Am Donnerstag berät der Schweizer Profifussball die nächsten Schritte – Komiteemitglied Matthias Hüppi sagt: «Ich erwarte harte Diskussionen»

Nachdem der Bundesrat für den Spitzensport Lockerungen angekündigt hat, berät am Donnerstag das Komitee der Swiss Football League das weitere Vorgehen. Komiteemitglied Matthias Hüppi erwartet alle Fakten auf dem Tisch. Noch ist ungewiss, wie es weitergeht. In der Zwickmühle sind alle Clubs, auch der FC Wil.

Patricia Loher und Ralf Streule
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Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen und Komiteemitglied der SFL.

Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen und Komiteemitglied der SFL.

Urs Bucher

13 Runden vor leeren Rängen? Ein spezieller Modus? Oder doch der Saisonabbruch? Nachdem der Bundesrat am Mittwoch für den Spitzensport Lockerungen angekündigt hat, berät das Komitee der Swiss Football League (SFL), dem auch St.Gallens Präsident Matthias Hüppi angehört, am Donnerstag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen.

Hüppi fordert Offenheit gegenüber neuen Ideen

Hüppi erwartet dabei alle Fakten auf dem Tisch, auch bezüglich der Schutzauflagen, die ein Club für Trainings und Geisterspiele zu erfüllen hat. Der 62-Jährige sagt:

«Es geht nun um den nächsten Spielzug. Wir müssen prüfen, ob es Lösungen gibt, die sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sind.»

Welche Position er im Komitee vertritt, mag Hüppi nicht sagen, er wolle seine Meinung zuerst im Gremium einbringen. Nur: «Ich erwarte harte Diskussionen. Wir alle müssen nun offen sein für neue Ideen. Es ist an der Zeit, grundsätzliche Fragen zu stellen.» Die SFL wird die Vorschläge nach der Videokonferenz den 20 Clubs unterbreiten.

Obwohl ab dem 11. Mai wieder Mannschaftstrainings zugelassen sind und der Bundesrat den Vereinen in Aussicht gestellt hat, ab dem 8. Juni Geisterspiele austragen zu können, hat die Politik eben doch auch einen Notausgang eingebaut: Am 27. Mai wird der Bund aufgrund des Pandemieverlaufs entscheiden, ob am 8. Juni denn auch tatsächlich wieder gespielt werden kann.

Bleibt Kurzarbeit bewilligt?

So stellt sich für die Clubs die Frage: Lohnt es sich, nun den Betrieb wieder hochzufahren, wenn er dann Ende Mai doch wieder gestoppt werden muss? Wären Geisterspiele wirtschaftlich überhaupt sinnvoll? Zudem ist ungewiss, ob Kurzarbeit noch möglich sein wird, sollten die Teams wieder spielen.

Die SFL hat beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco den Antrag gestellt, dass die Kurzarbeit bei Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs bewilligt bleibt. Denn Einnahmen generieren die Vereine bis auf weiteres keine. Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen sind bis Ende August untersagt.

Weber: «Schwierige Kostenrechnung»

Maurice Weber, Präsident des FC Wil.

Maurice Weber, Präsident des FC Wil.

Urs Bucher

Maurice Weber, Präsident des Challenge-League-Clubs FC Wil, spricht ebenfalls von einer schwierigen Kostenrechnung mit verschiedenen Variablen und Szenarien.

Bei der Frage, ob die Saison abgebrochen werden soll, spiele auch die Frage der Fernsehgelder eine grosse Rolle, vor allem für die Challenge-League-Clubs. Weber sagt:

«Fehlende Zuschauereinnahmen
könnten wir besser verkraften
als Super-League-Clubs.»

Sollten bei einem Saisonabbruch aber die TV-Gelder für die verbleibenden Spiele wegfallen, werde die Situation für Clubs wie den FC Wil definitiv existenziell. Man stecke in einer Zwickmühle – den einfachen Ausweg gibt es nicht. «Es dürfte nur wenige Clubs in Super- und Challenge-League geben, die nicht in einer ähnlich bedrohlichen Situation sind.»

Weber zeigt sich grundsätzlich vom Bund enttäuscht, der den Fussball stiefmütterlich behandle und dessen volkswirtschaftliches und emotionales Gewicht unterschätze. Er fragt:

«Wo bleibt unsere Lobby?»

Das Bild des topverdienenden Fussballers habe sich leider in die Köpfe eingebrannt – auch wenn es für den Schweizer Fussball in der Regel nicht zutreffe.