0:2 in Unterzahl – an dieser Niederlage wird der FC St.Gallen noch lange zu beissen haben

Weil die Goalies des FC St.Gallen keinen guten Tag erwischen, scheitern die Ostschweizer im Cup an Winterthur.

Christian Brägger aus Winterthur
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St.Gallens Torhüter Jonathan Klinsmann (links) wird nach einem Notbremsefoul von Schiedsrichter Nikolaj Hänni des Feldes verwiesen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

St.Gallens Torhüter Jonathan Klinsmann (links) wird nach einem Notbremsefoul von Schiedsrichter Nikolaj Hänni des Feldes verwiesen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Sie wollen unbedingt wieder einmal den Schweizer Cup gewinnen, in der Saison 1968/69 war dies bislang das einzige Mal der Fall. Doch auch in dieser Spielzeit ist nach dem 0:2 dieses Ziel nicht mehr zu schaffen, weil das unterklassige Winterthur zu Hause vor 8000 Zuschauern wie erwartet den St.Gallern das Leben schwer macht.

Die Zürcher profitieren davon, eine Stunde lang in Überzahl agieren zu können, während auf der Seite der Ostschweizer die beiden Goalies keinen guten Tag erwischen. Jonathan Klinsmann nicht, weil er die rote Karte nach knapp einer halben Stunde sieht, und Dejan Stojanovic nicht, weil er einen haltbaren Ball von Mahamid Anas passieren lässt und dies bis in die Nachspielzeit und dem 0:2 das vorentscheidende Tor bleibt.

Wie zuletzt in der Saison 2007/08

Damit scheiden die Ostschweizer, die zahlreiche Torchancen kläglich vergeben, wie zuletzt in der Saison 2007/08 bereits im Sechzehntelfinal aus, auch die Verbandsprämie von 12'500 Franken können sie vergessen. Was für eine Überraschung, wenngleich, eine Sensation ist dies nicht.

Dejan Stojanovic: Note 2. Muss für Klinsmann nach etwa einer halben Stunde übernehmen. Und lässt in der 48. Minute einen harmlosen Schlenzer von Anas passieren.
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Milan Vilotic: Note 3,5. Hebt das Abseits vor der roten Karte auf, ist nicht immer auf der Höhe und noch nicht der Vilotic der vergangenen Rückrunde. Am Schluss mit zwei Grosschancen.
Silvan Hefti: Note 3,5. Zwei, drei gute Läufe. Hat aber ein paar Stellungsfehler, wie beim Gegentreffer zum 0:1
Leonidas Stergiou: Note 4. Lässt sich in der 20. Minute gar zu leicht ausdribbeln, ansonsten stabil und kopfballsicher.
Victor Ruiz: Note 3,5. Wirkt über weite Strecken agil und kämpferisch, manchmal aber etwas eigensinnig.
Lukas Görtler: Note 4,5. Trifft kurz vor der Pause die Latte, auch ansonsten mit guten Szenen, auch als Vorkämpfer.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Tritt wenig in Erscheinung. Von ihm müsste spielerisch bedeutend mehr kommen.
Boris Babic: Note 3,5. Wird in der 63. Minute eingewechselt und verzeichnet zwei ungefährliche Abschlüsse.
Cedric Itten: Note 4. Sehr bemüht, aber glücklos, weil er oft isoliert ist. Vergibt in der zweiten Halbzeit eine Grosschance zum 1:1 und hat Pech, als er Spiegel mit einem Schuss zur Glanztat zwingt.
Vincent Rüfli: Note 3,5. Ein Stolperer im eigenen Sechzehner. Beim Gegentor wirkt er unbeholfen, sonst okay.
Moreno Costanzo: Note 3,5. Versucht viel, ein schöner Schlenzer zu Beginn. Kann das Spiel nicht wie erhofft prägen und muss in der 62. Minute raus.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Zwei gefährliche Abschlüsse. Muss in der 32. Minute für Stojanovic weichen – und verreisst sich deshalb das Leibchen.
Jonathan Klinsmann: Note 2. Spielt für Stojanovic. Als Klinsmann in der 31. Minute zu spät herauskommt, sieht er nach der Notbremse an Buess die rote Karte. Allein: Hat der Goalie den Stürmer tatsächlich getroffen? Man weiss es nicht wirklich.

Dejan Stojanovic: Note 2. Muss für Klinsmann nach etwa einer halben Stunde übernehmen. Und lässt in der 48. Minute einen harmlosen Schlenzer von Anas passieren.

Peter Zeidler hat im Vorfeld der Partie grossen Respekt vor dem FC Winterthur gezeigt, diesen «gefühlt einen Super-League-Club» genannt. Also lässt sich der Trainer des FC St.Gallen auf keine Experimente ein, Rückkehrer Milan Vilotic soll der Verteidigung die nötige Routine und Stabilität bringen – was nicht immer gelingt –, Moreno Costanzo erhält im linken Mittelfeld eine Chance. Und im Tor gibt er Klinsmann das Cup-Zückerchen. Das alles ist nachvollziehbar, ansonsten entspricht die St.Galler Aufstellung der Normalität.

Die rote Karte gibt dem Spiel die andere Richtung

Und die Ostschweizer starten, wie es die Etikette will. St.Gallen, der tatsächliche Super-League-Club, dominiert den Challenge-League-Verein von Beginn an, weil er ihn ernst nimmt. Schnell einmal schnüren die anfangs dynamisch wirkenden Ostschweizer den kämpferischen Gegner ein in ihrem Stadion. Lukas Görtler, Victor Ruiz und Costanzo kommen zu Möglichkeiten, doch diese sind nicht zwingend.

Die Mannschaft von Trainer Ralf Loose lauert auf Konter und wird mit Fortdauer der Partie besser, weil frecher. Nach 20 Minuten bietet sich den Winterthurern eine Doppelchance, als Leonidas Stergiou sich allzu leicht auf der Seite ausspielen lässt. Doch Luka Sliskovic scheitert an Klinsmann, den Nachschuss verzieht Ousmane Doumbia. Spätestens nach dem Gegenstoss und Jérémy Guillemenots gefährlichem Kopfball ist allen auf der Schützenwiese, diesem Kleinod des Fussballs, klar: Es ist Cup, beide Mannschaften schenken sich überhaupt nichts.

Rote Karte für Klinsmann

Doch dann gibt es plötzlich Unruhe bei den St.Gallern, Zeidler verwirft die Hände, weil Klinsmann die rote Karte wegen eines Notbremsefouls am heranstürmenden Roman ­Buess erhält. Die TV-Bilder können keine eindeutige Berührung des Goalies am Stürmer feststellen, doch für Schiedsrichter Nikolaj Hänni ist das Verdikt klar.

Zeidler muss handeln, opfert Guillemenot, und fortan ist die Anlage des Spiels eine komplett andere. Winterthur ist am Drücker, St.Galler versucht in Unterzahl in diesem Cupspiel zu retten, was zu retten ist. In der ersten Halbzeit geht das noch gut, es hilft, dass beim Heimteam mit dem verletzten Davide Callà und dem kranken Luca Radice zwei starke Exponenten fehlen.

Allein, die Favoritenrolle ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr auf Seite der St.Galler, nach der Pause schon gar nicht mehr. Eine Verkettung von Fehlern führt dazu, dass Anas am Sechzehner vergessen geht. Der Winterthurer schlenzt den Ball, Stojanovic hechtet daneben – 0:1. Danach versuchen die St.Galler alles, Cedric Itten scheitert aus vier Metern, später zwingt er mit einem schönen Schuss Goalie Raphael Spiegel zu einer Glanztat.

Vilotic vergibt zwei Grosschancen

Die Ostschweizer bleiben angezählt, während die Winterthurer in diesem «Nachbarschaftsderby» gar fahrlässig mit ihren Konterchancen umgehen. Nochmals werfen die St.Galler alles nach vorne, Vilotic vergibt zwei Grosschancen zum Ausgleich, die Tore sein müssten, aber nicht bei Spiegel. Im Gegenzug treffen die Winterthurer in der Nachspielzeit durch Nuno Da Silva zum 2:0. Es ist die Entscheidung.

So kommt es wie letztmals im Cup gegen die Zürcher, ein Viertelfinal im Jahr 2011, als man an selber Stätte im Penaltyschiessen unterlag. Auch an dieser neuerlichen Niederlage werden die St. Galler lange beissen.