Ansage an die Meisterkonkurrenz: Der FC St.Gallen fegt Luzern mit 4:1 vom Platz und ist wieder Leader

Eigentlich gilt der FC Luzern ja als das Team der Stunde. Im Kybunpark hat er aber nicht den Hauch einer Chance. Der FC St.Gallen zeigt gegen die Zentralschweizer vor allem in der ersten Halbzeit einen fulminanten Auftritt - und sendet eine starke Botschaft an die Konkurrenz aus Bern und Basel.

Ralf Streule
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Nach zwei Unentschieden bejubelt der FC St. Gallen gegen Luzern wieder drei Punkte.

Nach zwei Unentschieden bejubelt der FC St. Gallen gegen Luzern wieder drei Punkte.

Bild: Ralph Ribi

Die Tore

  • 1:0, 10. Minute, André Ribeiro: Eine sehr sehenswerte Kombination führt zum Führungstor. Über Lukas Görtler kommt der Ball zu Jérémy Guillemenot, der mit Ribeiro einen doppelten Doppelpass spielt: Guillemenot-Ribeiro-Guillemenot-Riberio. Letzterer tunnelt Goalie Marius Müller zum 1:0.
  • 2:0, 27. Minute, Cedric Itten: Silvan Hefti setzt sich über rechts stark durch und bedient von der Grundline aus Itten, der trocken abschliesst.
  • 3:0, 29. Minute, Cedric Itten verwertet einen Freistoss von Jordi Quintillà per Kopf unhaltbar in die tiefe linke Goalecke. 
  • 4:0, 49. Minute, Jordi Quintillà: Nach einem Foul an Jérémy Guillemenot verwertet Quintillà den fälligen Penalty souverän.
  • 4:1, 59. Minute, Mark Marleku: Über links kann sich Pascal Schürpf durchsetzen, in der Mitte steht Marleku völlig frei. Sein Abschluss ist unhaltbar.

Die Spielanalyse

Ein Herbstspiel mitten im Sommer: Bei Regen und 15 Grad starten die Teams in die Partie, das garstige Wetter und das schnelle, unberechenbare Terrain beeindruckt die St. Galler wenig. Sie starten mit Druck, lassen dem Gegner kaum Zeit und kommen schon in den ersten Minuten mehrmals gefährlich vors Luzerner Tor, während die Zentralschweizer in der ersten Halbzeit nur gerade eine Torchance durch Francesco Margiotta zu verzeichnen haben. Die in den vergangenen Spielen thematisierte St. Galler Müdigkeit? Wie verflogen. Peter Zeidlers Team spielt sein Startfurioso wie zu den besten Zeiten vor der Coronapause. Vielleicht ist es ja sogar die beste Halbzeit der Saison für die St. Galler.

Der St. Galler Druck führt nach 10 Minuten zum herrlich herausgespielten 1:0 durch André Ribeiro, ausgerechnet durch ihn, der für den gesperrten Ermedin Demirovic in die Startaufstellung gerückt war.

St. Gallens Andre Ribeiro jubelt nach seinem 1:0. Nur 10 Minuten brauchte er für sein Tor bei seinem ersten Auftritt von Beginn weg.

St. Gallens Andre Ribeiro jubelt nach seinem 1:0. Nur 10 Minuten brauchte er für sein Tor bei seinem ersten Auftritt von Beginn weg.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Angstgegner Luzern? Team der Stunde Luzern? Das wirkte auch in der Folge nicht so. St. Gallen nahm auch nach dem Führungstreffer den Fuss nicht vom Gaspedal, eroberte sich Ball um Ball und wirkte weit agiler als die überraschend harmlosen uninspirierten Luzerner. Silvan Hefti leitete über rechts nach 27 Minuten das 2:0 durch Cedric Itten ein. Nur zwei Minuten später traf er ein weiteres Mal. Diesmal per Kopf nach einem Freistoss durch Jordi Quintillà.

Bald stellt sich nur noch eine Frage: Wird der FC Luzern auch dieses Mal wieder zurückkehren, wie bereits einige Tage zuvor gegen Lugano, als das Team von Fabio Celestini einen 0:3-Rückstand aufholte? Nichts deutet darauf hin. Auch wenn es die St. Galler in den letzten Minuten vor der Pause dann auch mal gut sein lassen mit dem Druck. Auch in der Defensive stehen sie so solid, lassen nichts anbrennen. Es ist die beste St. Galler Halbzeit seit der Coronapause.

Gleich geht es zunächst in der zweiten Halbzeit weiter. Schon fünf Minuten nach Anpfiff trifft Quintillà per Foulelfmeter zum 4:0. St. Gallen ist weiter am Drücker. Erst nach einer Stunde gibt es für die Luzerner ein Weckruf, das 1:4 setzt kurzzeitig etwas Energie frei, kurz muss man um die Ostschweizer bangen. Aber nur kurz. Bald nehmen die St. Galler das Heft wieder in die Hand, frische Kräfte in der Offensive mit Tim Staubli, Angelo Campos und Axel Bakayoko bringen die Ostschweizer am Ende dem 5:1 nahe. Es ist Silvan Hefti, der die grössten Chancen in der Schlussphase hat: Er trifft einmal nur den Innenpfosten, einmal rettet Marius Müller für die Luzerner.

30 Bilder
Jubel nach Spiel von Lukas Görtler.
Silvan Hefti am Ball.
Peter Zeidler nach dem Spiel.
Silvan Hefti
Angelo Campos
Jeremy Guillemenot
Vincent Rüfli
Angelo Campos, FC St. Gallen, und Lucas Alves, FC Luzern.
Vincent Rüfli
Vincent Rüfli und Axel Bakayoko
Cedric Itten

Ralph Ribi

Es ändert nichts an der guten Nachricht aus St. Galler Sicht: Die Ostschweizer sind wieder Leader. Und bis zum Meisterschaftsende sind nur noch fünf Runden zu spielen. Mit dem gestrigen Auftritt hat das Team von Peter Zeidler eine weitere Reifeprüfung abgelegt. Am Sonntag folgt das Spiel in Thun - in der Form vom Donnerstagabend sind die St. Galler klar zu favorisieren.

Der Beste

Zumindest in der ersten Halbzeit haben alle St. Galler Spieler Höchstnoten verdient. Mit zwei Toren herausragend ist Stürmer Cedric Itten. Auch Jérémy Guillemenot macht seine Aufgabe im Sturm sehr gut. Ist Vorbereiter des 1:0 und holt den Penalty heraus.

Der Schlechteste

Hier müssen wir passen. Kein St. Galler fällt ab.

Die Fans

Es ist die mittlerweile bekannte Coronakulisse im Stadion. 750 St. Galler Fans tun alles, um etwas Stimmung ins grosse Rund zu bringen. Sie haben einiges zu feiern. Nach einer halben Stunde gibt es die ersten stehenden Ovationen.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St. Gallen: Wir haben phasenweise sehr guten Fussball gezeigt. Die erste Chance hatten aber die Luzerner - hätten sie getroffen, wäre es für uns sehr schwer geworden. Die Jungs haben sich teilweise richtig in eine Flow gespielt. Wir wussten aber, dass wir auch nach dem 3:0 immer weiter machen mussten - Luzern hatte ja vor einigen Tagen einen 0:3-Rückstand gegen Lugano aufgeholt. Schön steht mit dem heutigen Spiel fest, dass wir zumindest Dritter sind und definitiv für die Europa-League-Qualifikation sind. Wir werden nun weiterhin von Spiel zu Spiel denken und die fünf verbleibenden Partien geniessen. Schade, können derzeit fast keine Zuschauer im Stadion sein. Bei Abenden wie heute ist das besonders bedauerlich.

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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Der FC St.Gallen setzt vor dem Endspurt in der Meisterschaft ein Zeichen: Die Ostschweizer binden ihren Erfolgstrainer Peter Zeidler sowie Sportchef Alain Sutter bis 2025. Präsident Matthias Hüppi erklärt, das Ganze sei kein finanzielles Abenteuer. Durch die langfristige Zusammenarbeit mit Sutter und Zeidler wolle man ein Signal an Fans, Sponsoren und Geldgeber aussenden.
Daniel Walt