«Der Kopf wollte noch nicht»

St. Gallens Captain Daniel Imhof wird im Sommer seine Karriere beenden. Nach 13 Jahren in Europa geht Imhof mit seiner Familie zurück nach Kanada. Der 34-Jährige über die Gründe, Verletzungen, seine Kinder und die Zukunft.

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Im Sommer geht auch der letzte St. Galler Meisterspieler: Daniel Imhof mit seinen beiden Kindern. (Bild: Leo Boesinger)

Im Sommer geht auch der letzte St. Galler Meisterspieler: Daniel Imhof mit seinen beiden Kindern. (Bild: Leo Boesinger)

Herr Imhof, nach der Rückrunde beenden Sie Ihre Karriere. Weshalb?

Daniel Imhof: Im vergangenen Sommer machte ich mir erstmals Gedanken. Doch mit einem Abstieg wollte ich nicht aufhören. Nun bin ich 34jährig und wir sind auf dem richtigen Weg. Der Spitzensport hat Spuren hinterlassen. Ich war oft verletzt, auch im Sommer bereitete mir das linke Knie Probleme. Ich habe mich zurückgekämpft, aber es hat Kraft gekostet. Ich möchte auch nach meiner Karriere noch normal gehen können. Deshalb habe ich mich entschieden, den Vertrag in St. Gallen nicht zu verlängern.

Fiel Ihnen der Entscheid schwer?

Imhof: Mein Herz hat mir gesagt: Es ist Zeit, aufzuhören. Doch mein Kopf wollte noch nicht. Ich habe in den vergangenen Wochen mit vielen ehemaligen Fussballern über die Zeit nach dem Spitzensport geredet. Ich habe nun viele Ideen, was ich in Zukunft machen werde. Zuerst aber möchte ich mich einfach erholen.

Sie brechen Ihre Zelte in der Schweiz ab und gehen mit Ihrer Familie nach Kanada. Werden Sie dem Fussball in irgendeiner Form verbunden bleiben?

Imhof: Ich möchte sicher auch in Zukunft etwas mit Sport zu tun haben. Im Moment steht aber nur fest, dass ich in Kanada eine Fussballschule gründen werde. Das wird aber ein Hobby bleiben. Das Wichtigste ist, dass wir schnell in das kanadische Leben finden werden. Als erwachsener Mann war ich stets in Europa. Es wird eine Umstellung sein.

Ihre Tochter ist fünf, der Sohn zweieinhalbjährig. War das noch junge Alter Ihrer Kinder mit ein Grund, in Kanada jetzt ein neues Leben zu beginnen?

Imhof: Es wird für die Kinder so einfacher sein, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden. Natürlich wird der Abschied von der Schweiz allen schwer fallen, auch meiner Frau, die in der Ostschweiz aufgewachsen ist. Aber wir freuen uns auf unser neues Leben.

Gerieten Sie zwischenzeitlich ins Zweifeln, als sich der Abgang von Philipp Muntwiler abzeichnete?

Imhof: Philipp Muntwilers Wechsel war viel mehr der Grund, weshalb ich den FC St. Gallen über meinen Entscheid so früh informierte. Ich wollte fair sein, damit der Club genügend Zeit hat, sich nach neuen Lösungen umzuschauen.

Sie kehrten vor zwei Jahren aus Bochum nach St. Gallen zurück. Sie sind der letzte St. Galler Meisterspieler, der den Club verlässt. Wie unterscheiden Sie die Jahre von 2000 bis 2005 und von 2010 bis jetzt?

Imhof: Insgesamt waren es einfach acht wunderschöne Jahre. Und ich bin glücklich, dass meine Kinder noch miterleben konnten, wie es ist, wenn der Vater für den FC St. Gallen spielt. Jedesmal, wenn wir am Stadion vorbeifahren, möchte mein Sohn Fussball schauen gehen. Er singt auch schon die Lieder (lacht).

Ihr erstes Jahr in St. Gallen war geprägt durch den Titel. Die vergangenen zwei Jahre durch den Abstieg. Gibt es weitere Unterschiede?

Imhof: Die grosse Veränderung war natürlich der Umzug vom Espenmoos in die AFG Arena. Im Espenmoos feierten wir Erfolge, in der AFG Arena stiegen wir ab. Ich bin aber froh, dass ich nach St. Gallen zurückkehren durfte – zu meinen Freunden und zu meinen Verwandten. Ich bereue nichts. Nach meiner Zeit in der Bundesliga wurde mir bewusst, wie gut es uns allen geht. Und ich merkte, dass ich hier zu Hause bin.

Aber dann könnten Sie trotz Rücktritt in der Schweiz wohnen bleiben.

Imhof: Meine Eltern leben in Kanada, mein Bruder auch. Ich habe nun mit meiner Frau rund 1000 Kilometer nördlich von Vancouver ein Haus gebaut. Für die Kinder ist es dort ruhiger. Zu Beginn, als ich als junger Mann aus Kanada in die Schweiz kam, hatte ich starkes Heimweh. Das hat sich gelegt. Trotzdem entschieden wir uns für Kanada. Die Schweiz wird jedoch immer unser Ferienziel Nummer eins bleiben.

Was nehmen Sie von Ihrer Zeit als Profifussballer mit zurück nach Kanada?

Imhof: Den Meistertitel mit dem FC St. Gallen, die Europacup-Spiele, den Aufstieg mit Bochum in die Bundesliga, Partien in der Bundesliga und Aufgebote für das kanadische Nationalteam – ich habe alles erleben dürfen, was die Karriere eines Profifussballers ausmacht. Ich nehme ein Gesamtbild mit, viele schöne Erinnerungen. Es ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.

Was wünschen Sie dem FC St. Gallen für die Zukunft?

Imhof: Der Wiederaufstieg in die Super League wäre für mich der perfekte Abschluss. Möglich ist auch immer noch der Cupsieg… Ich wünsche dem Club, dass er sich in der Super League etabliert und regelmässig um die Europacup-Plätze mitspielt. Ich weiss, wie es ist, im Europacup dabei sein zu dürfen. Der Club und seine Anhänger hätten das wieder verdient. Interview: Patricia Loher

Bewegte Karriere: Daniel Imhof kurz nach seinem Wechsel von Wil nach St. Gallen (links), im Europacup gegen Chelsea und in der Bundesliga mit Bochum gegen den Hamburger Paolo Guerrero. (Bilder: Rainer Bolliger/ky/ap)

Bewegte Karriere: Daniel Imhof kurz nach seinem Wechsel von Wil nach St. Gallen (links), im Europacup gegen Chelsea und in der Bundesliga mit Bochum gegen den Hamburger Paolo Guerrero. (Bilder: Rainer Bolliger/ky/ap)

Paolo, Guerrero, Daniel, Imhof (Bild: KAI-UWE KNOTH (AP))

Paolo, Guerrero, Daniel, Imhof (Bild: KAI-UWE KNOTH (AP))