FCSG: Kukuruzovic, der Berner Giel beim FCSG

Nach vier Jahren beim FC Zürich ging Stjepan Kukuruzovic nach Budapest, wo er nicht regelmässig spielte. In Vaduz fand der in Thun aufgewachsene Kroate wieder den Tritt - auch dank Trainer Giorgio Contini.

Patricia Loher
Drucken
Teilen
Der 28-jährige Stjepan Kukuruzovic hat in St. Gallen einen Vertrag bis Sommer 2019 unterschrieben. (Bild: Jil Lohse (St. Gallen, 9. August 2017))

Der 28-jährige Stjepan Kukuruzovic hat in St. Gallen einen Vertrag bis Sommer 2019 unterschrieben. (Bild: Jil Lohse (St. Gallen, 9. August 2017))

Patricia Loher

Als der junge Mann zum ersten Mal auf einem Matchblatt in der Super League aufgeführt wurde, war Konzentration gefragt: Stjepan Kukuruzovic, 21-jährig, Mittelfeldspieler, FC Zürich. Manch einer tat sich schwer, den Namen des Fussballers korrekt niederzuschreiben. Unterdessen hat sich das geändert. Es hat sich sogar sehr schnell geändert, weil Kukuruzovic nach seinem Wechsel vom FC Thun zum FC Zürich gleich Eindruck hinterliess, vier Jahre für den Stadtclub spielte und er nach seiner Rückkehr aus dem Ausland mit dem FC Vaduz manchem Gegner wehgetan hat.

Seit dem Début in der Super League sind sieben Jahre vergangen, und Kukuruzovic ist seinem Trainer Giorgio Contini von Vaduz aus nach St. Gallen gefolgt. «Contini hat mir in Vaduz die Chance gegeben, wieder zu Spielpraxis zu kommen. Zudem mag ich seine Art, wie er Fussball spielen lässt», sagt Kukuruzovic, der mit seiner Frau in Buchs im Werdenberg wohnt, demnächst aber näher zum Kybunpark zügeln will. Contini streicht die menschlichen Vorzüge des 28-Jährigen hervor: «Er hat einen guten Umgang. Und er schätzt, was er hat. Als er von Ferencvaros Budapest weg wollte, war er demütig genug, um sich dem FC Vaduz anzuschliessen.»

Natürlich helfen selbst in ­diesem Geschäft menschliche Qualitäten, aber ein Trainer will ­einen Spieler vor allem auch deshalb, weil er das Team auf dem Platz weiterbringen kann. «Er verfügt über viel Spielverständnis. Zudem sind seine Standards und sein Abschluss stark», so Contini. Journalisten, die Kukuruzovic in den vergangenen zwei Jahren in Vaduz begleiteten, sagen: «Er war ein Leistungsträger. Es fehlte ihm aber die Konstanz. Manchmal war er sehr gut, dann wieder weniger.» Auch in St. Gallen hatte der Fussballer, den sie Kuki rufen, schon ein sehr gutes Spiel: Beim 2:0 gegen Sion überzeugte er im defensiven Mittelfeld mit guter Übersicht und präzisen langen Bällen.

Die Eltern von Kukuruzovic sind vom Silbersee

Kukuruzovic ist in Thun aufgewachsen. Er sagt, er sei ein Berner Giel. Sein Berner Dialekt ist astrein. Vater und Mutter Kukuruzovic kamen noch vor Ausbruch des Jugoslawienkrieges aus Kroatien ins Berner Oberland. Seine Eltern seien vom Silbersee, sagt Kukuruzovic und lacht. «So wissen immer alle, wo das ist.» Denn die kleinen Städtchen seiner Eltern kenne keiner. Also hat Kukuruzovic seine Wurzeln nahe dem Nationalpark der Plitvicer Seen, wo einst «Der Schatz im Silbersee» gedreht wurde. Die Gegend ist traumhaft und bei Reisenden sehr beliebt. Der Fussballer besucht regelmässig seine Verwandten, sagt aber auch: «Abseits der Touristenströme sind noch immer Spuren des Kriegs erkennbar.»

Nachdem Kukuruzovic mit Thun 2010 an der Seite von Marco Aratore, Oscar Scarione und Andreas Wittwer in die Super League aufgestiegen war, ging er zum FC Zürich. Er überzeugte beim Stadtclub und wurde ein wichtiger Teil jenes Teams von Trainer Urs Fischer, welches die Meisterschaft 2010/11 nur einen Punkt hinter Basel beendete. Wenig später warf ihn ein Kreuzbandriss zurück. Die Folgen dieser Verletzung spürte der Fussballer selbst dann noch, als er wieder spielte: «Ich fühlte mich nie mehr richtig fit.» Bald einmal kam er nicht mehr regelmässig zum Einsatz.

Nach vier Jahren in Zürich und dem Cupsieg 2014 entschied er sich, das Angebot von Ferencvaros Budapest anzunehmen, wo Thomas Doll sein Trainer war. Nach nur einem Jahr brach der Spieler das Projekt aber ab. Ferencvaros hatte einen ungarischen Internationalen geholt und Doll Kukuruzovic schon im Winter mitgeteilt, künftig wohl weniger auf ihn zu setzen. «Doll hat mir keine falschen Hoffnungen gemacht. Der Schritt zurück in die Super League hat sich richtig angefühlt.» Er fand wieder den Tritt. Auch dank Contini.