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Barnetta-Sieg gegen Grasshoppers: das Spiel der vielen Antworten

Ja, Tranquillo Barnetta kann noch immer Spiele entscheiden. Nein, St.Gallen ist nicht heimschwach. Und ja, Peter Zeidler ist taktisch flexibel. Der 2:1-Sieg gegen die Grasshoppers hat viele Ungewissheiten rund um den FC St.Gallen beseitigt. Vorerst zumindest.
Ralf Streule
Hat eindrücklich bewiesen, was er noch immer draufhaben kann: Tranquillo Barnetta. Bild: Ralph Ribi

Hat eindrücklich bewiesen, was er noch immer draufhaben kann: Tranquillo Barnetta. Bild: Ralph Ribi

Jedes Spiel ist wichtig, pflegen Trainer zu sagen. Dasjenige am Samstagabend gegen die Grasshoppers schien für den FC St.Gallen dennoch eine grössere Bedeutung zu haben als manch eines zuvor. Gegen die Young Boys am Mittwoch war eine Niederlage programmiert, bei einem Misserfolg gegen die Zürcher «wäre es ungemütlich geworden», um es mit den Worten von Trainer Peter Zeidler zu sagen. Er wusste: Dieses Spiel, gegen einen bisher unterdurchschnittlichen Gegner, würden viele als Richtwert nehmen, wo der FC St.Gallen nach den Ausfällen von Cédric Itten und Nicolas Lüchinger steht. Daumen hoch oder Daumen runter? Die Ostschweizer beantworteten mehrere Fragen, die man sich rund um den Club zuletzt stellte, positiv.

Dejan Stojanovic: Note 5. Er hält sein Team nach der Pause im Spiel. Sonst selten geprüft. Stark mit dem Ball am Fuss.
Axel Bakayoko: Note 3,5. Ist sehr aktiv im Offensivspiel. Wirkt aber fast übermotiviert und verheddert sich oft in der Zürcher Abwehr.
Silvan Hefti: Note 5. In der Innenverteidigung der gewohnt sichere Wert. Präsent auch im Spiel nach vorne.
Leonel Mosevich: Note 4. Gutes Stellungsspiel, solides Zweikampfverhalten. Der Einfluss auf die Offensive ist aber klein.
Andreas Wittwer: Note 4,5. Lange kommt kaum ein Angriff über die linke Seite. Dann bereitet Wittwer sensationell das 2:1 vor.
Vincent Sierro: Note 4. Weniger auffällig als noch eine Woche zuvor gegen Lugano. Ihm unterlaufen zu Beginn viele Fehler.
Jordi Quintilla: Note 5. Viel Ballgefühl, viel Übersicht. Zeigt nach der Pause auch in der Verteidigung eine starke Partie.
Majeed Ashimeru: Note 4. Ist engagiert, aber zu Beginn mit für ihn ungewöhnlich vielen Fehlzuspielen.
Dereck Kutesa: Note 4,5. Zeigt sein Tempo und seine Gefährlichkeit. Ihm unterlaufen aber auch immer wieder Fehlzuspiele.
Roman Buess: Note 4,5. Bringt vor dem Tor zwar wenig Gefahr, kann aber den Ball halten, bis die Mitspieler in Position sind.
Nassim Ben Khalifa: Note 4,5. Lange Zeit blass. Bis er vor dem 1:1 mit einer perfekt getimten Flanke Barnetta ins Spiel bringt.
Tranquillo Barnetta: Note 6. Kommt nach der Pause und ist gleich der überragende Mann des Spiels. Zwei sehenswerte Tore. Er bringt den Umschwung.
Peter Tschernegg: Note 4,5. Er kommt für den verletzten Axel Bakayoko, ist unauffällig, lässt rechts aber nichts anbrennen.
Yannis Tafer: keine Note. Knapp zehn Minuten im Spiel – zu wenig für eine Bewertung.
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Ist Tranquillo Barnetta noch in Form?

Natürlich, dem St. Galler gehört der erste Platz in dieser Auflistung. Der 33-Jährige zeigte nicht weniger als sein weitaus bestes Spiel für die Ostschweizer seit seiner Rückkehr vor eineinhalb Jahren. Nach einem mutlosen Auftritt der St. Galler in der ersten Hälfte kam er nach der Pause ins Spiel – und dominierte es von A bis Z. Fast an jeder Offensivaktion war er beteiligt, kaum einen Fehler beging er. Es war ein überraschender Auftritt, in dem die alten Stärken des ehemaligen Internationalen wieder in voller Blüte standen: Übersicht, Vorwärtsdrang, Ballsicherheit und Kaltblütigkeit im Abschluss. Woher diese Rückkehr? Er sei immer bereit gewesen, meinte der Heimkehrer, der von Zeidler nur selten berücksichtigt worden war. Zwei sehenswerte Tore, davon ein akrobatischer Flugkopfball: Der Auftritt macht Lust auf mehr. Auch Zeidler war angetan. Vielleicht habe er zu lange gebraucht, um zu sehen, dass Barnetta ein ausgesprochener Wettkampftyp sei, so der Trainer.

Ist Zeidler taktisch flexibel?

Bei allen Lobeshymnen, die über Zeidler seit seiner Ankunft in St.Gallen zu hören waren: In einer Sache war man sich nicht ganz sicher. Wie variantenreich ist sein Spiel? Als Sion-Präsident Christian Constantin den Deutschen 2017 vom Traineramt enthob, soll er in eben diesem Punkt Schwächen ausgemacht haben. Die Wende zu Gunsten der Ostschweizer war am Samstag nicht nur dem überragenden Barnetta, sondern auch einem Systemwechsel nach der Pause zu verdanken. Aus dem 4-3-3 wurde ein 4-4-2, das massierte Mittelfeld stellte die Zürcher sichtlich vor Probleme. Auch wenn es nur eine kleine Umstellung war: Zeidler scheint hier an den richtigen Schrauben gedreht zu haben.

Reicht den St.Gallern die Kraft bis zum Schluss?

Gegen den FC Thun und gegen Lugano konnte man kaum ein anderes Fazit ziehen: Den St. Gallern geht ob des aufwendigen Spielstils gegen Ende einer Partie die Luft aus – auch wenn Zeidler immer von einer Frage der Konzentration und nicht der Kraft sprach. Gestern drehten die St. Galler die Geschichte für einmal um. Sie kamen gegen Ende immer besser ins Spiel. Viel eher waren es die Zürcher, die ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollten. Was den Ostschweizern nun noch fehlt: Eine restlos überzeugende Leistung über 90 Minuten. Wobei: Welchem Team ausser den Young Boys gelingt dies in der Super League schon?

Wird St.Gallen wieder zur «Heimmacht»?

Verkrampft sich der FC St. Gallen im Heimstadion, hat er gar einen Heimkomplex? Dies hatte man befürchtet nach den Niederlagen gegen Sion und Luzern sowie den unkonzentrierten Schlussphasen gegen Lugano und Thun. Ausgerechnet! Schliesslich will man unter der neuen Führung wieder zur «Heimmacht» werden, wie es Präsident Matthias Hüppi oft betonte. Ein Schritt in eine bessere Richtung war das Spiel am Samstag. Es zeigte, welche Begeisterung der FC St.Gallen (und Barnetta) auslösen kann.

Verkraftet St.Gallen Ittens Ausfall?

Der Ausnahmestürmer fehlt. Das zeigte sich in der ersten Halbzeit, als die St. Galler Offensive kaum einen Ball verwerten konnte. Itten hatte eine natürliche Präsenz ausgestrahlt, die kein anderer Offensivspieler St. Gallens im gleichen Ausmass mitbringt. Immerhin: Was die Tore angeht, sprang am Samstag Barnetta ein. Und mental scheint St.Gallen Ittens Ausfall weggesteckt zu haben.

Gehört der Club zu den Topteams der Liga?

Bei einer Niederlage gegen die Grasshoppers hätte man wohl in St.Gallen daran gezweifelt. Aus einem zweiten wäre innerhalb einer Woche ein sechster Platz geworden. Nun sieht die Momentaufnahme nach dem ersten Saisonviertel vielversprechender aus. Aber die St.Galler wissen: In der engen Liga geht es schnell, nach oben und unten.

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