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BILANZ: Das sind die Verlierer der Querelen beim FC St.Gallen

Die monatelangen Querelen haben die Ostschweizer Energie gekostet und gehen an die finanzielle Substanz, wie am Freitag bekannt wurde. Letztlich aber bleiben, wie bei Machtkämpfen üblich, zu viele Menschen auf der Strecke.
Christian Brägger

Pascal Kesseli

Pascal Kesseli war CEO der Event AG, Verwaltungsrat und Aktionär. Mit Dölf Früh bildete er eine Einheit, bis sich die Beziehung veränderte. Kesseli sah das Unheil kommen, hob den Mahnfinger und fiel in Ungnade. Er verliess den FC St.Gallen «im Einvernehmen», ein letztes Opfer war nötig: Mehrheitsaktionär Früh knüpfte seinen Aktienverkauf an die Bedingung, dass Kesseli sein Paket ebenfalls verkaufen müsse, um ihn als neuen Präsidenten zu verhindern. Kesseli beschäftigt sich aktuell mit dem Erwerb einer Firma.

Christian Stübi

Christian Stübi (Bild: Urs Bucher)

Christian Stübi (Bild: Urs Bucher)

Einst war er der Spieler, später der Teammanager, dann der Sportchef und schliesslich der degradierte Sportchef. Bis es Christian Stübi im FC St.Gallen nicht mehr aushielt ob all der Grabenkämpfe (vor allem mit Otero) und er im Juni vergangenen Jahres die Kündigung einreichte. Stübi sagt: «Ich musste für mich die Reissleine ziehen. Aber ich kann wenigstens ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen.» Vorerst hat der Familienvater dem bezahlten Fussball den Rücken gekehrt, nun arbeitet er in der Immobilienbranche.

Dölf Früh

Dölf Früh (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus (freshfocus))

Dölf Früh (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus (freshfocus))

An Dölf Früh, den früheren Präsidenten des FC St.Gallen, der als grosser Retter kam, sei die Frage erlaubt: Wie konnte es nur so weit kommen? Es ist nach wie vor ein Rätsel, wie Früh sich um das eigentlich verdiente Erbe hat bringen können. Und weshalb er auf Leute wie Donato Blasucci oder Marco Otero hörte. Bereits Heinz Peischl oder Jeff Saibene sahen auf die St. Galler zukommen, was der clevere Früh eben nicht sah oder sehen wollte. Um die Suche nach Gründen ranken sich jedenfalls die wildesten Gerüchte. Eines davon hält sich hartnäckig: Hat die ganze Chose etwas mit Philippe Huber zu tun und der Kentaro-Pleite, bei der Früh viel Geld verloren hat? Ein anderer Erklärungsansatz ist, dass sich der Unternehmer keine Fehler – in seinem Denken wurden solche als persönliche Niederlagen taxiert – eingestehen konnte. Offenbar will die neue Führung bald die hohen Mietzinsen der Nachwuchsakademie, die an Früh gehen, neu verhandeln.

Sascha Roth

Sascha Roth (Bild: Urs Bucher)

Sascha Roth (Bild: Urs Bucher)

Besonders im vergangenen Jahr rückte Verwaltungsrat Sascha Roth ins Zentrum des FC St.Gallen. Als Finanzchef hatte er das Minus von 2,6 Millionen Franken mitzuverantworten, und er wollte über Phillipe Huber (früher Kentaro) den Verteidiger Silvan Hefti in England verkaufen lassen. Im zweiten Halbjahr 2017 waren fast keine Geschäfte ohne Roths Zustimmung möglich, es hiess, er habe das Sagen. Mit der neuen Führung verliess Roth den Club, heute arbeitet er wieder Vollzeit bei seinem Mentor Dölf Früh.

Brigitta Mettler

Brigitta Mettler (Bild: Beat Belser)

Brigitta Mettler (Bild: Beat Belser)

Brigitta Mettler wurde als erste Frau 2015 in den Verwaltungsrat des FC St.Gallen gewählt – Dölf Früh sei Dank, weswegen er ihrer Stimme im Gremium sicher sein konnte. Fehler ihrerseits sind fast keine offenkundig. Aber Mettlers Unterschrift unter die modifizierten neuen Verträge der Junioren Dennis Vanin und Noah Blasucci zeugt eben doch davon, dass sie die internen Vorgänge wenn nicht mitgetragen, dann zumindest hingenommen hat. Mettler ist heute als Unternehmensberaterin tätig und in Gossaus Stadtparlament.

Donato Blasucci

Der Spielerberater Donato Blasucci blieb im FC St.Gallen – wie einst in Bellinzona oder Luzern – ein Phantom. Dölf Früh vertraute ihm, auch mit Marco Otero verstand er sich bestens. Blasucci hat jeweils nach Vertragsunterzeichnungen seiner Mandanten Geld erhalten, meist wurden die in Rechnung gestellten Dienstleistungen anstandslos bezahlt, wie Recherchen ergaben. Wie gross sein Profit war, ist ungewiss. Unter Präsident Hüppi ist die Zusammenarbeit beendet – Blassucci muss auf «Clubsuche».

Stefan Hernandez

Stefan Hernandez (Bild: Michel Canonica)

Stefan Hernandez (Bild: Michel Canonica)

Aus der Perspektive des Fussballs kam Stefan Hernandez aus dem Nichts, und er verschwand im Nichts. Als Präsident war der Spanier schnell überfordert, intern hatten andere das Sagen, immerhin war er bei Transferverhandlungen dabei. Den Ruf, von Früh instrumentalisiert zu werden, wurde Hernandez nie los. Im Nachhinein wirken seine Interviews seltsam und realitätsfremd. Hat er tatsächlich von vielem nichts gewusst? Opferrolle hin oder her: Auch wegen seiner Unterschrift leidet der FC St.Gallen.

Roger Zürcher

Roger Zürcher (Bild: (Urs Bucher))

Roger Zürcher (Bild: (Urs Bucher))

Roger Zürcher ist der «Vater» des Nachwuchsprojektes Future Champs Ostschweiz. Er galt als guter Ausbildner und solider Schaffer. Vier Jahre nach dem Start von FCO reichte Zürcher Anfang 2015 unter dem immer grösser werdenden Druck und zermürbt von den vielen Diskussionen um fehlende junge talentierte Spieler die Kündigung ein. Es folgten weitere Abgänge, auch Patrick Winkler musste gehen. Zürcher fand schnell einen neuen Job. Bei der Update Fitness AG arbeitet er in leitender Funktion.

Marco Otero

Marco Otero

Marco Otero

In Basel kam es nicht gut für Marco Otero, bei den Grasshoppers auch nicht. Und nun im FC St.Gallen als technischer Leiter von Future Champs Ostschweiz ebenfalls nicht. Unter Otero liefen die Dinge aus dem Ruder, Spesenrechnungen zum Beispiel oder Honorare für Beratungen, die er beanspruchte. Von personellen Wechseln ganz zu schweigen. Das interne Klima wurde unter der Gruppe Otero vergiftet, das Minus im Nachwuchs grösser – ob der FC St.Gallen ihn tatsächlich bis Sommer 2019 bezahlen muss?

Ferruccio Vanin

Ferruccio Vanin (Bild: Urs Bucher)

Ferruccio Vanin (Bild: Urs Bucher)

Ferruccio Vanin blickte meist mit Unschuldsmiene in den Raum – und fühlte sich als Opfer einer Medienkampagne. Doch ist einer, der als Verwaltungsrat und CEO des Nachwuchs alles mitträgt und spätnachts Journalisten anruft, tatsächlich unschuldig? Bis Ende August hat der Goldacher für einen sauberen Übergang zu sorgen, ehe er den Verein verlassen muss. Fakt ist: Vanin hat vom System profitiert, wenn er es auch nicht angeschoben hat; plötzlich und kurzzeitig war er die stärkste Figur in der FC St.Gallen AG.

FC St.Gallen

In all der Zeit am meisten gelitten unter der Vetternwirtschaft und fehlenden Kompetenz hat der FC St.Gallen. Er wird das zweite Jahre in Folge mit einem Minus abschliessen, überdies fand an der Fan- und Sponsorenbasis eine Entfremdung statt. Wenn es etwas Positives neben dem starken dritten Tabellenrang an der ganzen Geschichte gibt, dann dies: Heute ist der Verein in besten Händen, mit Nichtegoisten, die das Herz am rechten Fleck haben. Doch der Preis, den zu bezahlen es gilt, ist ein hoher.


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