"Bloss ein Telefonanruf hätte nicht gereicht"

St.Gallens Sportchef Christian Stübi hat geschafft, was viele im Umfeld für unmöglich hielten: Er verpflichtete für eineinhalb Jahre Gianluca Gaudino. Das 19jährige Talent gilt als Transfercoup des Goldachers. Nicht mit diesem Wechsel zusammen hängt der vom Club forcierte Weggang Dejan Janjatovics.

Christian Brägger
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Christian Stübi Sportchef FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Christian Stübi Sportchef FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Herr Stübi, wie finanziert St. Gallen den Wechsel von Gianluca Gaudino? Bei Bayern München soll er 900 000 Euro verdient haben.

Christian Stübi: Über Vertragsdetails gebe ich keine Auskunft. Nur so viel: Ich bin dankbar dafür, dass Bayern München meinen Vorschlag unterstützt hat.

Sehen Sie den Wechsel als Ihren persönlichen Verdienst?

Stübi: Es ist das ganze Umfeld, das einen solchen Transfer ermöglicht. Es braucht eine seriöse und professionelle Führung, die Finanzen müssen stimmen. Sonst hätte es nicht geklappt.

Ist es nicht Ihrer Hartnäckigkeit zuzuschreiben, dass Gaudino in Zukunft für St. Gallen spielt?

Stübi: Als ich im vergangenen Juli erstmals gesagt habe, ich würden den Spieler gerne verpflichten, wurde ich schon belächelt. Jetzt ist Gianluca Gaudino hier. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie oft ich in München war und wie viele Stunden ich investiert habe.

Was gab den Ausschlag, dass Gaudino nicht nach Valencia, zu Atletico Madrid oder zu einem anderen Club der Bundesliga ging?

Stübi: Vielleicht war es schon mein Vorgehen seit Sommer. Wir bemühten uns sehr, holten ihn für das Heimspiel gegen Vaduz nach St. Gallen. Gaudino sollte sich das Stadion und die ganze Atmosphäre vor Ort anschauen. Das 2:2 war genau richtig, um ihm zu zeigen, dass wir ihn brauchen. Wir beobachteten ihn auch in der Regionalliga. Es war schon nicht so, dass bloss ein Telefonanruf gereicht hätte.

Warum inszeniert St. Gallen den Wechsel in dieser Form?

Stübi: Gaudino hatte in München ein Redeverbot mit den Medien. Es gab sehr viele Anfragen für ein Interview. Also sagten wir uns, wir präsentieren ihn im Plenum, damit er sich danach auf den Fussball konzentrieren kann. Es ging uns nicht darum, Grösse zu zeigen. Wir wollten ihn zeitlich entlasten. Die Gespräche hätten ihn sonst fünfzehn bis zwanzig Stunden absorbiert. Zudem wollten wir von ihm Druck wegnehmen mit diesem Auftritt. Er soll einen möglichst einfachen Start haben.

Die Erwartungshaltung ist nun aber schon gestiegen.

Stübi: Das sehe ich nicht so. Selbst wenn er bereits Champions League gespielt hat, ist er erst 19 Jahre alt. Wir wollen kreativen Fussball spielen, deshalb brauchen solche Spieler. Und wir setzen auf die Jugend.

Hat der Zukauf Gaudinos auch mit dem forcierten Weggang von Dejan Janjatovic zu tun?

Stübi: Nein. Mit Dejan Janjatovic suchten wir früher schon das Gespräch. Er wäre gerne bei uns geblieben, wenn er Stammspieler gewesen wäre. Aktuell musste er aber hinten anstehen. Er wird jedenfalls nicht mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Belek reisen.

Haben Sie sich nun von Ihrem Vorgänger Heinz Peischl emanzipiert?

Stübi: Ich ziehe den Hut vor der Arbeit von Heinz Peischl und verneige mich vor seinen Erfolgen. Vom Typ her bin ich ein wenig anders als er. Ich möchte vermehrt Junge einbinden, das Kader von der Grösse her verändern. Und ich möchte auch, dass Neuzugänge mehr Erfahrung haben und nicht nur vorwiegend Spieler aus der Challenge League zu uns stossen.

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