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Bekanntentreffen auf der Schützenwiese: Buess, Callà & Co. wollen St.Gallens Cupträume platzen lassen

Der FC St.Gallen muss am Freitag im Cup in Winterthur antreten. Vorab fünf Geschichten über Reizfiguren, Enttäuschungen und falsche Entscheide.
Christian Brägger
Präsident Matthias Hüppi würde den Cup am liebsten gewinnen, St.Gallens Trainer Peter Zeidler will in Winterthur einfach weiterkommen. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Präsident Matthias Hüppi würde den Cup am liebsten gewinnen, St.Gallens Trainer Peter Zeidler will in Winterthur einfach weiterkommen. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Am Dienstag lässt Trainer Peter Zeidler die Spieler schon das Penaltyschiessen üben. Derweil spricht Präsident Matthias Hüppi von einem «brutal wichtigen Spiel». Die Cuppartie der zweiten Hauptrunde zwischen Winterthur und dem FC St.Gallen hat es in sich, allein schon geografisch. Sie ist auch der ewige Vergleich in diesem Wettbewerb zwischen einem ambitionierten Challenge-League-Club und einem Super-League-Verein, der geradezu danach schreit, endlich wieder in die Nähe eines Titelgewinns zu kommen. Zusätzlich Brisanz verleiht der Affiche auf der legendären Schützenwiese ab 20 Uhr, dass in dem einen Team jeweils ein bisschen vom anderen drinsteckt.

Ralf Loose: Die Entlassung war unberechtigt

Im Sommer 2018 verblüffte Winterthur mit der Ernennung Ralf Looses zum Chefcoach. Der Deutsche war davor etliche Jahre in der Heimat tätig gewesen, bis heute gilt als sein Lebensmittelpunkt Liechtenstein, dessen Team er um die Jahrtausendwende als Nationaltrainer vorstand. Er sagt, eine Trainerwahl sei doch immer überraschend.

«Oder wissen Sie, wer in St.Gallen auf Zeidler folgen wird?»

Winterthurs Trainer Ralf Loose. (Bild: KEY)

Winterthurs Trainer Ralf Loose. (Bild: KEY)

Ein bisschen kauzig wirkt Loose schon, als er an diesem Mittwochnachmittag nach dem Training zum Gespräch erscheint. Loose ist kein Spektakelmacher und der ruhige, anständige, bedachte Loose geblieben, den man aus der Zeit im FC St.Gallen in Erinnerung hat. Er, der einst als Aktiver fünf Jahre lang in Dortmund vor 50'000 Zuschauern gespielt, später Augsburg oder Dynamo Dresden trainiert hat, arbeitet nun also im beschaulichen Winterthur. «Wir backen kleinere Brötchen, aber so spielt das Leben», sagt Loose. «Gönnen wir es Lucien Favre, dass da jemand aus der besinnlichen Schweiz Dortmund trainieren darf.»

Loose galt in St.Gallen als Coach der «alten deutschen Schule» und damit als einer, der den Fokus auf die Defensive legte. In der Saison 2005/06 hinterliess er in knapp neun Monaten bis zur Entlassung keine Spuren. Die St.Galler Zeit hat der 56-Jährige dennoch positiv in Erinnerung. Sein Team habe attraktiven und erfolgreichen Fussball gespielt, zumindest bis zu jenem Cupout in der ersten Runde gegen das unterklassige Küssnacht am Rigi, sagt er. «Ein Spiel, das man auch ohne Trainer gewinnen muss.»

Von dieser Niederlage erholte sich Loose nicht mehr, wenngleich er seine Freistellung bei den Ostschweizern bis heute als Fehler und unberechtigt sieht, da man ja Sechster gewesen sei.

«St.Gallen lebt immer ein bisschen in einer anderen Welt, es meint, es müsse stets Meister werden, wie es dies einmal im Jahr 2000 auch geschafft hat. Ich hatte ja noch den Spatenstich fürs neue Stadion gemacht. Damals hiess es, mit der neuen Arena hätten wir endlich Geld. Seither sind die Ostschweizer zweimal abgestiegen und auch nicht näher an die Sonne gekommen.»

Nun sei es vor allem schön, dass man sich wiedersehe, sagt Loose. Was für ein Spiel erwartet er? «Zeidler kommt von der Taktikschule, die mehr gegen den Ball als mit dem Ball spielt. Ich war selber Fussballer und habe lieber den Ball am Fuss.»

Boro Kuzmanovic: Der einstige Chef von Winterthur

Der FC Winterthur war eine wunderbare Zeit und bedeutete für Boro Kuzmanovic lange das Leben. Von 2004 bis 2014 hat er hier gearbeitet, die letzten fünf Jahre als Cheftrainer. Mit Erfolg, der Schnitt von 1,5 Punkten pro Partie ist ansehnlich, einmal gab es eine Serie von 14 Spielen ohne Niederlage. «In zwei Kalenderjahren holten wir 120 Punkte», sagt Kuzmanovic. Seine Bilanz als interimistischer Cheftrainer des FC St.Gallen: 0 Zähler in 5 Spielen. Heute ist der Serbe mit holländischem Pass den Winterthurern nicht mehr so verbunden, weiss aber um die nach wie vor hohen Ansprüche des Vereins: «Der Club sieht sich bei den Besten in der Challenge League – und damit in der Super League.»

Boro Kuzmanovic. (Bild: Benjamin Manser)

Boro Kuzmanovic. (Bild: Benjamin Manser)

Nach der Zeit in Winterthur ging Kuzmanovic bewusst einen Schritt zurück, Marco Otero, damals technischer Leiter bei Future Champs Ostschweiz, verpflichtete ihn als Nachwuchstrainer. Auch wenn Kuzmanovic dies oft hören musste, sah er sich aber nie als Teil jener streitbaren Gruppe um Otero. Schliesslich ging er zu den Grasshoppers und zum FC Zürich, bis die gemeinsame Geschichte mit Alain Sutter, der dem FC Winterthur kurzzeitig zur Seite gestanden hatte, in St.Gallen eine Fortsetzung fand.

Für Kuzmanovic stellt sich die Frage nicht, ob er irgendwo wieder einmal Cheftrainer sein will; diese Ambition gebe es derzeit nicht, sagt er. Die Haltung will der 56-Jährige auch als eine Art Selbstschutz verstanden wissen. Er sagt, wenn er solche Gedanken zuliesse, wäre nicht mehr voll bei der Sache. Und diese sei zu hundert Prozent der FC St.Gallen. «Aber klar. Die Qualifikation zum Cheftrainer hätte ich.»

Davide Callà: Die Fans verziehen ihm nie

Es ist wie oft in seiner Karriere, wieder einmal ist Davide Callà verletzt. Dieses Mal ist es die Wade, die seit dem ersten Meisterschaftsspiel zwickt und auch in der Woche des Cupspiels gegen St.Gallen die Teilnahme am Mannschaftstraining verunmöglicht. Einsam absolviert der rechte Mittelfeldspieler stattdessen mit dem Physiotherapeuten auf einem zweiten Trainingsplatz in Töss ein Aufbauprogramm. Trainer Loose sagt, er rechne für die Partie in keiner Weise mit Callà, «alles andere wäre ein Ablenkungsmanöver». Callà ist gebürtiger Winterthurer, hier hat seine durchaus gute Karriere begonnen, und hier wird sie aller Voraussicht nach sehr bald enden. Der Kreis schliesst sich, dem Fussball will Callà jedoch über die Zeit als Aktiver erhalten bleiben.

Der Winterthurer Davide Callà ist derzeit angeschlagen. Reizfigur für den St.Galler Anhang bleibt er dennoch. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Der Winterthurer Davide Callà ist derzeit angeschlagen. Reizfigur für den St.Galler Anhang bleibt er dennoch. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Die Rückkehr zum Stammverein war für den inzwischen 34-Jährigen ein Heimkommen nach den Jahren bei Basel, Aarau, den Grasshoppers, oder beim FC St.Gallen. Von 2005 bis 2008 spielte Callà für die Ostschweizer, es gab zwei Kreuzbandrisse, weswegen er etwa die Hälfte der Spiele verpasste, und es gab den Abstieg zum Schluss, verbunden mit dem sofortigen Wechsel zu den Grasshoppers. Er sagt: «St.Gallen war eine Station in meiner Laufbahn, die rückblickend weniger schön war, vor allem das Ende. Das kann man sich aber nicht aussuchen.»

Callà sieht jene Jahre dennoch als lehrreiche und reifte als Mensch, gerade weil er die Schattenseite des Fussballs kennenlernte. Auch will er in den vielen Verletzungen, die ihn ständig begleiteten, etwas Positives erkennen. «Ich habe nicht denselben körperlichen Verschleiss wie ein 34-Jähriger, der jede Saison durchspielt.»

Nie verziehen hat dem Fussballer der St.Galler Anhang die unmittelbare Abkehr zu den Grasshoppers nach dem Abstieg, und Callà sagt.

«Die St.Galler Fans interessieren mich nicht, schon gar nicht kann ich ihre einseitigen Gefühle beeinflussen. Ich jedenfalls empfinde nichts Spezielles für dieses Cupspiel. Jeder soll denken, fühlen, rufen und schreiben, was er will. Ich kann das nicht beeinflussen, es ist mir aber auch völlig egal.»

Roman Buess: Enttäuschung ja, sauer nein

Es entstand ein wenig Unruhe, als Roman Buess nach zweieinhalb Jahren im vergangenen Winter erfuhr, dass es für ihn in St.Gallen keine Zukunft gebe. Mit Buess traf es weitere Spieler, die schon länger im Club engagiert waren, auf die Sportchef Alain Sutter aber nicht mehr setzen wollte. Wohl auch, um sich von Altlasten zu befreien und das Team komplett selber zusammengestellt zu haben. Buess sagt: «Ich war wirklich enttäuscht von der Art und Weise, wie es in St.Gallen geendet hat. Denn ich war überzeugt, dass wir eine gute gemeinsame Zukunft hätten haben können. Aber sauer ich bin auf niemanden, Rachegelüste habe ich sowieso keine.»

Früher bei St.Gallen, jetzt für Winterthur im Einsatz: Roman Buess. (Bild: Freshfocus)

Früher bei St.Gallen, jetzt für Winterthur im Einsatz: Roman Buess. (Bild: Freshfocus)

Nach dem halbjährigen Abstecher zu Lausanne ist der Stürmer, der von der Agentur Bernhard Heuslers beraten wird, nun also in Winterthur gelandet. Mittelfristig möchte Buess gerne wieder in der Super League spielen, vielleicht sei dies sogar mit Winterthur möglich, sagt er. Dort wohnt er direkt neben dem Stadion, der Schützenwiese, die ein Hexenkessel sein kann. Im Club, der lange um ihn gebuhlt hat, fühlt er sich gut aufgehoben und vor allem erwünscht, und er braucht dieses volle Vertrauen, um auf dem Platz Leistung zeigen zu können. Der 26-Jährige sagt das zwar nicht, aber es war wohl genau dies, was ihm im FC St.Gallen zuletzt fehlte.

Gjelbrim Taipi: Der frühe Weggang als Fehler

Ein halbes Jahr spielte Gjelbrim Taipi für St.Gallen, dann folgte er übereilig dem Ruf von Trainer Murat Yakin, den er aus der gemeinsamen Zeit bei Schaffhausen kannte, zu den Grasshoppers. «Wow, Grasshoppers», dachte er. Doch bald einmal wusste er: «That was a big mistake!» Es ist dem Kosovaren ein Anliegen, jenen Wechsel als grossen Fehler zu bezeichnen. Unter Coach Giorgio Contini habe er in der Ostschweiz eine gute Zeit gehabt, bei den Grasshoppers nur so lange, als Yakin der Trainer war. Danach habe es viele Versprechen von den verschiedensten Trainern oder Sportchef Mathias Walther gegeben, die allesamt nicht eingehalten worden seien. Taipi sagt:

«Die Grasshoppers haben mich im Kopf kaputt gemacht.»

Gjelbrim Taipi spielte ein halbes Jahr für St.Gallen. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Gjelbrim Taipi spielte ein halbes Jahr für St.Gallen. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Die Situation des zentralen Mittelfeldspielers war so schlecht beim Rekordmeister, dass er im Sommer in der Super League nicht mehr unterkam. Und so machte Taipi lieber den Schritt zurück, versteht Winterthur mindestens im nächsten Halbjahr als Chance, um wieder nach Höherem zu streben, vielleicht auch wieder für die Nationalmannschaft Kosovos aufgeboten zu werden. Der 26-Jährige sagt: «Von hier aus haben es schon viele Profis in die weite Fussballwelt geschafft.»

Vier Siege bis zum Final

Peter Zeidler muss nach der dreiwöchigen Phase ohne Ernstkampf im Cupspiel gegen Winterthur auf Yannis Letard verzichten, der einen Bänderriss im Sprunggelenk auskuriert. Dafür stehen dem Trainer des FC St. Gallen die beiden neuverpflichteten Stürmer und in der Innenverteidigung endlich wieder Alain Wiss und Milan Vilotic zur Verfügung. Winterthur sei gefühlt ein Super-League-Club, sagt Zeidler. «Jeder kann rechnen, es braucht vier Siege bis zum Final. Zuerst wollen wir alles tun, um am Sonntag noch im Lostopf zu sein.» (cbr)

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