«Alles ist kleiner, dafür familiärer»

FUSSBALL. Nach zwei Wochen fühlt sich Gianluca Gaudino beim FC St.Gallen bereits «rundum wohl». Der 19-Jährige gehört in Deutschland zu den talentiertesten Fussballern seiner Generation. Aber er sagt: «Ich wünsche mir ein bisschen Zeit.»

Patricia Loher/Belek
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Gianluca Gaudino nach seiner Präsentation in der AFG Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Gianluca Gaudino nach seiner Präsentation in der AFG Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Wenige Minuten im Training reichen und es ist offensichtlich: Dieser junge Mann, feingliedrig und gerade einmal 19jährig, kann aussergewöhnliche Dinge mit dem Ball. Sein neuer Trainer Joe Zinnbauer bezeichnete ihn vor wenigen Tagen als «topausgebildet». Am Abend aber, als Gianluca Gaudino in der Hotellobby in Belek das erste Interview seiner Karriere gibt, sagt er: «Ich hoffe, die Erwartungen werden nicht gleich so hoch sein. Es hat ja nicht Cristiano Ronaldo den Club gewechselt.»

Gaudino und auch St.Gallens Verantwortliche wünschen sich ein bisschen Zeit. Denn in der Schweiz erwartet den Mittelfeldspieler, der von der U9 bis zum Bundesligateam alle Stufen bei Bayern München durchlaufen hat, ein anderer Fussball als in Deutschland. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Regionalliga spiele der Gegner gegen die Bayern defensiv. «Bei Bayern hatten immer wir den Ball. Das wird sich nun ändern. In der Schweiz versuchen alle, Fussball zu spielen», sagt Gaudino, der aber anfügt, schon festgestellt zu haben, dass «meine Teamkollegen alles dafür tun, damit ich mein Spiel spielen kann». Irgendwann, so hoffen alle, soll Gaudino ein Leader sein.

Bei den Bayern abgeschirmt

Natürlich hat er mitbekommen, dass es für einen Club wie St.Gallen etwas Besonderes ist, einen talentierten Spieler der Bayern übernehmen zu können. Gaudinos Wechsel hat Schlagzeilen gemacht. Der Spieler sagt, der grosse Medienaufmarsch, als er vor eineinhalb Wochen in St.Gallen vorgestellt worden sei, habe ihn überrascht. Bei Bayern München hatten sie ihn abgeschirmt. Interviews gab es keine – selbst für den clubeigenen TV-Kanal nicht. «Man wollte nicht, dass ich zu sehr in den Focus rücke», sagt Gaudino, dessen Vater Maurizio einst in der Bundesliga fast 300 Partien absolviert hat, deutscher Nationalspieler war und Ende der 1990er-Jahre auch für Basel auflief.

Im Trainingslager in der Südtürkei lernt der Nachwuchsinternationale seine neuen Teamkollegen in diesen Tagen richtig kennen. Zu Martin Angha fand er gleich einen guten Draht. Mit Testspieler Lucas Cueto stiess in Belek gar noch einer dazu, den Gaudino aus gemeinsamen Zeiten in der deutschen U19-Nationalmannschaft kennt. Gaudino sagt, beim FC St.Gallen sei zwar alles ein bisschen kleiner als bei den Bayern, «aber auch familiärer». Er fühle sich jedenfalls gut aufgehoben. «Vom ersten Tag an.» Für einen offenen Menschen wie Gaudino sei Integration überhaupt kein Thema, sagt Trainer Zinnbauer.

Eine Wohnung in der Akademie

Nach dem Trainingslager wird der 19-Jährige in der neuen Nachwuchsakademie eine Wohnung beziehen. Dass St.Gallen von München bloss zwei Autostunden entfernt ist, kümmert ihn nicht. Er werde nicht bei jeder Gelegenheit gleich nach Hause fahren: «Meine Eltern und Freunde können ja auch zu mir nach St.Gallen kommen.»

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