AUSWÄRTSNIEDERLAGE: Nahe dran im Tessin

Der FC St.Gallen verliert in Lugano unglücklich mit 2:3. Die erste Niederlage unter Trainer Giorgio Contini ist aber eine mit Lichtblicken: Die St.Galler zeigen in der zweiten Halbzeit eine starke Reaktion.
Ralf Streule/Lugano
Doppeltorschütze Davide Mariani im Zweikampf mit den St.Gallern Marco Aratore und Nzuzi Toko. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Doppeltorschütze Davide Mariani im Zweikampf mit den St.Gallern Marco Aratore und Nzuzi Toko. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Es waren zwei Teams im Aufwind, die sich im Cornaredo gegenüberstanden. Da St.Gallen, das sich zuletzt mit zwei Siegen seit dem Trainerwechsel Luft verschafft hat. Dort Lugano, das sich in den vergangenen Runden auf den vierten Platz gehievt hatte. In der Anfangsphase aber war von den zwei aufstrebenden Teams wenig zu sehen: Fehlpässe und technische Probleme bei der Ballannahme deuteten eher auf Nervosität hin. Lange lösten sich die taktischen Fesseln nicht. Nach 90 Minuten aber durfte man feststellen: Es war ein unterhaltsamer Abend, mit fünf Toren, einem frechen Lugano – und einem FC St.Gallen, der sich trotz 2:3-Niederlage gute Noten verdient hat. Als die St.Galler Spieler am Ende der Partie den gut 100 mitgereisten Fans dankten, sagte ihre positive Körpersprache vieles aus über die Partie.

Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie sieht beim 1:0 aus der Distanz von Davide Mariani unglücklich aus – der Flatterball ist aber schwer zu halten. Bei den anderen beiden Gegentoren ohne Chance. Versucht zunehmend, sich im Aufbauspiel zu beteiligen, anstatt überhastet mit einem hohen Ball zu befreien. (Bild: PD)
Karim Haggui: Note 4. Der Innenverteidiger ist als Organisator der Defensive solid, hält dank seinem Stellungsspiel auch die schnellen Tessiner Offensivkräfte in Schach. Nach vorne mit wenigen Impulsen. (Bild: PD)
Silvan Hefti: Note 5. Eine seiner stärksten Partien. Ist im Zweikampf mit Ezgjan Alioski meist Sieger. Bringt vor allem in der zweiten Halbzeit mit mutigem und fintenreichem Spiel nach vorne viel Gefahr. (Bild: PD)
Roy Gelmi: Note 4. Bei ihm ist offensichtlich, dass er als Innenverteidiger weniger Freiheiten hat als zuvor im defensiven Mittelfeld. Spielt seinen Part in der Defensive aber solide. (Bild: PD)
Andreas Wittwer: Note 3. Defensiv und kämpferisch ansprechend, verhindert kurz vor Schluss das 2:4, als er Alioski am Torschuss hindert. Als Aussenverteidiger muss er aber noch mehr Überraschendes in der Vorwärtsbewegung bieten. (Bild: PD)
Nzuzi Toko: Note 5. Mit seinem sehenswerten Tor aus der Distanz zum 2:2 setzt er das i-Pünktchen auf eine starke Leistung. Physisch präsent, läuferisch stark – und mit einigen entscheidenden Aktionen im Spiel nach vorne. (Bild: PD)
Sejad Salihovic: Note 5. Strahlt viel Ruhe und Spielfreude aus, kann den Platz für kreative Ideen nützen. Gegen Ende aber fehlt ihm die Kraft, um noch mehr dagegenzuhalten. (Bild: PD)
Marco Aratore: Note 3. Läuferisch wie immer engagiert, ihm gelingt aber nichts Entscheidendes. Hat weniger Einfluss aufs Spiel als auch schon. (Bild: PD)
Danijel Aleksic: Note 3. Er deutet seine technische Klasse hinter der Spitze einige Male an. Verpasst alleine vor Mirko Salvi das 1:2 noch vor der Pause. Seine Schussversuche und Freistösse sind aber an diesem Abend nie gefährlich. Wird nach der ersten Halbzeit ausgewechselt. (Bild: PD)
Roman Buess: Note 3. Seine scharfe Hereingabe verwertet Dragan Mihajlovic ins eigene Tor zum St.Galler Anschlusstreffer. Als alleinige Sturmspitze aber oft auf verlorenem Posten, kann sich selten in Szene setzen. (Bild: PD)
Yannis Tafer: Note 3. Der erste Schussversuch der St.Galler stammt von ihm. Und beim 1:2 setzt er Dragan Mihajlovic beim Eigentor unter Druck. Kommt aber in der restlichen Zeit nie richtig ins Spiel. (Bild: PD)
Albian Ajeti: Note 4. Wird erst in der Pause eingewechselt, hat in den 45 Minuten aber starke Momente. Behauptet den Ball konsequent. Verpasst mit einem Kopfball den Anschlusstreffer kurz nach der Pause. (Bild: PD)
Boris Babic: Zu kurz für eine Bewertung. Wurde kurz vor Schluss eingewechselt. (Bild: PD)
Kofi Schulz: Zu kurz für eine Bewertung. Wurde kurz vor Schluss eingewechselt. (Bild: PD)
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FC Lugano - FCSG: Die Noten der Spieler

0:2-Hypothek schon nach einer halben Stunde

Nachdem die Tessiner nach einer halben Stunde mit ihren ersten zwei Versuchen gleich auf 2:0 stellten, waren die Ostschweizer nur kurz geschockt gewesen. Sie überstanden ein Tessiner Furioso vor der Pause – und stemmten sich danach konsequent gegen die Niederlage, setzten die Luganesi unter Druck und kamen dank eines Tessiner Eigentors und eines Weitschusses durch Toko zum Ausgleich. Und auch nach Davide Marianis zweitem Tor des Abends zum 2:3 blieben die St.Galler dran. Hadern mussten sie höchstens mit der Chancenauswertung.

Die erste Niederlage im dritten Spiel unter Trainer Giorgio Contini nimmt der restlichen Saison des FC St.Gallen mehr oder weniger die Spannung, da die Europacup-Plätze wohl definitiv nicht mehr in Reichweite sein werden. Und dennoch ist es eine Niederlage, die Mumm geben kann. Weil sich die Mannschaft gegen die Niederlage stemmte, weil sie – wie kaum zuvor in dieser Saison – ein Zweitorerückstand kurzzeitig ausgleichen konnte. Weil sie, je länger die Partie dauerte, im Spielaufbau selbstbewusster wurde. Aber auch, weil einzelne Spieler hoffnungsvolle Leistungen zeigten.

Die Luganesi feiern ihre gute Leistung gegen den FCSG. (Bild: Keystone)
Jubel zum 2:0: Luganos Domen Crnigoj erzielte den zweiten Führungstreffer. (Bild: Keystone)
Die St.Galler Marco Aratore und Danijel Aleksic überlassen dem Luganesi Domen Crnigoj keinen Ball. (Bild: Keystone)
FCSG-Captain Nzuzi Toko jubelt nach dem Tor zum 2:2. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)
Kämpfen um jeden Ball: Der Espe Marco Aratore gegen Luganos Ezgjan Alioski. (Bild: Keystone)
Hartes Durchgreifen von St.Gallens-Captain Nzuzi Toko gegen Luganos Armando Sadiku. (Bild: Keystone)
Luganos Steve Rouiller versucht vor den Espen Yannis Tafer und Abian Ajeti an den Ball zu kommen. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)
Roman Buess ist die Enttäuschung anzusehen. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)
War nicht sein Abend: St.Gallens Trainer Giorgio Contini. (Andy Mueller/freshfocus) (Bild: Andy Mueller/freshfocus)
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St.Gallen unterliegt Lugano



Zum Beisipiel Silvan Hefti, dem eine seiner besten Partien gelungen ist – noch nie war er in der Vorwärtsbewegung so quirlig und mutig wie an diesem Abend. Oder Sejad Selihovic, dem gegen Ende der Partie zwar zunehmend die Kräfte fehlten, der aber im defensiven Mittelfeld viel Spiellust versprühte. Oder Toko, der physisch präsent war im Mittelfeld und Salihovic den nötigen Platz verschaffte. Nur eines fehlte am Ende: Ein Treffer, der den Ostschweizern einen verdienten Punkt im Tessin beschert hätte.

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