Saisonstart Unruhe rund um den FC St. Gallen hervorgerufen. Anders diesmal. Nach der 2:3-Niederlage vom Samstagabend gegen die Young Boys waren die St. Galler Köpfe nur kurz gesenkt, bald schon waren kaum mehr unzufriedene Gesichter auszumachen, weder bei Anhängern noch bei den Fussballern. Die Spieler, die bis zum Schluss leidenschaftlich und mit Tempofussball das 3:3 gesucht hatten, wurden von der Kurve gefeiert. Und auch Präsident Matthias Hüppi wirkte nach dem Spiel gefasst. Ein grossartiges Spiel habe man gesehen, die Zufriedenheit sei da, trotz Niederlage. Hüppi sagte aber auch:

«Es ist ein Gefühl, an das man sich nicht gewöhnen darf.»

Publikum ist nachsichtig, weil ein Plan erkennbar ist

Es war ein zu beschwingter, attraktiver Fussballabend gewesen, als dass man zu hart mit den St. Gallern ins Gericht gegangen wäre. Die Ostschweizer hatten nach einer nachlässigen, verschlafenen ersten halben Stunde Moral gezeigt, ein 0:2 aufgeholt, einen herrlichen Freistosstreffer durch Jordi Quintillà erzielt, das schnelle Spiel nach vorne gesucht, nach dem 2:3 noch einmal zugesetzt – und am Ende gar mehr Ballbesitz und mehr Abschlussversuche zu verzeichnen als der Meister. Was die Berner auszeichnete: die Physis und die Effizienz. Drei Torschüsse reichten für drei Tore.

Nachsichtig war das St. Galler Publikum am Samstag, weil wiederum ein Team mit viel Herz im Einsatz gewesen war. Es war die Nachsicht gegenüber einem jungen, wilden, aber vorerst halt noch mässig erfolgreichen und mässig effizienten Team. «In der ersten Viertelstunde nach der Pause waren wir in vielen Belangen die bessere Mannschaft. Und wir kamen gegen die Young Boys zu vielen Abschlussversuchen», sagte Trainer Peter Zeidler hinterher. Und fügte süffisant an:

«Wer es schafft, gegen YB so viele Chancen herauszuspielen, kann einmal eine richtig gute Mannschaft werden.»

Was ihn besonders freute: Dass die Mannschaft nach dem 2:2 nicht etwa zurücksteckte, sondern den Siegtreffer suchte. Auch wenn die Rechnung nicht aufging, im Gegenteil.

Mentale Arbeit steht an

Nachsichtig ist das Publikum wohl auch genau wegen dieser Haltung. Der vor eineinhalb Jahren angekündigte Kurs mit Offensivfussball wird weiter konsequent gegangen – trotz Risiken im Defensivspiel. Die Frage ist, wie viele Niederlagen mit nachträglichen Lobgesängen ein so junges Team verträgt. Der 26-jährige Goalie Dejan Stojanovic war am Samstag der älteste Spieler in der St. Galler Startformation. Wie gehen die Talente damit um, sollte der grosse Aufwand St. Gallens auch künftig nur selten belohnt werden? Es steht für Zeidler mentale Arbeit an. Unter anderem mit Leonidas Stergiou, der am Samstag eine starke Leistung zeigte, aber zweimal ohne Not grobe Fehler beging und so zwei Gegentore einleitete. «Die Spieler haben ihn bereits wieder aufgebaut», sagte Zeidler. Doch auch er weiss: Es lastet viel Druck auf den Jungen im Team. Punkte am Mittwoch in Zürich – am besten mit derselben jungen Mannschaft – würden diese Situation entlasten. Nur: Oft machten die St. Galler zuletzt die bessere Figur, wenn sie gegen spielstarke, vermeintlich übermächtige Gegner antraten. Viel Ballbesitz ohne Effizienz ist ein Muster, das bereits in der vergangenen Saison oft zu beobachten war, als man vor allem gegen abwartende Teams Probleme bekundete. Es ist die zweite Hauptaufgabe für das Team, hier andere Lösungen zu finden.

Kutesa schon bald wieder im Einsatz?

Erfreulich ist: Mit der Rückkehr von Cedric Itten hat die St. Galler Offensive wieder an Gefährlichkeit gewonnen – seine Stärken zeigte er besonders bei seinem Abseitstor kurz nach der Pause. Jérémy Guillemenot und Boris Babic konnten da am Samstag nur in Ansätzen mithalten. Somit gewinnt eine andere Frage weiter an Gewicht: Wird Dereck Kutesa – zuletzt der wirbligste St. Galler Stürmer und die ideale Ergänzung zu Itten – bei den Ostschweizern bleiben? Nachdem die St. Galler ein Angebot von Stade Reims über 1,5 Millionen Franken abgelehnt hatten, kam er am Samstag nicht zum Einsatz. Offiziell nicht wegen der Transfersache, sondern wegen einer Fussverletzung, wie Zeidler unterstrich. Ob Nachverhandlungen mit Stade Reims anstehen, wird sich erst kommende Woche zeigen. «Vielleicht spielt er für uns schon am Mittwoch wieder», so Zeidler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.