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Als Zamorano St.Gallen verzückte

FUSSBALL. Vor 25 Jahren erlebte der FC St.Gallen einen goldenen Herbst: Das Team mit den Chilenen Ivan Zamorano, Hugo Rubio und Patricio Mardones stürmte in die Herzen der Fans und wurde Wintermeister. Ein Blick zurück.
Daniel Walt
Der Chilene Ivan Zamorano war vor 25 Jahren die Attraktion beim FC St.Gallen. Später wurde der torgefährliche Angreifer bei Real Madrid zum Weltstar. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)

Der Chilene Ivan Zamorano war vor 25 Jahren die Attraktion beim FC St.Gallen. Später wurde der torgefährliche Angreifer bei Real Madrid zum Weltstar. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)

Im Espenmoos brachen alle Dämme. Nachdem der FC St.Gallen zur Pause noch 0:1 gegen die Berner Young Boys zurückgelegen hatte, führte ein 22-Jähriger im Alleingang den Umschwung herbei: Zwischen der 54.und der 58. Minute traf der völlig entfesselte Chilene Ivan Zamorano dreimal. Nach zwei weiteren Toren seines Landsmanns Hugo Rubio stand es schliesslich 5:1. Das Tagblatt berichtete nach diesem Samstagabend von einem "chilenischen Fussball-Feuerwerk" und stellte fest, die neue Tonleiter in St.Gallen laute "Za-mo-ra-no". Der "Blick" seinerseits, der Zamorano und Rubio schon zuvor als "Atom-Duo" bezeichnet hatte, legte nun mit der Bezeichnung "chilenischer Wirbelsturm" nach.

Ivan Zamorano erzielt gegen den FC Sion eins seiner vielen Tore für den FC St.Gallen. (Bild: Archiv)Ivan Zamorano erzielt gegen den FC Sion eins seiner vielen Tore für den FC St.Gallen. (Bild: Archiv)
Spitzenspiel im Dezember 1989 gegen Xamax: Ivan Zamorano liess sich im Espenmoos auch vom Schnee nicht stoppen. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Spitzenspiel im Dezember 1989 gegen Xamax: Ivan Zamorano liess sich im Espenmoos auch vom Schnee nicht stoppen. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Die Fans des FC St.Gallen hatten im Herbst 1989 einen unbestrittenen Liebling: Ivan Zamorano. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Die Fans des FC St.Gallen hatten im Herbst 1989 einen unbestrittenen Liebling: Ivan Zamorano. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Supertechniker Hugo Rubio wirbelte am Flügel und versorgte Ivan Zamorano mit Massflanken. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Supertechniker Hugo Rubio wirbelte am Flügel und versorgte Ivan Zamorano mit Massflanken. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Jung, dynamisch, treffsicher: Ivan Zamorano in Aktion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Jung, dynamisch, treffsicher: Ivan Zamorano in Aktion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Trainer Kurt Jara (rechts) mit seinem chilenischen Trio Patricio Mardones, Ivan Zamorano und Hugo Rubio (v.l.). (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Trainer Kurt Jara (rechts) mit seinem chilenischen Trio Patricio Mardones, Ivan Zamorano und Hugo Rubio (v.l.). (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Roger Hegi, damals Captain des FC St.Gallen, war der Denker und Lenker im Mittelfeld. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Roger Hegi, damals Captain des FC St.Gallen, war der Denker und Lenker im Mittelfeld. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Hugo Rubio wurde vom St.Galler Tagblatt schon nach seinem ersten Ernstkampf für Grünweiss als "Diamant" bezeichnet. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Hugo Rubio wurde vom St.Galler Tagblatt schon nach seinem ersten Ernstkampf für Grünweiss als "Diamant" bezeichnet. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Sie nannten ihn "Ivan, den Schrecklichen": Der Chilene Ivan Zamorano trifft gegen Sion-Goalie Stephan Lehmann. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Sie nannten ihn "Ivan, den Schrecklichen": Der Chilene Ivan Zamorano trifft gegen Sion-Goalie Stephan Lehmann. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Technisch gesehen war Hugo Rubio vermutlich der beste und kompletteste Spieler, der jemals für den FC St.Gallen im Einsatz war. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Technisch gesehen war Hugo Rubio vermutlich der beste und kompletteste Spieler, der jemals für den FC St.Gallen im Einsatz war. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Autogrammjäger bestürmen Ivan Zamorano bei einem Besuch in St.Gallen, nachdem er den Verein bereits verlassen hatte. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Autogrammjäger bestürmen Ivan Zamorano bei einem Besuch in St.Gallen, nachdem er den Verein bereits verlassen hatte. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Ein filigraner, wendiger Spieler: Hugo Rubio bei einem Gastspiel im alten Berner Wankdorf-Stadion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Ein filigraner, wendiger Spieler: Hugo Rubio bei einem Gastspiel im alten Berner Wankdorf-Stadion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
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Der FC St.Gallen im Zamorano-Hoch

Plötzlich ganz vorne dabei
"Der Herbst 1989 war die beste und schönste Zeit, die ich in meiner Karriere erlebt habe", sagt Roger Hegi. Der heutige Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft war vor 25 Jahren Captain des FC St.Gallen und erinnert sich gut an die Begeisterung, die in der Ostschweiz damals herrschte. "Das Espenmoos war ein Tollhaus, noch mehr als vorher und nachher. Es war für jeden Gegner schwer, nach St.Gallen zu kommen", sagt Hegi. Der FC, wenige Monate zuvor noch in den Abstiegskampf verwickelt, spielte plötzlich ganz vorne mit.

Auch Giuseppe Gambino, damals defensiver Mittelfeldspieler beim FC St.Gallen, schwärmt von der Atmosphäre, die rund um den Verein herrschte: "Mit unserer Kompaktheit und der frechen Art, nach vorne zu spielen, begeisterten wir die Region. Speziell war die Stimmung vor allem auch wegen der Südamerikaner in unserem Team."

Tore am Laufmeter
Der Saisonstart des FC St.Gallen war zunächst harzig verlaufen. Nach sechs Remis, zwei Niederlagen und nur einem Sieg setzten die Ostschweizer in der zehnten Runde ein erstes Ausrufezeichen. Mit 4:3 besiegten sie auswärts das übermächtig scheinende Xamax – vierfacher Torschütze: Ivan Zamorano. Nach zwei weiteren Remis folgte dann das 5:1 gegen YB. Auch die nächsten fünf Spiele gewannen die St.Galler.


(Quelle: srf.ch)

Geschätzte 8000 St.Galler Anhänger pilgerten in der Folge im November zum Spitzenspiel gegen das grosse GC in den Zürcher Hardturm – es ging vor über 20'000 Zuschauern mit 0:1 verloren. Trotzdem reichte es dem Team schliesslich zum inoffiziellen Titel des Wintermeisters: Auf schwer bespielbarem Espenmoos-Terrain besiegte der FC St.Gallen Anfang Dezember Xamax, das Team von Trainer Gilbert Gress, in einem weiteren Spitzenkampf mit 2:0. "Selbst auf Schnee versuchten wir, attraktiven Fussball zu bieten – und das erfolgreich", blickt Roger Hegi zurück.

Alles, was es für einen Stürmer braucht
Trainer des FC St.Gallen im Herbst 1989 war der Österreicher Kurt Jara. "Das war eine wunderbare Mannschaft mit aussergewöhnlichen Spielern, die gut zueinander passten", hält er fest. Roger Hegi sei der Kopf des Teams gewesen, sagt Jara, der seit Jahren ohne Trainerjob ist - und streicht die herausragende Rolle Ivan Zamoranos heraus: "Er hatte alles, was es für einen Stürmer braucht: Er war schnell, enorm kopfballstark und hatte eine brillante Schusstechnik." Auch der langjährige St.Galler Verteidiger Beat Rietmann - er arbeitet heute als Stadtingenieur - sagt: "Sehr viel hing von unseren Südamerikanern ab. Ich erinnere mich vor allem an wunderbare Spielzüge und Tore der uns tragenden Figuren." Schon damals habe man annehmen können, dass Ivan Zamorano eine grosse Karriere vor sich habe.

Kein Neid
Der damalige Libero Urs Fischer, heute Trainer des FC Thun, sagt: "Als Zamorano ein Jahr zuvor nach St.Gallen gekommen war, brachte er zunächst kein Bein vors andere. Doch dann fing er plötzlich an, Tore zu schiessen." Probleme damit, dass vor allem Zamorano und sein Landsmann Hugo Rubio glänzten, während anderen Spielern die Rolle von Wasserträgern zukam, gab es in diesem goldenen Fussballherbst 1989 nicht. Roger Hegi beispielsweise hält fest, er habe Fussball nicht zum Selbstzweck gespielt, sondern um Erfolg zu haben. Urs Fischer pflichtet ihm bei: "So ist Fussball – auch heute noch." Alle hätten vom damaligen Erfolg profitiert – er beispielsweise kam in jener Zeit zu seinen ersten Einsätzen in der Nationalmannschaft.

Viele Fans und das Angebot der Bayern
Die Resonanz, die der FC St.Gallen in jenem Herbst 1989 auslöste, war gewaltig. Über 11'000 Fans, satte 3600 mehr als vor Jahresfrist, kamen im Schnitt pro Spiel ins Espenmoos. Der FC St.Gallen stand damit schweizweit auf Platz 1 der Zuschauertabelle. Das Schweizer Fernsehen besuchte die Chilenen im Deutschkurs , und für die Schweizer Illustrierte tollten sie im Schnee herum. Die Leistungen des Vereins wurden speziell in Chile bewundert, und selbst europäische Spitzenclubs interessierten sich plötzlich für den kleinen FC St.Gallen. Nachdem der Verein die zunächst nur ausgeliehenen Ivan Zamorano und Hugo Rubio definitiv von Bologna übernommen hatte, klopften Bayern Münchens Manager Uli Hoeness sowie die Verantwortlichen der AS Monaco an, um den Chilenen zu verpflichten. Vergebens: "Vier Millionen Franken sind zu wenig", liess St.Gallen-Präsident Karl Hidber vor der Winterpause verlauten. Die St.Galler wollten den sportlichen Erfolg durch einen Verkauf Zamoranos nicht gefährden, der in 22 Spielen 17 Mal getroffen hatte.

Der Absturz im Frühling
In die zweite Saisonhälfte stieg der FC St.Gallen als ernsthaft gehandelter Titelkandidat. "Wenn der Verein einmal Meister werden musste, dann damals", sagt der damalige Spielmacher Roger Hegi auch heute noch. Es sollte aber anders kommen: Tore und Siege wurden weniger, die Automatismen spielten nicht mehr, und der "chilenische Wirbelsturm" verkam zu einem lauen Lüftchen. St.Gallen schaffte schliesslich nicht einmal die Qualifikation für den Uefa-Cup.

Was war passiert in der Winterpause? Beat Rietmann erwähnt die Verpflichtung Jorge Walter Theilers, eines weiteren Südamerikaners. Der Mann entpuppte sich rasch als Fehltransfer, der Unruhe ins Team brachte. Schädlich wirkte sich auch ein weiterer Entscheid des Vereins aus: Die Verantwortlichen erlaubten es den südamerikanischen Offensivkünstlern, einen Grossteil der Vorbereitung auf die Rückrunde in Chile zu absolvieren. Sie stiessen erst im Trainingscamp, das der FC St.Gallen in Südamerika abhielt, zum Team. Kurt Jara sagt dazu: "Ich war damals ein junger Trainer und habe dieser Regelung zugestimmt, die auch aus Kostengründen getroffen wurde. Das würde ich rückblickend sicher nicht mehr tun." Giuseppe Gambino seinerseits drückt sich so aus: "Wir hatten in der Kälte Kilometer um Kilometer abgespult, um fit zu werden, während die Chilenen bei Mannschaften in ihrer Heimat mittrainierten. Ihr Formstand war deshalb ein anderer. Das war ebenfalls massgebend für die schlechte Rückrunde."


Ein dankbarer Weltstar
Der goldene Herbst 1989: Bereits im Frühling 1990 war er für die Anhänger des FC St.Gallen nur noch bittersüsse Erinnerung. Ende Saison konnte sich einzig Ivan Zamorano einen Erfolg ans Revers heften: Mit insgesamt 23 Treffern wurde er Torschützenkönig. Als der Chilene dann kurz nach dem Start in die neue Meisterschaft zum FC Sevilla transferiert wurde, war es endgültig vorbei mit der St.Galler Fussball-Herrlichkeit.

Zamorano seinerseits vergass nicht, was er dem FC St.Gallen zu verdanken hatte: Als sich der Verein einige Zeit nach seinem Weggang in den Niederungen der Tabelle tummelte, kam der Chilene nach St.Gallen, um vor einem Match das Anspiel auszuführen und danach Autogramme zu geben. Die Fans ihrerseits, vom Abstieg 1993 arg gebeutelt, waren stolz auf "Ivan, den Schrecklichen" – den Chilenen, der von St.Gallen aus zum Weltstar geworden war.

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