Corona-Krise: Der FC St.Gallen beantragt Kurzarbeit für seine Spieler

Das Kurzarbeitsgesuch des FC St.Gallen wird am Dienstag beim Amt für Wirtschaft und Arbeit eingereicht. Da es Lohneinbussen gibt, haben die Profis nach den «Ferien» aber das letzte Wort.

Christian Brägger
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Betim Fazliji und Ermedin Demirovic (rechts) müssen sich auf Kurzarbeit einstellen und Lohneinbussen in Kauf nehmen.

Betim Fazliji und Ermedin Demirovic (rechts) müssen sich auf Kurzarbeit einstellen und Lohneinbussen in Kauf nehmen.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Auf der Homepage präsentiert der FC St.Gallen das famose 2:1 in Basel von Anfang Februar. Alles liegt sich in den Armen, was grünweiss im Herzen trägt, die Emotionen leben wieder auf – neue gibt es ja keine mehr. Seitdem ist der FC St.Gallen Leader, doch die Erinnerungen verblassen wegen des Corona-Virus, das nun sein wirtschaftliches Gleichgewicht bedroht.

Am vergangenen Freitag verkündete der Bundesrat, worauf die Führung der Ostschweizer gehofft hatte: Die Kurzarbeit ist neu ebenfalls für temporäre Arbeitskräfte und befristete Arbeitsverträge möglich. Deshalb reicht Ralph Wüest, CFO der Event AG, beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit am Dienstag vorsorglich auch ein solches Gesuch für Mitarbeiter mit befristeten Verträgen der FC St.Gallen AG ein. Und somit für sämtliche Trainer, Spieler oder Physios der ersten Mannschaft oder von Future Champs Ostschweiz.

Eine Opposition wird nicht erwartet

Noch wissen laut Wüest die Ämter nicht, ob das Gesuch zur Entlastung der Lohnkosten rückwirkend auf Beginn der Meisterschafts-Zwangspause gilt oder für die Zeit ab Freitag. Weil die Spieler bis Anfang April abwesend sind, sagt der CFO: «Wir brauchen nachträglich das schriftliche Einverständnis aller Betroffenen. Weil damit eine Lohneinbusse von 20 Prozent einhergeht, die das Amt als Obolus versteht, als Entgegenkommen.»

«Ich bin mir sicher, wir bekommen diese Solidarität hin. Ich erwarte keine Opposition.»

Die Strategie ist klar: Lieber langfristig die Löhne weiter bezahlen können, ja nicht in ökonomische Schieflage geraten.

Machen wir das Beispiel für einen St.Galler Spieler, der im Monat Mai wegen Corona gar nicht arbeiten kann und die Kurzarbeit akzeptiert hat: Das Amt übernimmt nun 80 Prozent des Lohnes, die Zahlung muss nicht rückvergütet werden, ist vergleichbar mit einem Unfalltaggeld und geht bis zur versicherten Höchstgrenze von monatlich 12'350 Franken. Weil der Spieler im Mai weniger verdient, könnte St.Gallen den Lohnausfall im Hintergrund ausgleichen – und käme dennoch besser weg. Wüest sagt jedoch:

«Das werden wir niemals machen, es wäre auch ein totaler Missbrauch des Systems.»

Coach Peter Zeidler arbeitet mindestens Teilzeit weiter, seine Stunden werden aufgerechnet mit der Kurzarbeit. Diese wurde längst für weite Teile der Event AG beantragt, das Gesuch ist hängig und brächte Erleichterung von monatlich ungefähr 150'000 Franken. Bei den Spielern, Trainern und Physios beliefe sich der Beitrag auf etwa 250'000 Franken. «Wir sind ein Team», betonten alle stets. Der nächste Tatbeweis wartet.

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