Cup-Halbfinal
Was für ein Spiel, was für ein Erfolg: Der FCSG qualifiziert sich erstmals seit 23 Jahren wieder für den Cupfinal – Stillhart mit dem entscheidenden Tor

Die St.Galler gewinnen den Halbfinal beim zuletzt formstarken Servette dank einer einwandfreien Leistung verdient mit 1:0. Das entscheidende Tor glückt Basil Stillhart in der 83. Minute. Es ist ein Geniestreich des Thurgauers. Im ersten Cupfinal seit 1998 treffen die Ostschweizer am Pfingstmontag, 24. Mai, auf den FC Luzern.

Patricia Loher
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St.Gallens Jérémy Guillemenot enteilt Steve Rouiller.

St.Gallens Jérémy Guillemenot enteilt Steve Rouiller.

Pascal Muller/Freshfocus

Die Spielwertung

Die beiden Teams zeigen eine starke erste Halbzeit: Servette und St.Gallen geben gleich Gas und so entwickelt sich ein munteres, unterhaltsames Spiel, dem nur die Tore fehlen. Auch in der zweiten Halbzeit geht es hin und her, einmal ist Servette im Vorteil, dann wieder St.Gallen. Spielnote: 5

Die Tore

  • 0:1, 83. Minute, Basil Stillhart: Nach einem Einwurf von Euclides Cabral und einem Doppelpass zwischen Junior Adamu und Basil Stillhart rechnet der Gegner mit einer Flanke des Thurgauers. Doch Stillhart überrascht sie alle mit einem flachen Schuss in die nahe Torecke. Stark gemacht!

Die Spielanalyse

Die Begegnung hat es gleich von Beginn weg in sich. Schon in der ersten Minute vergibt St.Gallens Jérémy Guillemenot eine Topchance. Der Linienrichter zeigt zwar eine Abseitsposition an, doch wäre der Ball ins Tor gegangen, hätte der Videoassistent wohl eingegriffen: Der gebürtige Genfer war nicht aus dem Offside gestartet.

Es ist ein unterhaltsames Spiel zwischen zwei Mannschaften, die konsequent die Offensive suchen und ein hohes Tempo gehen. In der vierten Minute setzt Servettes Grejohn Kyei freistehend einen Kopfball neben das Tor. Danach kommen auch Lukas Görtler und erneut Guillemenot in gute Abschlusspositionen.

Das Spiel ist ausgeglichen, Servette den Gästen zwar körperlich überlegen, aber doch weniger gefährlich als in früheren Begegnungen. Erst in der 26. Minute kommt die Mannschaft von Trainer Alain Geiger zu einer weiteren grossen Möglichkeit: Der freistehende Kyei kann sich aussuchen, wo genau er den Ball im Tor unterbringen will, doch Miro Muheim klärt mit der Brust knapp vor der Linie.

Das war knapp!

St.Gallens Miro Muheim (rechts) gegen Anthony Sauthier.

St.Gallens Miro Muheim (rechts) gegen Anthony Sauthier.

Pascal Muller/Freshfocus

In der 27. Minute gleicht sich das Chancenverhältnis wieder aus, als Guillemenot den Ball unbedrängt neben das Tor setzt. Wie schon zu Beginn entscheidet der Linienrichter, dass der Stürmer aus dem Abseits gestartet war, was aber wohl auch in dieser Situation nicht korrekt ist.

In der Folge flacht das Spiel ab. Die beiden Mannschaften begegnen sich mehrheitlich im Mittelfeld. Kurz vor der Pause aber wird es auf beiden Seiten wieder brenzlig. Zuerst kommt Görtler nach einem Freistoss vor Goalie Jeremy Frick einen Schritt zu spät, ehe Timothé Cognat einen Weitschuss neben das Tor setzt. Wenig später muss St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi gegen Miroslav Stevanovic Kopf und Kragen riskieren, um einen Rückstand zu verhindern.

Trotz der fehlenden Tore zeigten die beiden Mannschaften in der ersten Halbzeit ein starkes Spiel.

Die SRF-Zusammenfassung des Cuphalbfinals zwischen Servette und St.Gallen.

Video: Youtube

Es geht gleich ähnlich weiter: Zuerst trifft Guillemenot, doch das Tor zählt wegen einer Abseitsposition nicht. Dann greift auch Servette gefährlich an. St.Gallen erarbeitet sich immer wieder gute Ausgangslagen, doch oft fehlt die Präzision, um dem Gegner wieder gefährlich zu werden.

In der 60. Minute nimmt Trainer Peter Zeidler einen Doppelwechsel vor: Guillemenot und Boris Babic müssen Junior Adamu und Kwadwo Duah weichen. Die beiden sollen St.Gallen zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Wenig später reagiert Goalie Zigi zweimal stark.

St.Gallen muss nun aufpassen, Servette gewinnt die Oberhand. Den Ostschweizern unterlaufen zu viele Fehler. So geraten sie gegen gefährlich schnell umschaltende Genfer immer wieder in Bedrängnis.

Die Gäste fangen sich wieder. In der 73. Minute geht Görtler nach einem Tritt auf den Fuss zu Boden, kann aber weiterspielen. Fünf Minuten später senkt sich eine Flanke von Euclides Cabral gefährlich, doch Goalie Frick kann noch reagieren. In der 81. Minute scheitert Duah nach einer schnörkellosen Aktion am Genfer Torhüter. Die St.Galler sind nun definitiv zurück im Spiel.

Die Führung der Gäste in der 83. Minute durch Stillhart ist verdient. Der Jubel auf dem Feld und an der Seitenlinie kennt keine Grenzen. Die Ostschweizer bringen den Sieg über die Ziellinie und feiern einen der grössen Erfolge der vergangenen Jahre.

Der Beste

Basil Stillhart. Sieben Minuten vor Spielende sichert der Mittelfeldspieler dem FC St.Gallen den ersten Einzug in den Cupfinal seit 23 Jahren. Aber auch Goalie Lawrence Ati Zigi ist wieder stark und muss mehr als einmal Kopf und Kragen riskieren, um ein Gegentor zu verhindern.

Der Schlechteste

St.Gallen tritt äusserst kompakt auf. Keiner fällt ab. Nur von Jordi Quintillà erwartet man weiterhin, dass er mehr Einfluss nimmt auf das Spiel der St.Galler. Auch Boris Babic ist noch nicht wieder der Alte. Er hat kaum Einfluss auf das Spiel.

Der Schiedsrichter

Adrien Jaccottet bekundet keine nennenswerten Probleme. Kurz vor der Pause konsultiert er den Videoassistenten, doch der Ball war Leonidas Stergiou im Strafraum nicht an die Hand sondern an den Kopf gegangen. Die Genfer hatten sich den Ball bereits auf den Elfmeterpunkt gelegt.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Wir sind über die Grenzen hinaus gegangen. Wir wissen, dass sich viele Menschen heute mit uns freuen. Es war schwierig, gegen ein spielerisch starkes Servette den Schlüssel zu finden. Wir haben während des Spiels umgestellt auf zwei Sechser, aber ob das der Schlüssel war, weiss ich nicht. Wir brauchten auch Glück und Zigi, um diesen Erfolg feiern zu können. Doch wir wissen: Schon am Sonntag steht wieder ein wichtiges Spiel an. Gewinnen wir da, wäre das ein noch schönerer Moment.»

Lukas Görtler, Mittelfeldspieler FC St.Gallen: «Unser Torhütertrainer Stefano Razzetti sagte mir vor dem Spiel, dass Servettes Goalie Jeremy Frick tendenziell zu weit vor dem Tor stehe, und dass ich es in so einer Situation mal auf die kurze Ecke versuchen solle. Und dann macht es Basil Stillhart eiskalt. Wir freuen uns sehr über diesen Cupfinal-Einzug. Miro Muheim kam am Montag zu spät ins Training. Er muss uns in einer Raststätte auf dem Heimweg noch etwas spendieren.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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