FCSG-Trainer Peter Zeidler vor dem Auswärtsspiel in Sitten: «Bei Gegentoren sind alle elf Spieler schuld»

Nach der Niederlage im Cup-Achtelfinal treffen die Ostschweizer am Sonntag ab 16 Uhr gleich nochmals auf den FC Sion. Trainer Peter Zeidler über Fehlentscheide, den Formstand seiner Spieler und die Rückkehr ins Wallis.

Patricia Loher
Drucken
Teilen
Peter Zeidler und der junge Alessandro Kräuchi. (Bild: Michel Canonica)

Peter Zeidler und der junge Alessandro Kräuchi. (Bild: Michel Canonica)

Trotz der Enttäuschung des Vorabends: Am Tag danach wirkt St. Gallens Trainer Peter Zeidler nicht zerknirscht. «Taktisch habe ich Fortschritte ausgemacht», sagt der Schwabe 14 Stunden nach der 1:2-Niederlage nach Verlängerung im Cup-Achtelfinal gegen Sion. Schon am Sonntag trifft der FC St. Gallen in der Meisterschaft erneut auf die Sittener. Es ist die erste Rückkehr von Zeidler an die Seitenlinie im Tourbillon seit seiner Entlassung im April 2017. Selbst ein Walliser Fernsehteam hat den 56-Jährigen, der in Sitten hohes Ansehen genoss und einen Punkteschnitt von 1,93 pro Partie erreichte, rund um das Cupspiel in
St. Gallen besucht. Zeidler äussert sich zu acht Stichworten.

Die Nacht nach dem Cup

«Die Enttäuschung war gross. Und sie wurde nach der Auslosung noch grösser. Hätten wir zu Hause gegen Basel Ende Fe­bruar den Viertelfinal bestreiten können, wäre unser Stadion wohl fast ausverkauft gewesen. Der Cup war eines unserer grossen Ziele in dieser Saison. Doch wir planen in St. Gallen ja langfristig und können den Cupfinal demzufolge auch übernächstes Jahr noch erreichen.»

Nicht gegebener Penalty

«Nachdem ich mir das Spiel nochmals angesehen hatte, legte sich die Enttäuschung. Wir haben im Vergleich mit den vergangenen zwei Spielen taktisch Fortschritte gemacht, die Leistung der meisten hat gestimmt, und auch mit unserer Mentalität war ich zufrieden. Es war lange ein Spiel auf Augenhöhe. Kleinigkeiten haben den Unterschied ausgemacht. Spieler machen Fehler, Trainer machen Fehler. Und Schiedsrichter machen Fehler. Wir haben in der Schweiz gute Unparteiische, und Adrien Jaccottet ist auch so ein guter Ref. Aber es kann nicht sein, dass man in der 91. Minute einen derart klaren Penalty nicht pfeift.»

Videoschiedsrichter

«Ich will nicht zu sehr über den Schiedsrichter sprechen. Aber hätte er am Donnerstag die Möglichkeit gehabt, die Kung-Fu-Aktion von Christian Zock in der 91. Minute gegen Vincent Sierro anzusehen, hätte er auf Penalty entschieden. Es wäre das 2:1 und wohl die Entscheidung gewesen. Aber ich will den Sieg von Sion nicht schmälern.»

Viele Chancen, wenig Tore

«Leider stand Roman Buess vor seinem Tor knapp im Abseits. Da haben Schieds- und Linienrichter korrekt entschieden. Wir erarbeiteten uns insgesamt einige sehr gute Möglichkeiten, die wir leider nicht nutzten. Die nächste Stufe ist es, mindestens so oft zu treffen wie unser Gegner.»

Form von Captain Hefti

«Es gibt eine alte Regel, die besagt: Bei Gegentoren sind alle elf Spieler schuld. An einer Person können wir die Niederlage nicht festmachen. Natürlich war dann Silvan Hefti an den Gegentoren beteiligt. Doch Hefti ist erst 21-jährig, er ist Stammspieler bei uns und im U21-Nationalteam. Er reist in der Meisterschaftspause durch halb Europa und hat kaum freie Tage. Gegen Sion versuchte er mit seiner mentalen Stärke das Spiel von der Innenverteidigung aus noch zu drehen. Er übernahm die Initiative, schaltete sich in die Offensive ein und versuchte, das Team in diese Partie zurückzubringen.»

Der Wert von Barnetta

«Es war unglaublich, wie er sich während 120 Minuten reingehängt hat für das Team. Barnetta ist wohl gegen 15 Kilometer gelaufen. Ich ziehe den Hut vor solchen Leistungen. Er versuchte immer wieder, in die Tiefe zu gehen und selber in die Tiefe zu spielen. Barnetta hätte sich ein Tor oder zumindest ein Assist verdient gehabt. Er hat gezeigt, weshalb er in St. Gallen so beliebt ist, und ich hoffe, er wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Jetzt müssen wir ihn in den nächsten zwei Tagen in Eis packen, damit er wieder mit von der Partie sein kann.» (lacht)

Rückkehr ins Tourbillon

«Noch verspüre ich nichts Besonderes, wenn ich an das Spiel denke. Das könnte sich ändern, wenn ich die Berge und das Rhonetal sehe. Das Wallis ist ein schöner Flecken Erde. Aber es geht am Sonntag nicht um mich. Mit einem Sieg können wir den Vorsprung auf Sion auf neun Punkte ausbauen. Das ist das Einzige, was zählt. Angeschaut hab ich mir aber die Wetterprognosen: Es wird 17 Grad sein, und die Sonne scheint. Somit werden wir im Tourbillon auf einem guten Rasen spielen können.»

Christian Constantin

«Er ist nach dem Sieg in St. Gallen ein glücklicher Mann. Wir haben keine Probleme miteinander. Er hat mich verpflichtet, das werde ich ihm nicht vergessen. Natürlich wäre ich im Cupfinal 2017 gegen Basel gerne selber an der Seitenlinie gestanden.»

Aktuelle Nachrichten