FCSG-Trainer Peter Zeidler vor dem Spitzenspiel gegen Servette: «Wir fangen doch nicht an zu spinnen!»

Die Zeichen sind untrüglich: Sehr viel hat sich in der Wahrnehmung des FC St.Gallen getan. Auch weil er in der Rückrunde so gut aus den Startlöchern gekommen ist. Und nun kommts zum Schlager gegen Servette.

Christian Brägger
Drucken
Teilen
Boris Babic (links) herzt seinen Trainer Peter Zeidler.

Boris Babic (links) herzt seinen Trainer Peter Zeidler.

Bild:Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Haben die Spieler des FC St.Gallen wie am vergangenen Donnerstag eine Autogrammstunde, dauert diese wegen des grossen Ansturms statt der geplanten 60 Minuten dreimal so lang. Findet am Abend im «Bierhof» die Präsentation der zwölften Ausgabe des St.Galler Fussballmagazins «SENF» statt, ist das Restaurant proppenvoll und Trainer Peter Zeidler der geladene Gast, der sich nach einem Talk noch lange unter die Fans mischt.

Gibt es am Freitagmittag die Pressekonferenz für das Spitzenspiel gegen Servette, sind zehn Journalisten vor Ort – und nicht bloss drei. Auch, und dies fällt besonders auf, haben die Schweizer Medien die Berichterstattung hochgefahren, versuchen das «Wunder FC St.Gallen» zu erklären. Und erinnern an den letzten Meistertitel vor 20 Jahren. 

Es lebt sich für den FC St.Gallen nach 20 Runden gerade gut als Leader der Super League, ein Leben, das der optimale Start in die Rückrunde mit zwei Siegen ermöglicht hat. In der höchsten Spielklasse sind die Ostschweizer in der Saison 2006/07 letztmals nach der Winterpause so perfekt aus dem Starthäuschen gekommen, damals gab es sogar drei Siege en suite.

Die Euphoriebremse ist nicht nötig

Zeidler ist das Wohlwollen der Mitmenschen nicht entgangen, er sagt, er verspüre derzeit überall viel Goodwill, der gar so gross scheint, dass man den Ostschweizern eine Niederlage nachsehen würde – doch so weit muss es längst nicht kommen am Sonntag gegen Servette ab 16 Uhr im Kybunpark. Zeidler hat vorgesorgt, er gestaltete trotz oder gerade wegen des famosen 2:1 in Basel eine ganz normale Trainingswoche. Auch musste er nicht auf die Euphoriebremse drücken, weil Dynamik und Energie der Mannschaft so sind, dass derzeit alles wie von alleine im Guten bleibt. Oder sich dahin entwickelt. Also sagt Zeidler ganz banal: «Gegen Servette ist entscheidend, wie wir ins Spiel gehen.»

Gegen die viertplatzierten Genfer muss der Trainer den gelbgesperrten Miro Muheim ersetzen. Hier sind einige Varianten denkbar, um nicht zu viel umstellen zu müssen, scheint der Einsatz von Vincent Rüfli naheliegend. Nur hatte der ehemalige Servettien seinen letzten Pflichtspieleinsatz am 20. Oktober und auch da nur eine Minute lang. In der Innenverteidigung wird Zeidler wohl wieder auf den am vergangenen Sonntag gesperrten Yannis Letard zurückgreifen, zudem dürfte im Sturm Ermedin Demirovic zurückkehren – am ehesten könnte für ihn Jérémy Guillemenot weichen, allenfalls Cedric Itten. Zeidler sagt:

«Egal, wen ich aufstellen werde, ich habe in jeden Spieler, und ich betone in jeden, grosses Vertrauen.»

Dem Gedanken an den Meistertitel verwehrt sich Zeidler noch heftigst. «Wir fangen doch nicht an zu spinnen», sagt er. Das Datum des letzten Spieltags ist ihm aber sehr wohl bekannt. Bis dahin wolle er schauen, dass die Kerze, die St.Gallen angezündet habe, nicht ausgeblasen werde. Früher, als Kind in der Kirche, hatte er immer alles gemacht, damit kein Windstoss seinem Lichtlein etwas anhaben konnte.

Mehr zum Thema