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BANKROTTERKLÄRUNG: Nur 1:2 – aber zwischen YB und St.Gallen liegen Welten

Kein Wunder von Bern. Der FC St. Gallen verliert den Viertelfinal gegen die Young Boys und muss einen möglichen Cupsieg auf die nächste Saison verschieben. Trotz der knappen Niederlage ist er chancenlos.
Christian Brägger, Bern
Der Ball landet zum 2:0 für die Young Boys im St. Galler Netz. Silvan Hefti kommt zu spät. (Bild: Keystone)

Der Ball landet zum 2:0 für die Young Boys im St. Galler Netz. Silvan Hefti kommt zu spät. (Bild: Keystone)

Lediglich 0:1 lag der FC St. Gallen im Cup-Viertelfinal beim Leader der Super League zurück; zur Halbzeit war dies anhand des Gebotenen das einzig Gute. Das Schlechte daran war: Wie um Himmels Willen wollte er in den zweiten 45 Minuten gegen die Young Boys einen Treffer erzielen? Gegen diese Berner, die im Stade de Suisse das Tor des starken Dejan Stojanovic nahezu im Minutentakt belagerten, aber bisweilen an der Chancenauswertung und eigenen Verspieltheit scheiterten? Es blieb die Hoffnung, dass die Mannschaft von Trainer Adi Hütter nachlassen würde. Auch schöpfte man Kraft daraus, dass im Cup der Challenge-League-Club Winterthur vor einem Jahr an selber Stätte ebenfalls zuerst krass unterlegen war, dann ein 0:2 noch in den Sieg umwandelte – und damit überraschend in den Halbfinal einzog.

Dejan Stojanovic: Note 5. Bester St. Galler, ein guter Ersatz für Lopar. Beim ersten Gegentor machtlos, beim zweiten mit Pech. (Bild: pd)
Danijel Aleksic: Note 3,5. Ein Freistoss (56.) genügt seinen Ansprüchen hoffentlich nicht. Taucht im Schnee von Bern ab. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 3. Wehrt im eigenen Sechzehner eine Grosschance (38.) mit der Hand ab. Ist extrem im Formtief. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 3. Von ihm muss einfach mehr kommen auf der Position hinter den Spitzen. Kein Einfluss aufs Spiel. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 3,5. Bereitet den Anschlusstreffer vor. Ein Abschluss nach wenigen Minuten, aber auf verlorenem Posten als einzige Sturmspitze. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 3,5. Immer wieder zögerlich und hüftsteif. Bei beiden Gegentreffern kommt er irgendwie zu spät. Erzielt aus dem Nichts das 1:2 (86.). (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 3,5. Einige gute Pässe, doch stand er defensiv auch schon besser. Beim ersten Gegentor mitschuldig. (Bild: pd)
Philippe Koch. Kommt für Lüchinger (75.). Zu kurz für eine Bewertung. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 2,5. Unglaublich viele Fehlpässe, nicht präsent. Hat Glück, dass YB aus seinem Lapsus nicht das 0:2 erzielt. (Bild: pd)
Nicolas Lüchinger: Note 4. Teilt aus, hat vor niemandem Angst (Sulejmani). Manchmal ein bisschen ungestüm, rotgefährdet. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4. Kommt nach der Pause für «Kuki». Erstes Spiel seit Sommer. Bemüht, kämpft. Nach Quillos Auswechslung wieder der Captain. (Bild: pd)
Peter Tschernegg. Note: 3,5. Kopfballchance zum 2:2. Sonst wenig Wirkung. Wie die anderen St. Galler oft ein Schritt zu spät. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3,5. Von ihm ist wenig zu sehen. Hat wie seine Mitspieler die flinken YB-Offensivkräfte nicht im Griff. (Bild: pd)
13 Bilder

Die Noten der FCSG-Spieler im Cup-Viertelfinal gegen YB


Doch St. Gallen ist nicht

Winterthur, und die aktuelle Ausgabe der Young Boys hat nichts oder zumindest wenig mit jener der Vorsaison gemein. Nur die Schlussminuten erinnerten an die Fragilität jenes Teams, insbesondere als Karim Haggui in der 86. Minute wie aus dem Nichts einen Kopfball verwertete. Und sich St. Gallen somit völlig unerwartet doch noch anschickte, den 0:2-Rückstand aufzuholen, den es sich in der 63. Minute durch den Treffer von Roger Assalé eingehandelt hatte; der YB-Stürmer hatte bereits in der Startviertelstunde ein erstes Mal getroffen. Doch der Anschlusstreffer Hagguis änderte nichts mehr an der Faktenlage und damit am Ausscheiden im Cup; letztmals standen die Ostschweizer in der Saison 2014/15 in einem Halbfinal dieses Wettbewerbs, die Berner gar vor neun Jahren.


YB hat das Sieger-Gen, St. Gallen sucht es

Uneingeschränktes Selbstvertrauen und insbesondere das Sieger-Gen haben sich die Berner in dieser Spielzeit eingepflanzt, ein Gen also, das die St. Galler immer mal wieder suchen müssen. In Bern sollten sie es in dieser Partie nicht finden. Spätestens nach dem 0:2 wurde dies offenbar. Dabei hatte St. Gallens Trainer Giorgio Contini nach der Pause einen Weckruf namens Toko auf den Platz entsandt, der den ungenügenden Stjepan Kukuruzovic ersetzte. Toko spielte damit erstmals in dieser Saison nach überstandener Knieverletzung, doch auch er konnte nichts Grosses bewegen. Wie auch, wenn im Spiel der St. Galler, wie an diesem Abend, so viel fehlt.

Hütter sagte später: «Das Wichtigste in einem Cupspiel ist das Weiterkommen.» Und Contini sprach hinterher von einer verdienten Niederlage, der St. Galler Trainer hatte einige Unzulänglichkeiten seiner Mannschaft gesehen, vor allem in der ersten Halbzeit habe der Zugriff gefehlt. Und auch in der zweiten Halbzeit stand sie lange zu tief, erst mit Aufkommen von Schnee wurde dies besser. Doch da war es eigentlich schon zu spät.

Und so bleibt von der Reise nach Bern für die St. Galler wenig übrig. Immerhin konnten sie vom Gegner lernen, wie gefälliges Offensivspiel funktioniert, wie es ist, wenn man einen Lauf hat. Im Cup aber, da müssen auch die Berner noch zulegen für den Titelgewinn, vor allem das verwöhnte Publikum; 7500 Zuschauer sind definitiv zu wenig.

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