Cup in Zürich
Es ist geschafft: Der FCSG steht nach dem 2:1 gegen GC im Cup-Halbfinal – Gegner: Servette +++ Trainer Zeidler: «Was wir machen, ist grenzwertig»

Zum ersten Mal seit sechs Jahren hat sich der FC St.Gallen wieder für einem Cup-Halbfinal qualifiziert. Die vor allem in der ersten Halbzeit in allen Belangen überlegenen Ostschweizer besiegen die Grasshoppers dank eines Traumstarts mit 2:1. Im Halbfinal treffen die St.Galler nun auswärts auf Servette.

Patricia Loher
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Lukas Görtler wird nach fünf Minuten für sein Traumtor gefeiert.

Lukas Görtler wird nach fünf Minuten für sein Traumtor gefeiert.

Ennio Leanza/Keystone

Die Spielwertung

In der ersten Halbzeit erteilt St.Gallen den unterklassigen Grasshoppers eine Lehrstunde. Tempo und Intensität der Gäste sind beeindruckend. Von einer Krise ist bei den Ostschweizern nichts zu spüren. In der zweiten Halbzeit gleicht sich die Partie dann aus, der Unterhaltungswert nimmt ab. Richtig in Gefahr bringen die Zürcher die St.Galler lange nicht. Der Anschlusstreffer fällt kurz vor dem Schlusspfiff. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 0:1, 5. Minute, Lukas Görtler: Jérémy Guillemenot flankt von links, aus 17 Metern nimmt Lukas Görtler den Ball direkt ab und lässt Goalie Mateo Matic keine Abwehrchance. Es ist ein Traumtor des Deutschen und sein zweiter Pflichtspieltreffer in dieser Saison.
  • 0:2, 18. Minute, Victor Ruiz: Nach einer Flanke von Basil Stillhart von links scheint die Situation vorerst geklärt, doch der Ball kommt zu Victor Ruiz, der ebenfalls ein prächtiges Volleytor erzielt.
  • 1:2, 93. Minute, Leo Bonatini: Nach einem Freistoss glückt den Grasshoppers noch der Anschlusstreffer. Der freistehende Bonatini trifft per Kopf.

Die Spielanalyse

Den St.Gallern glückt ein Traumstart: Nach 18 Minuten führen die Gäste gegen die Grasshoppers nach prächtigen Toren von Lukas Görtler und Victor Ruiz bereits mit 2:0.

Der Vorsprung ist verdient. St.Gallen ist deutlich die bessere Mannschaft, der Challenge-League-Leader schafft es kaum einmal über die Mittellinie. Die Ostschweizer setzen die Zürcher praktisch permanent unter Druck, ihr Pressing überfordert die Grasshoppers sichtlich.

Zeitweise spielt St.Gallen mit dem Gegner, der einige seiner Stammspieler wie den besten Torschützen Shkelqim Demhasaj vorerst schont, Katz und Maus. Obwohl den Ostschweizern in der Meisterschaft, bei der ihr Vorsprung auf den Barrageplatz noch einen Punkt beträgt, ein Mammutprogramm bevorsteht, gehen sie ein hohes Tempo.

Perfekter Abschluss: Der Spanier Victor Ruiz erzielt das 2:0.

Perfekter Abschluss: Der Spanier Victor Ruiz erzielt das 2:0.

Ennio Leanza/Keystone

In der 27. Minute werden die Zürcher erstmals gefährlich, aber Goalie Lawrence Ati Zigi klärt gut gegen Nuno Da Silva. Die Gastgeber kommen nach der Lehrstunde zu Beginn des Spiels nun etwas auf, St.Gallens Trainer Peter Zeidler ruft: «Alle machen mit, Jungs!» Wirklich in Gefahr gerät sein Team aber nicht. Im Gegenteil: In der 41. Minute vergibt Aussenverteidiger Miro Muheim eine gute Gelegenheit, um auf 3:0 zu erhöhen.

Wenig später kommen die Grasshoppers zu ihrer zweiten guten Chance dieses Spiels: Hicham Acheffay setzt den Ball aber knapp neben das Tor.

Nach der Pause erzielt Jérémy Guillemenot das 3:0, doch der Treffer wird wegen einer Abseitsposition nicht anerkannt. Die Partie ist nun ausgeglichener, ohne dass die Grasshoppers gefährlich werden. Bei einem platzierten Freistoss von Nuno Da Silva muss sich Zigi in der 57. Minute dann aber mächtig strecken, um ein Gegentor zu verhindern.

St.Gallens Spiel hat nun nicht mehr die gleiche Intensität wie zuvor. Die Zürcher können besser kombinieren und prüfen Zigi erneut. Sie finden den Tritt immer besser und halten die Gäste von ihrem Tor fern. St.Gallen kommt zu keiner guten Chance mehr. Erst in der 77. Minute taucht mit dem eingewechselten Kwadwo Duah wieder einmal ein St.Galler vor dem GC-Tor auf. Sein Schuss ist aber zu hoch. In der 80. Minute kommt auch Junior Adamu zu einer Möglichkeit.

Kurz vor dem Schlusspfiff glückt den Grasshoppers noch das Anschlusstor. Das ändert aber nichts mehr an ihrer Niederlage. Die Ostschweizer ihrerseits treffen im Cup-Halbfinal Anfang Mai nun auswärts auf Servette. Im zweiten Halbfinal spielt Aarau gegen den FC Luzern.

Der Beste

Lukas Görtler. Der Vorkämpfer erzielt bereits in der fünften Minute ein Traumtor. In der ersten Halbzeit punktet er mit einigen weiteren guten Aktionen.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Der Goalie macht wieder ein gutes Spiel. Zigi ist zwar lange kaum gefordert, muss in der zweiten Halbzeit dann aber doch zweimal eingreifen.
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Euclides Cabral, Note: 5. Ist gegen seine früheren Teamkollegen lauffreudig und lange sehr auffällig. Schaltet sich immer wieder in die Offensive ein.
Leonidas Stergiou: Note 5. In der ersten Halbzeit ohne Probleme. Verteidigt umsichtig, als die Zürcher besser werden. Zweikampfstark.
Betim Fazliji: Note 5. Beeindruckend ist, wie sich der Rebsteiner einmal mehr nicht aus der Ruhe bringen lässt. Starke Spielauslösungen.
Miro Muheim: Note 5. Der Zürcher geniesst zu Beginn viele Freiheiten, die er für einige Läufe nutzt. Verpasst das 3:0 nur knapp.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Nach der Sperre in Bern stellt er seine Wichtigkeit wieder unter Beweis. Holt sich viele Bälle zurück, offensiv eher unauffällig.
Lukas Görtler: Note 5,5. Dem Deutschen gelingt in der fünften Minute ein Traumtor. Der Vorkämpfer ist dauerpräsent, auch als das Spiel für sein Team zäher wird.
Basil Stillhart: Note 5. Der polyvalente Thurgauer spielt im linken Mittelfeld eine solide Partie. Verlangt oft den Ball und verlagert das Spiel gut.
Victor Ruiz: Note 5,5. Der Spanier erzielt wie Görtler ein Prachtstor. Es ist in der 18. Minute das 2:0.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 4. Sehr mannschaftsdienlich, aber mit zu wenig guten offensiven Aktionen.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Seine Flanke führt zum 1:0. Die Leistung ist ansprechend, weniger theatralisch als auch schon.
Kwadwo Duah: Note 4. Kommt für Guillemenot. Kann der Offensive aber nur wenig Schwung verleihen. Ein Abschluss geht weit über das Tor.
Thody Élie Youan: Note -. Er kommt in der 82. Minute. Der Einsatz ist zu kurz für eine Note.
Tim Staubli: Note -. Er wird acht Minuten vor Schluss eingewechselt. Zu spät für eine Benotung.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Der Goalie macht wieder ein gutes Spiel. Zigi ist zwar lange kaum gefordert, muss in der zweiten Halbzeit dann aber doch zweimal eingreifen.

Der Schlechteste

Eigentlich fällt keiner ab. Wenig gelingt Junior Adamu, der noch im Achtelfinal gegen die Young Boys Matchwinner war. Vergibt in der 80. Minute eine gute Chance.

Der Schiedsrichter

Fedayi San hat die Partie jederzeit unter Kontrolle. Es gibt wenig strittige Situationen zu beurteilen.

St.Gallens Spieler vor der Abfahrt nach Zürich.

St.Gallens Spieler vor der Abfahrt nach Zürich.

Senf

Die Fans

St.Gallens Fans geben ihrer Mannschaft eine stärkende Botschaft mit auf den Weg nach Zürich. In der Anlieferung des Kybunparks ist ein Banner angebracht, auf dem an ein entscheidendes Tor von Tranquillo Barnetta im Mai 2019 bei den Grasshoppers erinnert wird. Der 1:0-Erfolg verschaffte St.Gallen in einer damals kritischen Lage wieder etwas Luft, die Grasshoppers stiegen am Ende jener Saison ab. Auf dem Banner von den Spielern verdeckt steht auch: «Macht auch ihr euch unsterblich».

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer des FC St.Gallen: «In den ersten zwanzig Minuten haben wir sehr gut gespielt und zwei herrliche Tore erzielt. Wir hätten auch das 3:0 machen können, dann hätten wir die Sache ruhiger angehen können. Ich bin froh, dass wir das Gegentor erst kurz vor Schluss kassierten. Natürlich, was wir machen, ist grenzwertig, seit Monaten absolvieren wir fast an jedem dritten Tag ein Spiel. Aber das geht allen Teams so. Bei uns sind alle mit Feuereifer dabei. Und am Samstag wollen wir auch gegen Luzern punkten.»

Basil Stillhart, Mittelfeldspieler FC St.Gallen: «Dieser Halbfinaleinzug ist speziell für die Region und speziell für uns Spieler. Zu Beginn ist es uns gut gelungen, den Gegner unter Druck zu setzen. In der zweiten Halbzeit waren wir etwas zu passiv. Ob es die Müdigkeit war? Ich weiss es nicht.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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