ABGANG DES FCSG-SPORTCHEFS: "Vielleicht wurde der Druck auf Stübi zu gross"

St.Gallens Sportchef Christian Stübi tritt auf Ende Jahr zurück. Über Stübis Leistungsausweis in St.Gallen und mögliche Gründe seines Rücktritts spricht ein Vertreter der Fans, Beat Haueter. Er ist Mitglied und Aktuar des Fanclubs Super Green.

Ralf Streule
Merken
Drucken
Teilen
Beat Haueter, Aktuar Fanclub Super Green.

Beat Haueter, Aktuar Fanclub Super Green.

Christian Stübi tritt zurück. Wie wird die Nachricht in Fankreisen aufgenommen?
Die Meinungen über Stübi gingen bei den Fans stark auseinander. Ich habe ihn im Gegensatz zu einigen meiner Kollegen für sehr fähig gehalten. Auch wenn sich derzeit die Geschichte rund um den Ajeti-Transfer etwas komplizierter darstellt und Augsburg an einem Wechsel Ajetis zu Basel stärker beteiligt wäre als zunächst gedacht: Den Spieler zu St.Gallen zu holen, war eine starke Leistung. Man konnte ja wirklich nicht ahnen, in welchem Ausmass der Stürmer sich entwickeln würde.

Den vorläufig gescheiterten Ajeti-Transfer sehen Sie als möglichen Grund für den Rücktritt?
So würde ich das nicht sagen, vielleicht ist es einer von vielen Gründen. Vielleicht wollte Stübi auch schlicht etwas anderes machen. Es war wohl auch fordernd, sich im Club gegen andere Strömungen zu wehren. Ich rede von Stübis schwächer werdender Stellung im Club. Das ist ja das Merkwürdige am Ganzen. Gut möglich, dass ihm dies missfiel.

Beat Haueter, Aktuar Fanclub Super Green.

Beat Haueter, Aktuar Fanclub Super Green.

Sie sprechen das Organigramm an, in dem Stübi seit Dölf Frühs Rücktritt neu auf Höhe von Nachwuchschef Marco Otero gestellt wurde - und unter den sportlichen CEO Ferruccio Vanin. Die Rede ist von einem Erstarken einer Gruppe um Otero im Club. Wurde der Druck auf Stübi zu gross?
Ja, ich könnte mir vorstellen, dass dieser Einfluss und der Druck dieser Personen auf Stübi zu gross wurde. So ist es zu hören. In Fankreisen ist man sich dieser Einflussnahme wenig bewusst – wer sich etwas enger mit dem Club beschäftigt, spürt die Tendenz aber schon. Gut möglich, dass sich der vormalige Präsident Dölf Früh hier von einer Gruppe etwas hat einflüstern lassen. Dass es derartige Entwicklungen mit Seilschaften in Clubs gibt, ist aber nicht ungewöhnlich. Ich bin da unvoreingenommen. Was man nun als heikel beurteilt, kann – wenn es der Mannschaft läuft – auch gut herauskommen. Logisch: Man kennt sich im Fussball. Es wird dann problematisch, wenn ein einzelner Spielerberater beginnt, sich im Club etwas aufzubauen und dabei eigene Interessen verfolgt. Wie dies in früheren Jahren bei den Grasshoppers oder den Young Boys der Fall gewesen ist.

Es gibt Anzeichen, dass dies derzeit auch in St.Gallen geschieht.
Das kann sein. Dann muss ich aber sagen: Das wäre wirklich heikel.

Sie haben von Stübis Fähigkeiten gesprochen. Wo zeigten sich diese für Sie besonders?
Stübi hat unaufgeregt gearbeitet, er ist ein guter Typ, der bodenständig und nicht arrogant herüberkommt. Und er hat gezeigt, dass seine Vernetzungen gut sind. Schliesslich wurde er zuletzt ja auch Thema bei den Grasshoppers oder in Luzern. Er hat Spieler wie Dejan Stojanovic, Toko, Andreas Wittwer oder Roman Buess nach St.Gallen gebracht, alles gute Transfers. Und auch Tranquillo Barnetta kam nicht von selber. Ihn musste Stübi auch zuerst überzeugen, den Wechsel zu St.Gallen einer weiteren Saison in den USA vorzuziehen.

Es gibt aber auch Negativbeispiele.
Was ich nicht ideal fand: Die allzu offensive Präsentation Gianluca Gaudinos. Da wurden zu hohe Erwartungen geweckt. Viele Fans kritisieren Stübi auch dafür, Joe Zinnbauer in die Ostschweiz geholt zu haben. Hier muss ich aber sagen: Es war damals nicht verkehrt. In St.Gallen wünschte man sich zur Abwechslung einen anderen Trainertyp als Saibene. Dass es so herauskommt, war schwierig vorauszusehen. Man muss auch sehen, dass der finanzielle Rahmen für Stübi stets klein war. Dass er zum Beispiel gegenüber Luzern im Seilziehen um Markus Neumayr den Kürzeren zog, lag sicher auch an den Finanzen. Und in der Geschichte um Martin Stocklasas Abgang als Assistent war sein Einfluss wohl schon nicht mehr allzu gross. Stübi beklagte sich öffentlich nicht über die Situation, war loyal und machte seine Arbeit weiter.

Was denken Sie: Wer wird Stübis Nachfolger?
Was man sich vielleicht nicht bewusst ist: Solche Positionen sind nicht einfach neu zu besetzen. Es würde nicht überraschen, wenn Nachwuchschef Otero übernehmen würde. Hier sähe ich den Nachteil, dass es im Nachwuchs – wo Beständigkeit wichtig wäre – an einer wichtigen Position zu einer Änderung käme.

Christian Stübi nimmt als Sportchef des FC St.Gallen den Hut. (Bild: Benjamin Manser)

Christian Stübi nimmt als Sportchef des FC St.Gallen den Hut. (Bild: Benjamin Manser)