9244 Fans gehen als Sieger heim: Der FC St.Gallen gewinnt auch das dritte Saisonspiel – 1:0 gegen Servette

Erstmals seit sieben Monaten darf der FC St.Gallen seinen 1:0-Sieg über Servette Genf mit seinen Fans feiern. Die Ostschweizer holen sich dank dieses Vollerfolgs die Leaderposition zurück.

Stephanie Martina
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Die Spielwertung

Der FC St.Gallen erarbeitet sich gegen Servette Genf zwar mehr Chancen als in den ersten beiden Saisonspielen, lässt aber in der Defensive noch immer vieles zu. Die 9244 Zuschauer haben aber alles geliefert bekommen, worauf sie monatelang warten mussten: Fussballstimmung, Torjubel, hochkarätige Torchancen und viele, viele Verwarnungen. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 1:0, 24. Minute, Kwadwo Duah: Ein präzis geschossener Freistoss von Captain Jordi Quintillà landet direkt bei Duah. Dieser versenkt den Ball per Kopf zu seinem ersten Treffer für die Espen.

Die Spielanalyse

Endlich sind sie zurück: die FCGS-Fans. Und sie bereiten ihrer Mannschaft einen überwältigenden Empfang – inklusive Standing Ovation.

Der Start verläuft dann allerdings nicht nach Wunsch. In der zweiten Minute zappelt der Ball bereits im Netz – im falschen Netz. Doch zum Glück ging dem Genfer Treffer ein Abseits voraus. Das Tor zählt nicht. Die Startminuten gehören dennoch den Gästen aus der Westschweiz. Erst in der 14. Minute kommt endlich ein Lebenszeichen des FC St.Gallen. Jérémy Guillemenot zieht aus rund 20 Metern ab, trifft aber nur den Torpfosten. Zehn Minuten später erlöst Kwadwo Duah mit seinem ersten Tor für Grün-Weiss das Publikum. Und endlich schallt durchs Stadion, was monatelang gefehlt hat: Torjubel!

Kwadwo Duah (2.v.l.) feiert seinen ersten Treffer für den FCSG.

Kwadwo Duah (2.v.l.) feiert seinen ersten Treffer für den FCSG.

Bild: Keystone

In der 34. Minute haben die 9244 Zuschauer beinahe ein Déjà-vu: Guillemenot zieht erneut an der Strafraumgrenze ab und trifft wieder nur die Torumrandung – dieses Mal allerdings die Latte.

Die Torumrandungen tragen an diesem Sonntagnachmittag einiges zum Resultat bei: In der ersten Halbzeit treffen auch die Genfer nach zwei Eckbällen die Latte. Wie schon öfter in diesem Spiel gelingt es den St.Gallern in beiden Fällen nicht, die Situation zu klären, wodurch Servette immer wieder zu gefährlichen Torchancen kommt.

Nach der Pause geht es im gleichen Stil weiter: Beide Mannschaften erarbeiten sich Torchancen, am Resultat ändert sich aber nichts. Die Ostschweizer versuchen immer wieder, Druck aufs Genfer Tor aufzubauen, scheitern aber häufig wegen zu ungenauen Zuspielen und Missverständnissen. Eine der besten Chancen gehört Guillemenot. Alleine läuft er auf Servette-Goalie Jérémy Frick zu, wird dann aber zu stark abgedrängt und scheitert mit einem Lupfer aus spitzem Winkel.

Das St.Galler Publikum scheint zu merken, dass seine Mannschaft für die Schlussminuten nochmals etwas wachgerüttelt werden muss. Lautstark feuern die 9244 Zuschauer ihr Team an. Es scheint zu wirken: In den letzten acht Minuten zieht St.Gallen immer wieder mit viel Tempo aufs Genfer Tor. In der Nachspielzeit hat Stillhart sogar noch das 2:0 auf dem Fuss. Sein Schuss landet aber im Aussennetz. Auf der Anzeigetafel steht beim Schlusspfiff das dritte Mal in dieser Saison: 1:0.

Freude über drei weitere Punkte bei FCSG-Präsident Matthias Hüppi und Trainer Peter Zeidler.

Freude über drei weitere Punkte bei FCSG-Präsident Matthias Hüppi und Trainer Peter Zeidler.

Bild: Freshfocus

Der Beste

Kwadwo Duah schiesst den FCSG mit seinem Tor zum 1:0 zum Sieg. Aber auch sonst zeigt der Berner bis zu seiner Auswechslung in der 62. Minute eine starke Leistung. Er probiert sich stets in eine gute Abschlussposition zu bringen, aus der er gefährlich werden kann.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Er ist St. Gallens Lebensversicherung. Mit drei sehr starken Interventionen.
15 Bilder
Leonidas Stergiou: Note 5. Es macht einfach Spass, ihm zuzusehen. Ballbehandlung, Pässe, Schnelligkeit – ihn im Team zu haben, ist ein grosser Pluspunkt.
Basil Stillhart: Note 4,5. St. Gallen hat einen neuen Dauerläufer, laut Trainer Zeidler absolvierte Stillhart gestern zwölf Kilometer. Die Pässe sind aber zu oft noch ungenau.
Florian Kamberi: Note 4. Er kommt für Duah. Mit ein, zwei guten Aktionen. Noch fehlt die Zielstrebigkeit.
Jordi Quintillà: Note 5. Sein millimetergenauer Freistoss führt zum Siegestor. Im Vergleich mit dem Vaduz-Spiel wieder mit mehr Einfluss.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Der Genfer hat zweimal Pech. Zuerst trifft er den Pfosten, später die Latte. Enorm mannschaftsdienlich.
Victor Ruiz: Note 4. Er hilft auch in der Verteidigung mit, als Servette nach der Pause Druck aufbaut. Offensiv dürfte noch mehr kommen.
André Ribeiro: Note -. Er kommt für Guillemenot. Der Einsatz ist zu kurz für eine Note.
Lukas Görtler: Note 4,5. Er geht wie immer voran. Allerdings gelingt ihm an diesem Nachmittag nicht alles.
Miro Muheim: Note 5. Steigert sich nach der Pause. Stark im Zweikampf und mit viel Vorwärtsdrang.
Betim Fazliji: Note 5,5. Starke Leistung, der Rebsteiner antizipiert gut und löst das Spiel oft vielversprechend aus.
Kwadwo Duah: Note 5,5. Der Neuzugang erzielt mit einem schönen Kopfball das erste Tor für den FC St. Gallen.
Tim Staubli: Note 4,5. Der Werdenberger ersetzt Ruiz und fängt den einen oder anderen gefährlichen Ball ab.
Alessandro Kräuchi: Note 4. Er wirkt nervöser als zuletzt und lässt zu viel zu. Er wird in der 75. Minute ausgewechselt.
Vincent Rüfli: Note 4,5. Der Genfer agiert nach seiner Einwechslung sehr abgeklärt.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Er ist St. Gallens Lebensversicherung. Mit drei sehr starken Interventionen.

Der Schlechteste

Keiner fällt wirklich ab.

Der Schiedsrichter

Auch für Schiedsrichter Urs Schnyder dürfte es eine Umstellung sein, dass nun wieder mehrere tausend Zuschauer auf den Rängen sitzen, die jeden Pfiff, jede gelbe Karte und jedes nicht geahndete Foul lautstark kommentieren. In den letzten Monaten blieb dieser Ärger in den heimischen Wohnzimmern. Während vieler Wochen waren es einzig die Spieler und Trainer, die sich beim Schiedsrichter beschwerten.

Die Gelbe Karte hat Schiedsrichter Urs Schnyder an diesem Nachmittag dauernd in der Hand.

Die Gelbe Karte hat Schiedsrichter Urs Schnyder an diesem Nachmittag dauernd in der Hand.

Bild: Keystone

An diesem Sonntagnachmittag scheint so mancher St.Galler Fan froh zu sein, dass er seinem Unmut jetzt wieder im Stadion Luft zu machen darf. Und er hat auch genügend Gelegenheit dazu: Allein in der ersten Halbzeit zeigt Schnyder sechs Mal Gelb, unter anderem Lukas Görtler, Basil Stillhart und Betim Fazliji. Schnyder hat die Partie aber unter Kontrolle und entscheidet fair.

Immer wieder riss das Geschehen auf dem Spielfeld die Zuschauer von ihren Sitzen.

Immer wieder riss das Geschehen auf dem Spielfeld die Zuschauer von ihren Sitzen.

Bild: Freshfocus

Aufgefallen

Derzeit unterscheidet sich der Espenblock – der Fanblock im Kybunpark – optisch nicht mehr von den restlichen Sektoren. Denn aus den Stehplätzen wurden Sitzplätze. Die Stehrampe ist verschwunden. Doch die Stimmung nicht. Noch immer kommen die Anfeuerungsrufe aus dem Sektor D und schwappen von dort aufs ganze Station über.

Fans halfen Mitte September, den Espenblock zu bestuhlen.

Fans halfen Mitte September, den Espenblock zu bestuhlen.

Bild: Benjamin Manser

Die Fans sind zurück

Heute ist es das erste Mal seit dem 28. Februar und dem verrückten 3:3 gegen die Young Boys, dass im Westen der Stadt St.Gallen Fussballstimmung aufkommt. Wie die Besucher diesen Sonntagnachmittag erlebt haben und was sie zum Schutzkonzept sagen, lesen Sie morgen früh in einer Multimedia-Reportage auf Tagblatt.ch.

Probelauf im Kybunpark: Das erste Spiel mit 10'000 Zuschauern.

Probelauf im Kybunpark: Das erste Spiel mit 10'000 Zuschauern.

Bild: Keystone

Die Reaktionen

FCSG-Coach Peter Zeidler.

FCSG-Coach Peter Zeidler.

Bild: Freshfocus

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Wir sind froh über diesen Sieg. Auch wenn wir alle wissen, dass wir besser spielen könnten. Vor allem in den ersten zehn Minuten ist es uns nicht gelungen, unser Spiel zu machen. Aber auch sonst floss es teilweise nicht, wie wir uns das vorstellen. Ausserdem standen wir zu wenig kompakt, weshalb Servette Genf zu vielen guten Chancen kam. Ein grosses Lob geht an unser Publikum. Es hat in der Schlussphase geholfen, die letzten Minuten unbeschadet zu überstehen.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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