FCSG-Spieler Lukas Görtler nach der 6:0-Gala gegen Xamax und vor dem letzten Spiel bei den Young Boys: «Das war das schönste Jahr meiner Karriere»

Der FC St.Gallen wird die Saison am Montag auf dem zweiten Rang abschliessen. Gleich nach der Partie gegen Xamax können die Spieler die Enttäuschung über die verpasste Finalissima nicht verbergen. Lukas Görtler sagt: «Nach ein paar Tagen aber wird der Stolz überwiegen. Wir haben eine unglaubliche Saison gespielt.»

Patricia Loher
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St.Gallens Spieler lassen sich nach der letzten Heimpartie der Saison feiern.

St.Gallens Spieler lassen sich nach der letzten Heimpartie der Saison feiern.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Es war eine Stunde nach Spielschluss. Die Lichter im Kybunpark gingen langsam aus, als St.Gallens Captain Silvan Hefti im Trainingsanzug noch einmal den Platz betrat. Der 22-Jährige ging ein paar Schritte und liess seinen Blick schweifen.

Vielleicht dachte er an die vielen schönen Momente in dieser Saison. An die oft so aussergewöhnlichen Leistungen dieser aussergewöhnlichen Mannschaft – oder daran, was hätte sein können, wenn der FC St.Gallen das mitreissende Spektakel gegen die Young Boys am 23. Februar gewonnen hätte und er nicht nach einem VAR-Entscheid noch das 3:3 hätte hinnehmen müssen.

Heftis Vertrag läuft in einem Jahr aus

Ob es auch eine ganz persönliche Verabschiedung von seinem Heimstadion war? Hefti hat in dieser Saison jedenfalls mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht, nach dem Coronaunterbruch steigerte sich der Goldacher trotz des intensiven Rhythmus von Spiel zu Spiel.

Inzwischen hat der Captain für St.Gallen 154 Super-League-Spiele absolviert, sein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus.

Silvan Hefti im Spiel gegen Xamax.

Silvan Hefti im Spiel gegen Xamax.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Im letzten Heimspiel der Saison gegen Xamax hatte der FC St.Gallen den wenigen Zuschauern noch einmal das ganze Repertoire seines Könnens präsentiert. Die Ostschweizer demontierten den Absteiger gleich mit 6:0, verpassten die Finalissima aber trotzdem, weil die Young Boys in Sitten mit 1:0 gewannen.

Görtler: «Das ist bitter»

Natürlich hatten St.Gallens junge Spieler mehr gewollt, wer einmal an der Spitze ist, will dort auch bleiben – Aussenseiter hin, Aussenseiter her. So sagte Mittelfeldspieler Lukas Görtler: «Es fehlt eine Partie, die wir hätten gewinnen müssen, um nun dieses Endspiel zu haben. Das ist bitter.»

Nach ein paar Tagen werde aber der Stolz überwiegen. «Wir haben mit unglaublichen Jungs eine unglaubliche Saison gespielt, wir haben in der Region eine grosse Euphorie entfacht.» Und weiter:

St.Gallens Lukas Görtler.

St.Gallens Lukas Görtler.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus
«Es war das schönste Jahr meiner Karriere.»

Der 26-jährige Görtler wechselte auf diese Saison hin vom holländischen Klub Utrecht nach St.Gallen. Unterdessen ist der Bayer mit 13 Vorlagen bester Assistgeber der Super League.

Die glücklichen Zuschauer, die an diesem Abend dabei sein durften, liessen das Team hochleben. Sie feierten Ermedin Demirovic, der zum SC Freiburg wechselt, den dreifachen Torschützen Cedric Itten, Görtler, den Trainer Peter Zeidler und auch Präsident Matthias Hüppi.

Herrschte in dieser Saison Normalität, wäre der Kybunpark am Freitagabend eine Festhütte gewesen.

Glückliche Zuschauer am Freitagabend im Kybunpark.

Glückliche Zuschauer am Freitagabend im Kybunpark.

Bid: Benjamin Manser

St.Gallens spektakulärer Tempofussball

Jedenfalls war auf den Rängen die Zufriedenheit wegen der unerwarteten Explosion der jungen Mannschaft im vergangenen Jahr grösser als die Enttäuschung über die verpasste Finalissima.

Gut möglich, dass der FC St.Gallen seinem Publikum in 141 Jahren Vereinsgeschichte noch nie einen so spektakulären Tempofussball präsentiert hat wie in dieser Saison. In den 35 Partien mit Ostschweizer Beteiligung fielen 131 Tore. Sie beenden erstmals eine Meisterschaft auf Rang zwei und damit so gut wie seit dem Titel vor 20 Jahren nicht mehr.

Am Montag schliessen die St.Galler die Saison bei den Young Boys ab. Bevor sie zusehen müssen, wie den Bernern der Pokal übergeben wird, wollen sie dem Meister noch einmal auf Augenhöhe begegnen. Und ein Signal senden, dass mit dem FC St.Gallen auch in der nächsten Saison zu rechnen sein wird.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler.

Benjamin Manser

St.Gallens Trainer Zeidler sagte:

«Die Young Boys haben den Titel verdient. Wir aber sind stolz, zwischen den beiden Teams aus Bern und Basel auf Platz zwei zu sein.»

Am 1. September wird ausgelost

Am 1. September wird der FC St.Gallen erfahren, auf wen er am 24. September in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League treffen und wo das eine Spiel ausgetragen wird. Überstehen die Ostschweizer dieses Spiel, wartet vor dem Einzug in die lukrative Gruppenphase noch eine Playoffpartie. Allerdings sind für die dritte Runde einige Hochkaräter wie Wolfsburg, Sporting Lissabon oder Milan im Topf.

Als Hefti an diesem prächtigen Sommerabend den Platz verlassen hatte, versammelten sich wenig später die Familien Sutter und Zeidler mit ihren Kindern auf dem Platz für ein gemeinsames Foto. Auch für den Sportchef und den Trainer war es eine denkwürdige Saison.

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Was für ein famoser Auftritt des FC St.Gallen. Beim 6:0 zeigt er sich von seiner absoluten Schokoladenseite, Cedric Itten erzielt gegen Xamax gar einen Hattrick. Weil die Berner aber gleichzeitig in Sitten 1:0 gewinnen, dürfen sie sich zum dritten Mal in Folge Schweizer Meister nennen. Damit kommt es am Montag in Bern nicht zur erhofften Finalissima – es wäre zu schön und zu spannend gewesen.
Christian Brägger