Beim FCSG konnte sich Cedric Itten wie ein Schmetterling entfalten – aber was macht der Nationalspieler nach dieser Saison?

Gegen Xamax erzielte Cedric Itten drei Tore für den FC St.Gallen. Er folgt damit auf Goran Karanovic, dem letztmals vor fünf Jahren dieses Kunststück für die Ostschweizer gelang. Die Frage aber ist: Wie lange bleibt der 23-jährige Itten noch Stürmer des FC St.Gallen?

Christian Brägger
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Cedric Itten kann gegen Xamax dreimal jubeln und erzielt die Meisterschaftstreffer 17, 18 und 19.

Cedric Itten kann gegen Xamax dreimal jubeln und erzielt die Meisterschaftstreffer 17, 18 und 19.

Bild: Eddy Risch/KEYSTONE

Dieses Bild der Verwandlung mag auf den ersten Blick gesucht wirken. Auf den zweiten passt die Metamorphose der unbedarften, kleinen Raupe zum stolzen, wunderschönen Schmetterling tadellos auf ihn: auf Cedric Itten. In Basel sahen sie einst sein Talent, wussten aber nicht, was sie mit dem jungen Stürmer anfangen sollten und wollten.

Der FC St.Gallen gab Itten Raum und Zeit

In St.Gallen liessen sie Itten, als er nach seiner Ankunft im Januar 2018 mit der Verpuppung begann, einfach werden und gaben ihm die Zeit, sich mit vielen Farben so bunt wie möglich selbst zu bemalen: und heute haben die Ostschweizer in ihren Reihen einen vielseitigen, 23-jährigen Topstürmer mit unglaublicher Strafraumpräsenz. Wenn es eines weiteren Nachweises hierfür bedurft hat, dann ist das Spiel vom Freitag gegen Xamax geradezu idealtypisch.

Wie Itten die Treffer eins, zwei und drei per Abstauber (Torriecher), Kopfball (Lufthoheit) und Direktabnahme (Schussgewalt, Technik) mit einem lupenreinen Hattrick erzielte und damit das Kunststück schaffte, das vor fünf Jahren Goran Karanovic letztmals gelang, wie er bei den Toren vier und sechs beteiligt war, das alles verdiente das Prädikat «Sonderklasse».

Itten und die Frage nach der Zukunft

Mit beiden Beinen steht Itten auf dem Boden, in Gesprächen mag er vielleicht nicht derselbe Gassenhauer sein wie auf dem Platz, aber er ist stets zuvorkommend, klar in den Aussagen. Dem Wesen entsprechend mochte er sich am späten Freitagabend nach seinem formidablen Auftritt nicht selbst loben und sagte:

«Wir können stolz sein auf unser Team, auf das Miteinander, das wir haben. Natürlich willst du als Sportler immer Erster werden, aber es war eine grossartige Saison.»

Im Durchschnitt trifft Itten mindestens in jeder zweiten Partie für St.Gallen, solche Werte wecken Begehrlichkeiten auf dem Markt; das Preisschild mit etwas über vier Millionen Franken könnte gerade in Coronazeiten ambitioniertere Vereine anlocken, die sonst in höheren Sphären aktiv sind. Zumal der Spieler in einem Jahr nach der EM teurer werden dürfte, falls er den 2021 auslaufenden Vertrag in St.Gallen jetzt verlängerte. Itten sagt:

«Ich habe mich voll und ganz auf die Saison konzentriert, alles andere wird danach angeschaut, dafür habe ich Berater. Aktuell kann ich also nichts zu diesem Thema beitragen. Ich habe hier ja noch einen Vertrag, doch im Fussball weiss man nie.»

Schmetterlinge haben es so an sich, verschiedene und die schönsten Blumen anzufliegen.

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Christian Brägger