Auswärtsspiel in der Romandie
St. Gallen verschläft gegen Lausanne den Start, dreht dann auf - und verliert dennoch 3:4 +++ In der Tabelle wird es langsam ungemütlich

Der FC St. Gallen fährt ohne Punkte zurück in die Ostschweiz. Ohne Lukas Görtler und Betim Fazliji startet das Team von Peter Zeidler in Lausanne uninspiriert in die Partie. Dank einer starken Reaktion nach der Pause drehen die St.Galler ein 1:3 in ein 3:3, müssen aber dennoch als Verlierer vom Platz.

Ralf Streule
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Lucas Da Cunha legt die Basis zum Torspektakel6. Minute enteilt er der St. Galler Hintermannschaft und trifft zum 1:0 für die Lausanner.

Lucas Da Cunha legt die Basis zum Torspektakel6. Minute enteilt er der St. Galler Hintermannschaft und trifft zum 1:0 für die Lausanner.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Die Spielwertung

Sieben Tore, ein spannender Spielverlauf: Das Spiel im Stade de la Tuilière bietet viel Spannung. Die spielerische Qualität der Begegnung hält aber nicht ganz mit dem Unterhaltungsfaktor mit. Spielnote: 5

Die Tore

  • 1:0, 6. Minute, Lucas da Cunha: Im Mittelfeld kann Jordi Quintillà den Ball nicht kontrollieren. Da Cunha profitiert, umkurvt sowohl Yannis Letard wie auch Leonidas Stergiou - und schiebt locker ein.
  • 2:0, 16. Minute, Nikola Boranijasevic: Vor dem Strafraum wird Lucas da Cunha viel Zeit gelassen, über Toichi Suzuki kommt der Ball steil zu Boranijasevic, der aus spitzem Winkel trifft.
  • 2:1, 20. Minute, Basil Stillhart: Nach einem Eckball landet der Ball beim Sirnacher. Er zieht aus gut 20 Metern ab und hat Glück, das sein Schuss ins Tor abgelenkt wird.
  • 3:1, 34. Minute, Toichi Suzuki: Yannis Letard spitzelt einen Ball nach einem Tackling zurück auf Ati Zigi, der Goalie interpretiert dies nicht als Rückpass und nimmt den Ball in die Hände. Der Schiedsrichter hingegen entscheidet richtigerweise auf unerlaubten Rückpass - Freistoss im Sechzehner. Stjepan Kukuruzovic führt aus, Suzuki erbt den Abpraller vor Zigi und trifft.
  • 3:2, 50. Minute, Junior Adamu: Nach einem Eckball von Jordi Quintillà - der für St. Gallen sein 100. Spiel bestreitet - köpfelt Kwadwo Duah den Ball ins Zentrum, wo der erst in der Pause eingewechselte Adamu ebenfalls per Kopf trifft.
  • 3:3, 65. Minute, Victor Ruiz: Jérémy Guillemenot wird von den Beinen geholt im Strafraum, Ruiz versenkt sicher.
  • 4:3, 73. Minute, Toichi Suzuki: Es ist der Pass des Abends. Stjepan Kukuruzovic schickt Suzuki und hebelt damit die ganze St.Galler Abwehr aus. Der Japaner umspielt Zigi und trifft zum Endstand.

Die Spielanalyse

Eine Hiobsbotschaft gibt es bereits vor dem Spiel: Lukas Görtler und Betim Fazliji sind nicht rechtzeitig fit geworden für den Auftritt in der Romandie. Beide hatten sich im Spiel gegen die Young Boys verletzt - Görtler am Knöchel, Fazliji am Innenband. Während für sie baldige Einsätze wieder denkbar sind, hat es Boris Babic schwerer erwischt: Er laboriert an einer Muskelverletzung. Wie lange er pausieren muss, ist noch offen. Für Görtler und Fazliji rücken Tim Staubli und Yannis Letard in die Startaufstellung.

Die St. Galler scheinen zu Beginn des Spiels ob der wichtigen Absenzen verunsichert. Für einmal sind es nicht sie, die wie die Feuerwehr starten, sondern die Gastgeber aus Lausanne. Nach einer Minute bereits kann sich Ati Zigi mit einer starken Parade auszeichnen, er pariert einen Schuss von Toichi Suzuki, der alleine vor dem Goalie auftaucht. Doch nur fünf Minuten später liegen die St. Galler bereits in Rücklage. Lucas da Cunha tankt sich leichtfüssig durch die St. Galler Abwehr und schliesst trocken ab.

Nur zehn Minuten später wird Nikola Boranijasevic im Strafraum steil geschickt, er trifft aus spitzem Winkel in den Netzhimmel - 2:0.

Nikola Boranijasevic erzielt das Tor zum 2:0 aus spitzem Winkel.

Nikola Boranijasevic erzielt das Tor zum 2:0 aus spitzem Winkel.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Erst danach finden die Ostschweizer in die Partie. Nach einem Eckball kann Basil Stillhart aus rund 20 Metern abziehen. Mit Wucht und etwas Glück - der Ball wird abgefälscht - landet sein Schuss im Tor zum 1:2.

Nun scheint das Team von Peter Zeidler das Spiel unter Kontrolle zu haben. Jérémy Guillemenot bringt alleine vor Goalie Mory Diaw den Ball nicht unter Kontrolle und wird kurz vor dem Abschluss entscheidend gestört - der Penaltypfiff aber bleibt aus. Lausanne kommt nur noch selten vors Tor der St. Galler. Dennoch gelingt ihnen ein weiterer Treffer. Nach einem Rückpass von Yannis Letard nimmt Ati Zigi den Ball in die Hände. Den fälligen Freistoss im Strafraum tritt der ehemalige St. Galler Stjepan Kukuruzovic, Ati Zigi pariert zunächst, Toichi Suzuki verwertet den Abpraller.

Dieses Tackling von Yannis Letard wird zum Rückpass auf Ati Zigi - und steht am Anfang des 3:1.

Dieses Tackling von Yannis Letard wird zum Rückpass auf Ati Zigi - und steht am Anfang des 3:1.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Nach der Pause kommt Junior Adamu auf der rechten Seite für Tim Staubli. Nur fünf Minuten braucht er, um das Anschlusstor zu erzielen. Nach einem Corner von Jordi Quintillà trifft er per Kopf zum 2:3. Ganz grundsätzlich scheinen die St. Galler jetzt besser im Spiel - sie kommen, vornehmlich über Youan auf der linke Seite, zu weiteren Möglichkeiten. Der Ausgleich dann fällt nach einem Foulpenalty. Jérémy Guillemenot wird gefoult, Victor Ruiz verwandelt souverän zum Ausgleich.

Victor Ruiz verlädt Lausannes Goalie Mory Diaw.

Victor Ruiz verlädt Lausannes Goalie Mory Diaw.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Doch das war es noch immer nicht: Im nun ausgeglichenen Spiel wird plötzlich Toichi Suzuki steil geschickt. Er umkurvt Ati Zigi stark und bringt die Romands wieder in Front. Beim 3:4 bleibt es, da Zeidlers Mannschaft nur noch zu wenigen zwingenden Chancen kommt.

Für die Ostschweizer bedeutet dies: Sie verlieren in dieser Saison erstmals gegen die Lausanner und fallen in der Tabelle hinter das Team vom Giorgio Contini auf den siebten Platz zurück. Luzern kann morgen im Spiel gegen Sion ebenfalls an den St. Gallern vorbeiziehen. Zum xten Mal in den vergangenen Wochen schaffen sie es nicht, sich in einem ausgeglichenen Spiel Punkte zu sichern - mittlerweile stehen sie bei zwölf Spielen in Folge mit nur zwei Siegen und drei Unentschieden. Die gute Nachricht: Nun steht die zweiwöchige Nationalmannschaftspause bevor. Zeit für das Team, sich aufzurappeln. Und Zeit für die angeschlagenen Spieler, wieder in Form zu kommen.

Der Beste

Am ehesten stemmt sich, besonders in der ersten Halbzeit, Elie Youan gegen die sich anbahnende Niederlage. Auch nach der Pause macht der Franzose über links immer wieder Dampf.

Der Schlechteste

Yannis Letard macht im Defensivzentrum keinen sicheren Eindruck. Auch Tim Staubli kommt als Görtler-Ersatz nicht auf Touren - und wird in der Pause ausgewechselt.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Er pariert einige Male stark – bei den Gegentoren hat er dann wenig Abwehrchancen. Einen Aussetzer hat er, als er Yannis Letards Rückpass in die Hände nimmt. Der fällige Freistoss führt zum 3:1.
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Miro Muheim: Note 4,5. Über ihn und Youan läuft in der Vorwärtsbewegung viel. Defensiv meist auf der Höhe.
Yannis Letard: Note 3. Beim 0:1 sieht er schlecht aus. Auch danach nicht immer ballsicher.
Leonidas Stergiou: Note 4. Lässt sich beim 0:1 ebenfalls zu leicht düpieren. Danach verbessert.
Basil Stillhart: Note 4. Defensiv nicht mehr gleich sicher wie gegen die Young Boys. Bringt die St.Galler mit dem 1:2 aber zurück ins Spiel.
Tim Staubli: Note 3,5. Kommt als Ersatz für Lukas Görtler auf der rechten Seite nur wenig zur Geltung. Muss in der Pause raus.
Jordi Quintillà: Note 4. Sicherer Wert im Mittelfeld, mit Eckbällen gefährlich. Aber ohne überragende Aktionen aus dem Spiel heraus.
Thody Élie Youan: Note 4,5. Von Beginn weg einer der besten St. Galler. Immer wieder mit Vorstössen über links.
Victor Ruiz: Note 4. Sehr bemüht und lauffreudig, starker Penalty. Aber mit weniger Einfluss als noch gegen YB.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Er holt zwar den Penalty heraus. Agiert in der Offensive aber oft etwas zu umständlich.
Kwadwo Duah: Note 3,5. Schöner Assist zum 2:3. Sonst ist er aber nur selten zu sehen.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 4. Er kommt in der Pause und trifft schon nach fünf Minuten. Danach nur noch wenige Aktionen.
Salifou Diarrassouba, Note: 4. Kommt 15 Minuten vor Schluss. Er fügt sich mit viel Schwung in die Partie ein, entscheidende Aktionen aber fehlen.
Euclides Cabral, Note: 4. Auch er: Viel Engagement nach seiner Einwechslung, kann aber dem Spiel keine Impulse geben.
Nsana Simon: keine Note. Kommt vier Minuten vor Schluss zu seiner Premiere.
Nsana Simon: keine Note. Kommt kurz vor Schluss.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Er pariert einige Male stark – bei den Gegentoren hat er dann wenig Abwehrchancen. Einen Aussetzer hat er, als er Yannis Letards Rückpass in die Hände nimmt. Der fällige Freistoss führt zum 3:1.

Aufgefallen

Es ist kalt im Stade de la Tuilière. Und noch kälter wird es kurz vor dem Spiel: Als die Bewässerungsanlage für den Kunstrasen zu arbeiten beginnt, wird der Wasserstrahl vom Nordwind in Richtung Haupttribüne geblasen. Medienleute flüchten, Kameraleute packen ihre Geräte ein.

Gleich darauf eine weitere skurrile Situation: Im neuen Stadion wird mit Licht-Blitzgewitter und kräftigem Sound Stimmung gemacht, als die Spieler aufs Feld laufen. Eindrücklich, irgendwie. Doch: Für wen?
0 Zuschauer kommen in den Genuss dieses Anfangsspektakels.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: Wir sind zweimal grandios zurückgekommen - wir müssten vor der Pause sogar das 2:2 erzielen, erhalten aber das 1:3. Nach dem 3:3 dachte ich dann, wir kehren das Spiel. Und dann kommt ein tödlicher Pass, wir liegen wieder zurück. Danach konnten wir nicht mehr reagieren. Leider waren wir zu Beginn - und auch danach immer mal wieder - zu unkonzentriert. Und wenn man vier Tore bekommt, muss man sich nicht wundern, wenn man verliert. Natürlich hätten wir uns vor der Nationalmannschaftspause ein besseres Resultat gewünscht. Doch wir verlieren die Ruhe jetzt nicht - wir wussten, dass wir auch einmal eine solche Phase überstehen müssen. Und wir sehen, dass wir jeden Gegner dominieren können - nur müssen wir das im Spiel über eine längere Zeit schaffen. Wir werden aber wieder zurückkommen. Das kann ich versprechen.

Giorgio Contini, Trainer Lausanne: Ich bin sehr zufrieden mit diesem Spiel und mit unseren vier Toren - zumal man mir gerne attestiert, ein Defensivkünstler zu sein, Wir haben es geschafft, das zu machen, was man gegen St.Gallen machen muss: Wir wollten dem Gegner den Platz und die Räume nicht geben, die er braucht, um sein Spiel zu spielen. So konnten wir seine Qualitäten vor allem zu Beginn im Keim ersticken. Nach der Pause hatten wir eine unerklärlich schwache Phase, liessen St.Gallen die Oberhand gewinnen. Das macht die Ostschweizer stark: Sie ziehen ihr Spiel durch, lassen nie nach. Wenn du nur ein bisschen Gas wegnimmst, bist du schon unter Druck. Dennoch konnten wir immer wieder Nadelstiche setzen.

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